Golden Door Kritik

GOLDEN DOOR“ von Emanuele Crialese (B+R; It/Fr 2006; 118 Minuten; Start D: 31.05.2007).

Er studierte einst in New York Filmregie und machte dort auch 1995 seinen Abschluss. Nach zahlreichen Kurzfilmen entstanden die auch bei uns im Kino gezeigten ersten beiden Spielfilme “Once we were Strangers“ (1997) + “Lampedusa“ (2002/“Preis der Jungen Filmkritik“ in Cannes). Sein 3. Spielfilm, zu dessen Amerika-Start immerhin “Oscar“-Preisträger MARTIN SCORSESE die Patenschaft übernommen hat, wurde bereits u.a. mit dem UNICEF-Award sowie mit dem “Silbernen Löwen“ als “Beste Neuentdeckung“ bei den Vorjahrs-Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet. Ein Auswanderer-Drama von großer epochaler Wucht und als vielschichtiges Historien-Zeitgemälde mit durchaus aktuellem Geschmack.

Anfang des 20. Jahrhunderts beschließt ein sizilianischer Bauer und Witwer mit seiner Mutter und den beiden Söhnen nach Amerika auszuwandern. AMERIKA: Das Land der Hoffnungen und Träume. Das verklärte Amerika, dort wo Kartoffeln so groß wie Kutschen und Karotten so lang wie Kanus sind. Seit Generationen bringt das steinige Land nur noch karge Ernten, während die Familie im Einklang mit der Natur und in abergläubischer “Verbindung“ mit den Geistern der Vorfahren ein ziemlich eintöniges Leben fristet. AMERIKA soll nun die bessere Zukunft bringen. Auf dem überfüllten Schiff-dorthin begegnet Salvatore der geheimnisvollen, rothaarigen Engländerin Lucy, die auf eine “gesicherte“ Schein-Ehe aus ist. Schließlich beginnt die 3. “Prüfung“, nach der Ankunft, vor Ort, im “gelobten (Ellis lsland-)Land“. Wo Kontrollen und (Über-)Prüfungen zu überstehen sind, bevor man überhaupt “Einlass“ findet.

Eine bisweilen spröde, zurückhaltende, in sich “einzulesende“ Fabel als bewegendes Emigranten-Drama. Ohne theoretisch-aufdringliche Zeigefinger-Botschaft, sondern als würdevolles, kluges Poesie-Drama mit einer ausgesprochen bilderstarken Milieubeschreibung und “kraftvollen-spannenden“ Personen. Und mit aktuellen Assoziationen: Stichwort, die vielen Fluchtbewegungen in die “Neuen Welten“-von heute; die vielen dabei ungehört bleibenden Schicksale. Ihnen setzt dieser Film ein intelligent-lakonisches Denkmal. Aus dem vorzüglichen Darsteller-Ensemble will ich den in New York lebenden sizilianischen Bildhauer VINCENZO AMATO als Salvatore hervorheben, ein Kraftpaket an Ausdruck und Würde, sowie die wunderbare, überzeugend-sensible CHARLOTTE GAINSBOURG (zuletzt u.a. “Lemming“; “21 Gramm“) als emanzipierte Lucy.

“Golden Door“ ist eine außergewöhnliche Leinwand-Entdeckung für das “Andere“, das Arthouse-Kino (= 4 PÖNIs).

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