Homosexualität im Film

HOMOSEXUALITÄT IM FILM

„RIAS-Treffpunkt“ im Januar 1981

Wir erinnern uns: lange Jahre war der Homosexuelle im Film immer gut für eine komische Nebenfigur. In der Komödie ging es ohne die schwule Tunte kaum, in Action-Streifen wurde er gern als schwuler Feigling missbraucht. Die Leinwand-Attribute dieses “andersartigen“ Menschenschlages waren – schwach, blöd, feige, gefährlich. Über Homosexuelle durfte man sich ungestraft lustig machen, sie waren immer für einen Gag gut. Und wenn er noch so abgenutzt war. Fiel einem Drehbuchautor nichts mehr ein, so griff er gerne auf “den Homo“ zurück. Die Geschichte des Films ist denn auch voll solcher Leinwand-Beispiele; aber sie zeigt auch, dass es immer wieder Bemühungen gab, dieses schiefe Bild wenigstens etwas zurechtzurücken:

1.) Jean Genets Film “LIED DER LIEBE“ (Un chant d’amour) von 1950 gilt heute als Homofilm-Klassiker, die ernsthafte, sensible Bemühung, dem Thema, die Fantasien eines im Gefängnis lebenden Mannes, gerecht zu werden;

2.) während aus England 1956 mit dem Vincente-Minnelli-Film “Anders als die anderen“ (Originalübersetzung: “Tee und Sympathie“) so eine Plotte rüberkam, wo Homosexualität bis zur Unkenntlichkeit verkleistert wird, obwohl das Thema davon handelt;

3.) “Anders als du und ich“ kam 1957 in der Bundesrepublik heraus, ein österreichischer Film, der in seinem Herstellungsland unter „Das dritte Geschlecht“ vorgeführt wurde. Regisseur Veit Harlan erzählte darin die Geschichte vom fehlgeleiteten Sohn, dessen Mutter ihm ein Mädchen besorgt und somit die Homosexualität austreibt;

4.) im gleichen Jahr wurde in “Stirb wie ein Mann“ von Jack Garfein das Soldatenmilieu nach “diesem Klima“ abgeklopft,

5.) während 1961 der englische Streifen “Teufelskreis“ bemüht war aufzuzeigen, dass gerade durch das Verbot der Homosexualität diese Menschen kriminalisiert werden, für verbrecherische Intrigen benutzt werden können. Ein in Großbritannien damals heiß umstrittener Film, der durch den Auftritt von Dirk Bogarde in einem seriösen Umfeld blieb;

6.) ein typisches Beispiel für geradezu musterhafte Bemühungen, “heimliche“ Umwege um dieses Thema zu machen, sind die Hollywood-Verfilmungen “Die Katze auf dem heißen Blechdach“, “Plötzlich im letzten Sommer“ und “Spiegelbild im goldenen Auge“, allesamt brillante Filme, die aber mit ihrem Anliegen bzw. das ihrer Protagonisten “dem Zeitgeschmack gemäß“ umgingen;

7) die Western müssen genannt werden, wo Männerfreundschaften seit jeher den Mittelpunkt bildeten und die latent vorhandene Homosexualität inhaltlicher Bestandteil war, bestes Beispiel dafür “Warlock“ von 1959, wo Anthony Quinn und Henry Fonda ein “Paar“ bildeten;

8.) Ende der Sechziger kamen dann die Underground-Filme(r) auf, Kenneth Anger beispielsweise wurde populär durch seinen Leder-Film “Scorpio Rising“, unflätige, ungezähmte, ungebremste Aktivitäten, die Sache der Homosexualität zu vertreten;

9.) die Andy-Warhol-Filme müssen natürlich in diesem Zusammenhang gewertet werden, auch da ein Beispiel: “Lonesome Cowboy“ mit Joe Dallesandro, wütende, grelle Rundumschläge, die aber oftmals die Falschen ins Kino holte und ihre Vorurteile nur mehr verstärkten;

10.) da ist ein englischer Film von 1971 in Erinnerung, “Sunday, Bloody Sunday“, John Schlesinger drehte ihn, Peter Finch war einer der Hauptdarsteller, und es war einer der ersten “offiziellen“ (“feinen“) Filme, wo ein Mann einen anderen Mann küsst und die Kamera nicht abdreht; britischen Zeitungen zerrissen sich damals die Mäuler;

11.) in der Bundesrepublik wurde Rosa von Praunheim zu einem Begriff, mit Filmen wie “Schwestern der Revolution“ (1969), vor allem aber “Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971) erregte er die Gemüter, letzterer lief über das deutsche Fernsehbild, außer natürlich in Bayern, die schalteten sich vor/mit lauter Empörung raus, was Praunheim zu unverhoffter Publicity verhalf; 1972 schuf er mit “Berliner Bettwurst“ dann die erste hübsche, im Homo-Milieu angesiedelte Komödie;

12.) durch Filme wie “Ein Käfig voller Narren“, dessen grauenvolle Fortsetzung gerade die Kinos füllt, oder “Cruising“ von William Friedkin, der eine Krimi-Story im Milieu ansiedelt und dabei ziemliche Kritik-Schelte von wegen Ausnutzung und Diffamierung von Betroffenen bekam, stößt das Thema mehr und mehr in die breite Tolerierung vor. Frank Ripplohs “Taxi zum Klo“ ist insoweit ein neues, wichtiges Signal in dieser Hinsicht.

Hinweis auf willkürliche Auflistung, natürlich unvollständig, oberflächliche und keineswegs ausgewogene “Statistik“. Stichwort-Sinn.