Frühstück bei Monsieur Henri Kritik

FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI“ von Ivan Calbérac (B + R; Fr 2015; K: Vincent Mathias; M: Laurent Aknin; 99 Minuten; Start D: 21.07.2016); meine Güte, was hat der 80jährige CLAUDE BRASSEUR für eine stimmliche Röhre; akustische Erinnerungen an Joe Cockers „schlimmste Vocal-Zeiten“ werden wach. (Habe den Film in der PV in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gesehen). Claude Brasseur, eigentlich Claude Espinasse, ist eine Legende des französischen Kinos und hat seit den 1950er Jahren in mehr als 120 Filmen vor der Kamera gestanden. Darunter in Godards „Die Außenseiterbande“ (1964), in „Der Polizeikrieg“ (1979/“Cesar“ als „Bester Hauptdarsteller“); als Papa von Sophie Marceau in den beiden „La Boum“-Filmen (1980/1982). 2005 übernahm er in einer französischen TV-Produktion die Rolle des italienischen Diktators Benito „Mussolini“.

Hier mimt der Alte einen Alten. Einen griesgrämigen Witwer. Mit großzügiger Wohnung im heutigen Paris. Wohin es die klamme Provinz-Studentin Constance (NOÉMIE SCHMIDT) verschlägt. Sie schafft es tatsächlich, bei diesem bärbeißigen Ex-Buchhalter ein Zimmer zu bekommen. Natürlich gibt es fortdauernde Kabbeleien: Der ewig nörgelnde Senior und die selbst reichlich unsichere Mademoiselle. Die schließlich ein Abkommen vereinbaren: SIE soll seinem erwachsenen Sohn Paul (GUILLAUME DE TONQUÉDEC) intensiv „schöne Augen“ „und mehr“ machen, damit dessen Ehe mit der ultra-katholischen Valerie (FRÉDERIQUE BEL/die älteste Tochter aus „Monsieur Claude und seine Töchter“) den Bach runter gehen möge. Der Alte hat von „dieser Schnäpfe“ die Familien-Schnauze voll. Lohn: Mietfreiheit für ein halbes Jahr. Mehr oder weniger willig willigt Constance ein. Prompt tappt der verklemmte Sprössling von Monsieur Henri in die Emotionsfalle. Doch dann kommt alles doch ganz anders.

Ein filmisches Leichtgewicht mit Langeweile im Überangebot. Der Plot ist bieder, gibt wenig her; die inhaltlichen Verbiegungen wirken lau, nicht überraschend; der durchaus raffiniert klingende Zweikampf zwischen biestigem Oldie und (zunächst) scheuem Provinz-Mädel leidet unter mangelnden Ironie-Ideen; zudem findet das Duell der Hauptakteure nicht auf darstellerischer Augenhöhe statt: die Debütantin, die Schweizerin NOÉMIE SCHMIDT, ist mehr nervend denn originell. Und kann dem filmischen Veteranen Claude Brasseur nichts annähernd Charismatisches entgegensetzen.

Mit „L´étudiante et Monsieur Henri“, so der Originaltitel, basierend auf dem gleichnamigen, 2012 in Paris erstaufgeführten Bühnen-Bestseller des Regisseurs und Drehbuch-Autoren Ivan Calbérac, kann das französische Kino bei uns nicht viel punkten (= 2 PÖNIs).

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