DER GESTIEFELTE KATER

DER GESTIEFELTE KATER“ von Chris Miller (USA 210/2011; 90 Minuten; Start D: 08.12.2011); als wir ihm das allererste Mal begegneten, war er als Auftragskiller unterwegs: Für den König. Der den grünen Oger SHREK unbedingt loswerden wollte, damit dieser ja nicht sein Schwiegersohn wird. Und deshalb den gefürchteten GESTIEFELTEN KATER beauftragte, hier für „Klar Schiff“ zu sorgen. Doch was passiert: Nicht nur der Anschlag misslang, dieser selbstbewusste Pfotentyp wurde auch noch zum treuen Begleiter des grünen Riesen. Dabei sich ständig selbst überschätzend, großmäulig, aber so sagenhaft charmant. Niedlich. Latino lecker. Mit diesen „spanischen Vokalen“ (damals wie heute, Original: ANTONIO BANDERAS; deutsch: BENNO FÜRMANN). Die so was „zorrohaftes“ ausdrückten.

Der gestiefelte Kater war ein toller kleiner Nebenheld. Der beim Publikum gut ankam. Nicht nur 2004, in „Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück“, sondern auch in den beiden „Shrek“-Folgefilmen. Während Shrek sich nun im Ruhestand befindet, geht die Show aus dem „Shrek“-Animationshaus von „Dreamworks“ munter weiter. Denn wenn ich „solch ein Pfund“ wie diesen beliebten Hollywood-Kater habe, dann soll DER nun gefälligst die weiteren Dollar-Kastanien aus dem lodernden Geld-Feuer holen. Gedacht, getan: Anstatt den Gestiefelten Kater, wie ursprünglich geplant, „nur“ als DVD-Figur am Filmleben zu lassen, wurde gleich ein ganzes neues Movie für ihn gestrickt. Am Computer gezimmert. Im modernen 3 D gepixelt. Von jenem Chris Miller, der damals, mit „Shrek 2“, auch sein erfolgreiches Langfilmdebüt gab.

Wer aber ist er? Im Ursprung?: „DER GESTIEFELTE KATER“ ist ein volkstümliches Märchen. War einst die Nummer 33 in der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. In den Lexika heißt es, dass er aber bereits 1797 in der Komödie „Der gestiefelte Kater“ von Ludwig Tieck auftauchte. Egal. Er existiert also seit ewigen Zeiten in der Märchenwelt und wurde inzwischen zigfach von der Oper, vom Film, vom Theater, vom Fernsehen benutzt. Die „Augsburger Puppenkiste“ öffnete am 26. Februar 1948 mit „Der gestiefelte Kater“ ihre Pforten, und gerade erst wurde ein modernes französisches Animationsabenteuer von 2008 bei uns auf DVD erstveröffentlicht: „Der gestiefelte Kater: Die wahre Geschichte“. Dieser Kater war und ist also stets märchen-präsent.

„Puss in Boots“, wie der Jux im Original heißt, macht sich nun daran, die Geschichte dieses ungewöhnlichen tierischen Abenteuers biographisch aufzuschlüsseln. Bevor er zum Shrek-Begleiter wurde. Als er, wie eine bessere Charles Dickens-Figur, in einem spanischen Provinz-Waisenhaus aufwuchs. Eigentlich gemocht. Mit seinem „niedlichen“ südländischen Temperament, seiner friedlichen Seele, seinem süßen großäugigen, alle becircenden Kullerblick, seinem Schnurren. Sowie, natürlich, mit seinen Stiefeln. Seinem Markenzeichen. Seine ihn rechtschaffen aufziehende Menschenmama jedenfalls mag ihn. Sehr. Doch dann lässt er sich vom Waisenhaus-Kumpel Humpty Dumpty, einem Ei mit zwei Beinen, verleiten. Zu einem kriminellen Schabernack. Bei dem alles schiefläuft. So dass ER, der Kater, zum Outlaw wird. Zum Aussätzigen. Gesuchten. Für dessen Einfangen sogar ein Lösegeld ausgesetzt wird. Kein Wunder, dass Señor Kater fortan alles daransetzt, seinen guten Ruf wieder herzustellen.

Doch immer wieder kommt ihm dieses „menschliche Ei“ dazwischen, dieser listige, schäbige Verführer Humpty Dumpty (eine populäre Figur aus einem englischen Kinderreim und auch aus dem „Alice im Wunderland“-Kosmos bekannt). Sowie auch, und das ist für den feurigen Macho-Kater natürlich viel anziehender, dessen Begleiterin Kitty Samtpfote (Original: SALMAY HAYEK; die deutsche Stimme wird nicht genannt). Von ihr lässt er sich gerne vorführen. Verführen. In das große Abenteuer locken. Mit Verfolgungsjagden sowie feurigen Tanz- wie Fecht-Duellen geht es auf die Jagd. Nach „goldenen Eiern“. Von der goldenen Gans. Und Zauberbohnen. Bzw. umgekehrt. Denn: Ewiger Reichtum winkt. Für Tiere wie Menschen. Und Eiern. Dabei gilt es aber, die hässliche wie fiese Räuberehepaar-Konkurrenz ebenso auszustechen wie einen Monstervogel zu bekämpfen. Und nebenbei auch noch das eigene Image aufzupolieren. Und gleichzeitig viele komische Sprüche abzulassen. Ulkige Motive zuhauf. Wenn auch inhaltlich nicht sehr „fleischig“.

Doch die Story ist unwichtig. Sie ist sowieso schlicht gestrickt. Ganz simpel. Marke Kohle oder was. Diese ewige Gier. Oder was. Zählt im Leben. Die Kater-Figur reißt alles `raus. WIE DIE herumscharwenzelt, wie dieser Fell-Zorro herumcharmt, ist bei diesem modernen Kasperle-Trick-Western alles-entscheidend. Der Solist mit dem schönen Akzent überzeugt. Be- und verzaubert als Komödiant, Galan, Zorro, Milch-Trinker. Als frecher Individualist. Mit charakterlichen Schwächen. Wie halt jeder Mensch. Pardon Kater. Ein prima Angeber. Und Maul-Held: Benno Fürmann und Antonio Banderas amüsieren sprachlich. Ziehen alle verbalen Pointenregister, um zu gefallen.
Der gestiefelte FILM-Kater 2011 ist ein netter Animationsspaß. Prädikat: Hübsches Miau-Schmunzeln. Für Kinder jeden Alters (= 3 PÖNIs).

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