Good Food, Bad Food Kritik

GOOD FOOD, BAD FOOD – Anleitungen für eine bessere Landwirtschaft“ von Coline Serreau (B,K+R; Fr 2009/2010; 113 Minuten; Start D: 20.01.2011); wer hätte das vor noch nicht allzu langer Zeit gedacht? Dass wir uns heutzutage auch im Kino mit dem Thema ERNÄHRUNG gedanklich wie politisch auseinanderzusetzen haben? Doch DAS THEMA brennt akut auf den gesellschaftlichen Nägeln, siehe bei uns gerade der DIOXIN-Skandal. Dies jetzt weiterhin zu ignorieren und „so weiterzumachen“ wie bisher, ist nun nicht mehr möglich. Zu unübersehbar/unüberhörbar werden wir tagtäglich „damit“ konfrontiert. Und zu sehr haben inzwischen Filme wie „FOOD, INC. – WAS ESSEN WIR WIRKLICH?“ von Robert Kenner, „WE FEED THE WORLD“ des Österreichers Erwin Wagenhofer oder auch „SUPER SIZE ME“ von Morgen Spurlock (mit dem „McDonalds-Selbstversuch“) erschreckende wie diskutable Spuren hinterlassen. Zynisches Motto: Wir vergiften uns immer gigantischer. „Schmackhafter“.

Die 63jährige Französin COLIN SERREAU kennen wir gut. Sie hat uns mit „Pourquoi pas! – Warum nicht!“ eine herrlich-quere 70 Jahre Off-Kino-Komödie beschert. Und landete mit dem wunderbaren Spaß „DREI MÄNNER UND EIN BABY“ 1985 einen Volltreffer. Für DEN es Zuhause 3 „Cesars“ gab sowie dann auch eine Auslands-„Oscar“-Nominierung. Und der dann viele Nachahmer (auch in Hollywood) fand. 1989 setzte sie mit „Milch und Schokolade“ ein formidables „migrantes Versöhnungs(märchen)zeichen“. 1996 warnte sie mit ihrem Film „Der grüne Planet – Besuch aus dem All“ vor den Auswüchsen einer aus den Fugen geratenen Konsumgesellschaft. In dem im Berlinale-Panorama von 2002 präsentierten parabelhaften Thriller „Chaos“, der danach bedauerlicherweise bei uns nie mehr auftauchte, erklärte sie ambitioniert Männern den Krieg. 2005 erreichte ihre Menschen-Komödie „Saint Jacques…Pilgern auf Französisch“ auch unsere Arthouse-Häuser.

Nun also ganz etwas Serreau-Anderes: Eine Dokumentation über den Nahrungsherstellungszustand auf unserem Planeten, gerade von der Jury der „Evangelischen Filmarbeit“ zum FILM DES MONATS erklärt. Dabei geht es nicht nur darum aufzuzeigen, was so alles schief läuft in Sachen Nahrung, Ernährung, Landwirtschaft, sondern auch darum, konstruktive Lösungsansätze zu vermitteln. Coline Serreau will weit mehr als einfach nur das System der Landwirtschaft anprangern, das durch Wachstum- bzw. Profitstreben aus dem Ruder läuft, sondern möchte neue Möglichkeiten vorstellen. „Also habe ich mich auf den Weg nach Indien, Brasilien, in die Ukraine und in die Schweiz gemacht, um Fachleute zu interviewen, die glaubhafte Alternativen auf die Beine stellen“. Und die sich mehr und mehr global „vernetzen“. Für eine gesunde, nachhaltige Landwirtschaft. Die im Übrigen auch Millionen von Menschen Arbeit gäbe.
„Good Food, Bad Food“ ist kein langweiliger, belehrender Zeigefinger-Film, sondern ein wirkungsvolles, hinterfragendes und diskussionswürdiges wie nachdenkenswertes Dokument. Marke: WACHRÜTTELN. Denn: Es gibt LÖSUNGEN. Für Ansätze, Verbesserungen, Veränderungen, den Hunger auf dieser Welt umfangreich zu verringern. Und uns dabei „zu entgiften“.

Doch um DIES maßgeblich voranzubringen, müssen aber zunächst die nüchternen Aussagen von z.B. SERGE LATOUCHE, Ökonom und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Paris-Sud, erschrecken wie aufrütteln: „Wenn die ganze Menschheit so leben würde wie die Franzosen, dann bräuchte man dafür eigentlich drei Planeten“. „Und würden alle wie die Amerikaner leben, bräuchten wir sechs“.
Niemand sage bitte, dass er nicht wüsste, dass es DIESE VORZÜGLICHEN WIE BRANDAKTUELLEN FUTTER-INFO-FILME JETZT NICHT GÄBE. Es gibt sie. Immer mehr. Gott sei Dank (= 4 PÖNIs).

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