GOTTI

„GOTTI“ von Kevin Connolly (USA 2016; B: Leo Rossi; Lem Dobbs; 44 Produzenten, darunter: John Travolta; K: Michael Barrett; M: Armando Christian Perez; Jorge Gomez; 109 Minuten; deutscher Heimkino-Start: 6.12.2018); normalerweise stehen an dieser Stelle Kritiken zu empfehlenswerten neuen Heimkino-Filmen. Das ist diesmal anders – heute muss ich vor einem neuen JOHN TRAVOLTA ausdrücklich WARNEN:

1.) Hellhörig wurde ich auf diesen Film durch einen Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ vom 21. Juni 2018. Überschrift: „Fluch der Tomate“. (Offensichtlich schon mal ein Zaunpfahl-Wink für die kommende Vergabe der „Goldene Himbeeren“ am Vorabend der „Oscar“-Verleihung). Der erste Absatz lautete wie folgt: „Glaubt man der Internetseite ‚Rotten Tomatoes‘, dann gehört ‚Gotti‘, der neue Film mit John Travolta, zu den miserabelsten Werken, die jemals in Hollywood produziert wurden. Am vergangenen Wochenende startete das Mafiadrama, in dem er den legendären New Yorker Gangsterboss John Gotti spielt, in den US-Kinos – und hat auf dem Portal seitdem eine seltene Negativwertung von null Prozent“.

2.) Soeben ist dieser Film auch hierzulande zu betrachten, allerdings nicht erst im Kino, sondern gleich im hiesigen Heimkino. Mit dem weiteren DVD-Blu-ray-Cover-Spruch: „A Real American GODFATHER“. Auf der Rückseite steht: „Die wahre Story des berüchtigsten Gangsters unserer Generation“. Zusammengefasst = also „so etwas“ wie einst „DER PATE“; mit Marlon Brando, nur eben sozusagen Gerade-Gestern-Heute. Mit John Travolta. Der diesen Film, lt. Credits, mit weiteren 57 Produzenten (!) co-produziert, also mit-finanziert hat.

3.) Apropos: JOHN TRAVOLTA. Der 64-jährige bekennende Scientologe hatte schon einige Auf- und Abs in seiner Karriere. 2 „Oscar“-Nominierungen für „Saturday Night Fever“ (1978) und „Pulp Fiction“ (1995) stehen zig „Goldenen Himbeeren“ gegenüber: etwa für die Mitwirkung in Filmen wie „Staying Alive“ (1984) oder „Battlefield Earth – Kampf um die Erde“ (2000), den Kritiker damals als einen der schlechtesten Filme aller Zeiten einstuften und der auch als einer der größten Flops in die Filmgeschichte eingegangen ist. Heuer hat er mal wieder in den Mustopf gegriffen, und für Travolta „ist das dreifach peinlich, weil er nach ‚Staying Alive‘ und ‚Kuck mal, wer da spricht‘ nun schon zum dritten Mal in der Null-Prozent-Liste von ‚Rotten Tomatoes‘ vertreten ist“ (SZ/21.6.18).

4.) Was Travolta erzürnte. In einem Video bezeichnete er Kritiker als „Trolle“. Denn sie hatten es gewagt, folgende Formulierungen für „GOTTI“ zu veröffentlichen. „Ich würde lieber neben einem abgetrennten Pferdekopf aufwachen, als jemals wieder ‚Gotti‘ anschauen zu müssen“ (Johnny Oleksiski in der „New York Post“), und in „The New York Times“ war von Glenn Kenny zu lesen: „Es ist keine Überraschung, dass dieses lang erwartete Krimi-Drama ein trostloses Durcheinander ist. Schockierend ist nur, auf wie vielen Ebenen dieses Durcheinander trostlos ist“. 

5.) In der Tat: „Gotti“ ist ein fürchterlicher Film. Der einen prominenten New Yorker Gangster (*1940-†2002) glorifiziert. Aus einem Mörder und Verbrecher einen „Unterwelt-Heiligen“ macht, den „die einfachen Leute“ mochten. John Travolta als „heiliger Gotti“ setzt dazu eine Hackfresse auf, die nur als unappetitlich-dämlich ´rüberkommt. Ansonsten wird viel gequatscht, ungemein viel, und eben gezeigt, wie eigentlich „normal“-familiär es so in einer Mafia-Gang zugeht. Zuging. Na klar, da gibt es schon „diese Anspannungen“, diese Auseinandersetzungen mit der Konkurrenz, aber eigentlich ist es doch gut, dass EINER das Sagen und Bestimmen hat. Da fühlt man sich als Mitläufer doch gleich „gesund“ aufgehoben. Ach so ja, mit seinem Junior John A. Gotti (grauenvoll imitiert von Spencer Lofrano) gibt es Zoff, weil der nicht mehr so leben will wie sein – inzwischen im Gefängnis einsitzender und schwer an Krebs erkrankter – Daddy, aber es ist sowieso egal, was hier wo und wie und warum passiert: Der Film ist nur Sondermüll für die Tonne: erzählerisch – dramaturgisch – bildlich – darstellerisch. (Immerhin Oldie-Star STACY KEACH/“Mike Hammer“-TV-Serie /“Fat City“/1972 zeigt auch mal wieder sein Gesicht). Während Travolta als Mobster-Chef mit Dummbazi-Face chargiert als gäbe es kein Übermorgen mehr.

6.) Und zum ganzen wirren Chaos trägt auch der wilde Schnitt, die „furchtlose“ Montage, bei. Die motivationslos in den Zeiten hin- und herspringt, mal befinden wir uns 1999, um uns sogleich gen 1973 zu bewegen, um umgehend 1974, 1985 oder 1979 anzupeilen. Womit dem Film auch die letzte Spannung gründlich ausgetrieben wird.

7.) Fazit. DIE nehmen sich und Das-Hier ernst. Halten das für Kunst oder Genre, zumindest für große Unterhaltung. Was für ein schlechter Witz. „Gotti“ ist totaler Murks und für Uns-Hier sowieso von nur minderem Interesse. Oder – interessiert Sie etwa die überkandidelte, langweilige, nur ekelhaft-arrogante Macho-Figur eines Schizo-Ami-Promi-Gangsters von neulich? Scheiß Film-nochmal: Nein! „Gotti“ ist ein Fuck-Movie! (= 0 PÖNIs).

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