Die fabelhafte Welt der Amelie

Wenn sich über 7 Millionen Franzosen für einen neuen Kinofilm interessieren, und wenn ihn sich sogar der Staatspräsident im Elysée-Palast vorführen lässt, dann verdient DAS und dann verdient DER natürlich auch hierzulande besondere Aufmerksamkeit.

DIE FABELHAFTE WELT DER AMELIE“ von Jean-Pierre Jeunet (Fr/D 2007; 122 Minuten; Start D: 16.08.2001) heißt dieses Film-Ereignis, das in
französisch-deutscher Co-Produktion entstanden ist.

Sein Name: JEAN-PIERRE JEUNET. Er ist Franzose. Er ist 46 Jahre alt, und seine Schule waren Cartoons und Animationsfilme. 1991 fiel er als Co-Autor und Co-Regisseur mit der absurden Kannibalismus-Ballade „Delicatessen“ erstmals einem größeren Publikum auf. Danach schuf er die düsteren Horror-Szenarien “Die Stadt der verlorenen Kinder“ und, in Hollywood, “Alien 4 – Die Wiedergeburt“. Jetzt hat er einen neuen Film gedreht. In und über die Großstadt. PARIS. Allerdings: Dort nunmehr weit entfernt von Motiven wie Sadismus, Maschinen-Gewalt und Lärm und Dreck. Ganz im Gegenteil: Jean-Pierre Jeunet hat in dieser schnellen Zeit der Globalisierung, der mächtigen Technisierung und dauerhaften Unruhe – ein modernes, surreales MÄRCHEN geschaffen. Mit vielen, unglaublich vielen Ideen und Gefühlswallungen. Die Franzosen konnten in diesem Kino-Sommer DAVON gar nicht genug bekommen. Jetzt erreicht dieser außergewöhnliche „Charme-Bolzen“ von Film endlich auch die Lichtspielhäuser hierzulande.

Und der Spaß kann erneut beginnen. Thema: Es war, nein, es IST einmal. Mitten in Paris. Im Bezirk Montmartre. Dort lebt AMELIE.
Sie ist um die 30. Kulleraugen, Ponyfrisur, das schüchtern- verschmitzte Lächeln: Amelie ist der Innbegriff einer liebenswerten Chanson-Französin. Und: Amelie ist nicht von DIESER Welt. Vielmehr hat sie sich ihren eigenen, ebenso reiz- wie phantasievollen Kosmos geschaffen. In der vor allem all diese kleinen Dinge und Erlebnisse eine aufregende Rolle spielen, die sonst im Alltag gänzlich unbeachtet und unbeobachtet bleiben: Steine, die auf dem Wasser springen; der Sand zwischen den Buchseiten; ein suizidgefährdeter Goldfisch. Amelie sieht und fühlt ganz einfach MEHR bzw. VIEL MEHR als ihre “normale Umgebung“. Und: Sie reagiert und agiert entsprechend darauf und gerne: Der trübsinnigen Hausmeisterin flattern plötzlich alte Liebesbriefe ihres verstorbenen Mannes ins Haus. Die hypochondrische Zigarettenverkäuferin in ihrem Bistro, wo sie arbeitet, erhält einen Lover “zugeteilt“. Einem Blinden wird im Vorübergehen das schöne Paris vermittelt. Amelie, die gute, hilfsbereite Fee. Schrullig und weise unterstützt von einem alten Maler und Nachbar. Der natürlich DAVON weiß:
Amelie und die AN-DAUERNDE Kindheit.

Aber: Amelie, das ist auch der listige Rache-Engel. Dem fiesen Gemüsehändler an der Ecke wird ganz schön “eingeheizt“. Doch wenn es um das es um das eigene, das private Glück geht, da sieht es bei Amelie ziemlich düster aus. Die eigene Kindheit drückt immer noch zu sehr aufs Gemüt.

Da ist dieser ‘merkwürdige‘ junge Mann. Nino. Der sucht die Fotoautomaten der Bahnhöfe nach weggeworfenen, zerrissenen Passbildern ab. Um sie in einem Album wieder zusammenzukleben. (Davor hat er übrigens FUSSABDRÜCKE gesammelt…). Nino und Amelie. Das wäre was. Das wäre die Produktion von ganz viel Glück.

Jean-Pierre Jeunet hat einen hinreißenden, einen wirklich phantastischen Zelluloid-Traum mit-erdacht und erschaffen. Sein Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“ ist die pure Glücks-Therapie im Kino. Der man sich nicht entziehen kann. Und will. Im Sekundentakt werden virtuos und überraschend und so überwältigend-augenzwinkernd positive Energie- und Lebensströme ausgebreitet. Und das Verrückt-Schöne dabei: Man kann sich DARAUF ohne Scheu und Peinlichkeit einlassen. Diese Hommage an das unbedingte Glück der kleinen Dinge und Leute macht in dieser wunderbar-ausufernden Träumerei richtig prima SÜCHTIG.

Und SIE? AUDREY TAUTOU heißt sie. Sie wirkt unschuldig wie Audrey Hepburn und ist ein wahrer Schatz von Heldin: Schön, lieb, pfiffig. Audrey Tautou ist gegenwärtig das populärste Gesicht des französischen Kinos.

Und auch wir müssen uns schmunzelnd verbeugen: MERCI, AMELIE (= 5 PÖNIs)!!!