CHARLES DICKENS: DER MANN, DER WEIHNACHTEN ERFAND

„CHARLES DICKENS: DER MANN, DER WEIHNACHTEN ERFAND“ von Bharat Nalluri (Irland/Kanada 2017; B: Susan Coyne; nach einem Sachbuch von Les Standiford/2008; K: Ben Smithard; M: Mychael Danna; 104 Minuten; deutscher Kino-Start: 22.11.2018); wir kennen diese Geschichte alle, haben oft von ihr vernommen; haben sie an Weihnachten oft auch auf dem Bildschirm verfolgt: „A Christmas Carol“ wie sie im Original heißt beziehungsweise „Eine Weihnachtsgeschichte“. Im Dezember 1843 zum ersten Mal – mit Illustrationen von John Leech – veröffentlicht. Der Autor ist der britische Schriftsteller CHARLES DICKENS (*7. Februar 1812 – †9. Juni 1870). Und vor allem um ihn geht es in diesem Spielfilm.

Als wir ihm 1842 begegnen, lässt er sich bei einer „Amerika-Tour“ feiern. Beseelt kehrt er nach England zurück. Dort erwarten ihn allerdings „reale“, also materielle Probleme. Sein letzter Erfolg mit „Oliver Twist“ liegt fünf Jahre zurück, die Romane danach waren Flops. Mit seiner Familie lebt er zwar auf großem Fuß, doch nun wird es wieder Zeit für eine Erfolgsgeschichte. Doch Charles Dickens (DAN STEVENS/“Die Schöne und das Biest“) erfährt/durchlebt eine Schreibblockade. Seine Verleger werden ungeduldig, missmutig, zudem erwartet seine Ehefrau Catherine ihr fünftes Kind. Die Zeichen stehen auf Sturm und Krise. Zumal man seinen Einfall, eine „Weihnachtsgeschichte“ zu schreiben, als „aussichtslos“ betrachtet. Doch mit Unterstützung seines Freundes und Agenten, eigentlich: seines Mentors und Beschützers John Forster (JUSTIN EDWARDS), entwickelt er die Idee, sein angefangenes Buch selbst drucken zu lassen. Doch erst einmal muss sich seine Geschichte „entwickeln“. Immer wieder wird Charles dabei „unterbrochen“, zuletzt durch den Besuch seines Vaters John (JONATHAN PRYCE/der Bond-Bösewicht aus „Der Morgen stirbt nie“) und seiner Mutter. Mit dem Vater gibt es viele Spannungen, obwohl Charles ihn immer wieder finanziell unterstützt. Doch da sind Dinge aus der frühen familiären Vergangenheit, die längst noch nicht aufgearbeitet sind. Kurzum: Charles, das Nervenbündel, der jetzt schon mal leicht(er) aus der Haut fährt.

Zumal: Die Figuren seiner Gruselgeschichte „beehren“ ihn immer wieder. Belagern ihn. Lästern herum. Angeführt durch diesen Ekel-Geizhals und Misanthropen Ebenezer Scrooge (CHRISTOPHER PLUMMER), der, stellvertretend, es nicht länger hinnehmen will, dass es mit ihnen – beziehungsweise – der Geschichte, in der sie mitmischen, nicht weitergeht. Man bedrängt den sowieso schon aufgewühlten Schreiber. Immer mehr. Immer näher.

Wirklichkeit und Phantasie verschmelzen in diesem aufwändig zelebrierten, feinen britischen Unterhaltungsstreifen. Mit opulenten Kostümen, einem liebevoll rekonstruierten London der damaligen Epoche sowie gut aufgelegten Darstellern, allen voran der 88-jährige „Oscar“-Preisträger Christopher Plummer (zuletzt großartig als Jean Paul Getty in Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“), der als Scrooge die dunkle Seelen-Seite von Charles Dickens brillant verkörpert, dabei so richtig-schön-fies sein darf und dies offensichtlich genießt. Ein schöner Film (= 3 1/2 PÖNIs).

P.S.: Von den vielen Verfilmungen des Scrooge-Stoffes scheint mir „Die Geister, die ich rief…“ von Richard Donner aus dem Jahr 1988 eine der gelungensten zu sein. Mit Bill Murray als Scrooge-ähnliche TV-Produzenten-Figur sowie in einer (leider nur) kleinen Rolle – Robert Mitchum. Läuft an den Weihnachtstagen bestimmt wieder im Fernsehen. Immer empfehlenswert!