Caramel Kritik

CARAMEL“ von und mit Nadine Labaki (FR/Libanon 2007; 95 Minuten; Start D: 03.04.2008); „C“ wie „Caramel“ oder „Chocolate“ – schon der in warmes Goldgelb getauchte Titelvorspann, in dem die aus Karamel bestehende landestypische Haarentfernungsmassage hergestellt wird, signalisiert bereits eine außergewöhnlich emotionale wie gedankliche Sinnlichkeit. „Caramel“ ist eine Produktion aus dem Vorjahr und stellt einen Schönheitssalon in Beirut als gesellschaftlichen Mikrokosmos vor: 5 einheimische Frauen treffen hier regelmäßig aufeinander und werden in Sachen Liebe, Lust und Leben augenzwinkernd wie eben sinnlich-verspielt „seziert“.

Die 34jährige libanesische Schauspielerin + Regisseurin, die sich in ihrer Heimat bislang mit Werbefilmen und Musikvideos einen Namen gemacht hat, porträtiert liebevoll-pointiert in ihrem Debütfilm eine handvoll einheimischer Frauen unterschiedlichen Alters, die sich in Layales Salon ein ständiges Stelldichein geben. Dabei vermittelt der leichthändige, lebensfrohe, selbstironische Film reizvolle wie atmosphärische Einblicke in eine fremde Welt, signalisiert dabei zugleich Verständigungs-Hoffnung zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen. Männer übrigens spielen hier nur Nebenparts, sind Randgruppen-Wesen, mit Nebengeräuschen von ganz unterschiedlicher „Qualität“. Der andeutungsvoll zwischen rigider Tradition und individueller Freiheit argumentierende Film ist mitunter „konspirativ-charmant“ und beeindruckend-nachhallig. „Tiefgang“ wurde selten so angenehm-unterhaltsam komponiert wie hier.

Übrigens: Der Publikums-Liebling der vorjährigen Filmfestspiele von Cannes hat im Libanon alle Kassenrekorde gebrochen und war in diesem Jahr für den Auslands-„Oscar“ vorgeschlagen (= 3 ½ PÖNIs).