Hacksaw Ridge Kritik

HACKSAW RIDGE“ von Mel Gibson (USA 2015/2016; B: Robert Schenkkan; Andrew Knight; K: Simon Duggan; M: Rupert Gregson-Williams; 131 Minuten; Start D: 26.01.2017); mit seinen Regie-Filmen „Die Passion Christi“ (2004/s. Kino-KRITIK) und „Apocalypto“ (2006/s. Kino-KRITIK), beides mit O-Pönis bewertete Streifen, hat der heute 61jährige Schauspieler und Produzent MEL GIBSON wahre Schandwerke des Gewalt- und Glaubens-Kinos („Wiedergeburt durch Gewalt“) abgeliefert. Der zweifache „Oscar“-Preisträger (1996/für „Braveheart“; als Regisseur und für den „besten Film“) war jahrelang einer von Hollywoods beliebtesten Action-Stars und zumeist „gerne“ brutal unterwegs (4 x „Leathal Weapon“; 3 x „Mad Max“, aber auch „Payback – Zahltag“).

Anlässlich der Herstellung von „Die Passion Christi“ wurde seine Verbindung zum katholischen Traditionalismus bekannt. Nach privaten Eskapaden galt Gibson in Hollywood für einige Jahre als „unerwünschte Person“. Mit seinem aktuellen fünften Regie-Film, Budget: 40 Millionen Dollar, bisherige USA-Einnahmen um die 158 Millionen Dollar, der im letzten September beim Venedig-Festival außer Konkurrenz lief, kehrt Mel Gibson wieder in die Erfolgs- und Akzeptanzspur zurück. Und ist sogar bei der diesjährigen „Oscar“-Nominierung wieder mit-dabei.

„Hacksaw Ridge“ oder: Mit dem bekannten exzessiven Mel Gibson-Gewalt-Potenzial. In einem triefenden amerikanischen Fahnen-Epos. Basierend auf authentischen Geschehnissen und einem US-Kriegs-Helden. Kriegs-Ort: Die japanische Insel Okinawa, im Frühling 1945. Die amerikanischen Streitkräfte liefern sich heftige Kämpfe mit japanischen Soldaten. Dabei geht es um die Einnahme des 122 Meter hohen Maeda-Steilhangs, genannt „Hacksaw Ridge“, also „Metallsägen-Kamm“. Nach hohen Verlusten wollen sich die beiden US-Divisionen zurückziehen. Doch „Oben“ haart ein Soldat aus. Immer der Gefahr ausgesetzt, von den Japanern entdeckt und getötet zu werden, beginnt er mit dem Abseilen von 75 verletzten Soldaten. Sein Name: Desmond T. Doss (ANDREW GARFIELD).

Die Vor-Geschichte ist wichtig. Doss, Angehöriger der Freikirche der Siebenten-Tag-Adventisten, hat sich zum Kriegsdienst gemeldet, will aber aus Glaubensgründen keine Waffe anrühren. Stattdessen will er als „nicht kämpfender“ Sanitäter seinen Beitrag für sein Land leisten. Natürlich stößt er auf zahlreichen Widerstand, wird von den eigenen Leuten misshandelt, kann sich aber schließlich vor dem Militärgericht durchsetzen. Darf für sein Land in den Krieg ziehen. Und wird in Okinawa zum nationalen Helden. Fahnen-Jubel. Mit Präsidenten-Auszeichnung.

Begründet das Vorhandensein von „Wahrheit“ die Behauptung für einen besseren Film? Keineswegs. Mel Gibson wühlt mal wieder in extremen Kampf-Bildern. Motto: Zerfetzte Körper, heraushängende Gedärme, abgetrennte Gliedmaßen, bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Körper. Detail-versessen dirigiert er den Zeitlupen-Krieg. Lustvoll zelebriert er Blut, Schweiß und Schreie. Nachdem er in der ersten Hälfte Desmond, den hageren Vegetarier, vorstellt; als netten Land-Burschen, der seine große Liebe in der Krankenschwester Dorothy findet (TERESA PALMER) und der dann beim Militär in den schmerzhaften Trainings- und Erklärungs-Drill gerät. Ein bekanntes weiteres Hollywood-Gesicht in der Kaserne: Der sonst so komische VINCE VAUGHN („Die Hochzeits-Crasher“) als Sergeant Howell-Ausbilder.

Der zweimalige „Amazing Spiderman“ Andrew Garfield gibt als humaner Soldat von der traurigen, aber tapferen Gestalt alles, um dies uns (hier) plausibel zu machen. Gelingt aber nur begrenzt: Dass Krieg die totale Scheiße ist, dürfte hinlänglich bekannt sein, wenigstens bei Menschen mit Verstand; da bedarf es nicht dieser mächtig krachenden, brüllenden Unterhaltungsshow, um dies wieder einmal bombastisch vorführen zu lassen und bestätigen zu wollen.

„Hacksaw Ridge“ mag wahr sein, wirkt als Kino aber unanständig und pathetisch-verlogen (= 1 PÖNI).