Bus 657 Heimkino

ER wird oft führend genannt, wenn es um die Bestimmung des BESTEN SCHAUSPIELERS überhaupt geht. Er wurde als Robert Anthony De Niro, Jr. am 17. August 1943 in New York City geboren, wurde vieldekoriert, darunter als zweifacher „Oscar“-Preisträger (Nebendarsteller in „Der Pate II“; Hauptdarsteller in „Wie ein wilder Stier“), hat auch schon mal – 2003, gemeinsam mit Eddie Murphy – für den Part in „Showtime“ eine Nominierung für die „Goldene Himbeere“ erhalten und „ackert“ weiter fleißig. Hat 2013 in gleich 6 Filmen mitgewirkt und seitdem in weiteren vier vor der Kamera gestanden. Im Kino läuft in dieser Woche, am 31.12.2015, „Joy – Alles außer gewöhnlich“ an, wo er eine vorzügliche Nebenrolle besetzt. Allerdings, nicht alle seiner Filme erreichen unsere Kinos mehr, einige wurden hierzulande gleich fürs Heimkino veröffentlicht. So wie jetzt auch sein vorletzter Film, der original „Heist“, also „Raub/Rauben“, heißt und durchaus Kino-Qualitäten besitzt:

BUS 657“ von Scott Mann (USA 2014; B: Stephen Cyrus Sepher, Max Adams; K: Brandon Cox; M: Mike Buris; 89 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 29.12.2015).

Obama hat sie – mühevoll, aber immerhin – durchgesetzt: Die Krankenversicherung in den USA. Für ALLE. Für Luke Vaughn (JEFFREY DEAN MORGAN) zu spät. Seine Tochter ist schwer erkrankt, für die lebensrettende Operation benötigt er 300.000 Dollar. Luke arbeitet seit vielen Jahren in einem Spielcasino in Alabama. Der ehemalige Kriegsveteran war einst die rechte Hand des Schiffs-Casino-Betreibers Francis „Pope“ Silva (ROBERT DE NIRO), bevor er eine Familie gründete und einen „ruhigeren“ Job annahm. Als Croupier, am Spieltisch. Als er beim Boss in Sachen finanzieller Unterstützung wegen der Kosten für die OP nachfragt, wird er schroff abgewiesen.

Der bullige Cox (DAVE BAUTISTA, ein rustikaler „Danny Trejo“-Typ) ist im Casino beim Sicherheitsdienst tätig. Kriegt die finanzielle Malaise Lukes mit und bietet einen profitablen „Job“ an: Überfall aufs Casino. Gedacht, geplant, ausgeführt. Natürlich läuft einiges aus dem Ruder. Zudem: Über das Casino wird Mafia-Geld gewaschen. Was bedeutet, dass nicht die Polizei, sondern „Popes“ aggressiver Handlanger, Derrick „The Dog“ Prince (MORRIS CHESNUT), Geld und Räuber zuerst finden muss. Die Jagd ist eröffnet. Auf die Gangster, die sich in dem fahrenden Bus 657 mit Geiseln verschanzt haben und sich nun heftiger Attacken „von draußen“ ausgesetzt sehen. Dabei erweist sich Luke als sozusagen „guter Schurke“, der besonnen auf seine „Kumpels“ einwirkt, damit nicht noch mehr drinnen „passiert“. Und die Verhandlungen führt, wobei sich der leitende Ober-Bulle selbst als korrupt zeigt. Auf der Gehaltsliste von „Pope“ steht. Für dessen Interessen „arbeitet“. Die Lage im rollenden Bus ist verzwickt. Aufgeheizt. Total angespannt. Während „die Draußen“ umherschwirren. Einschließlich der TV-Medien.

Wer glaubt, Figuren und Situationen sind klar und vorhersehbar, irrt. Gewaltig. Jeder der Rampenschweine ist „anders“ gepolt als gedacht. Ausgewiesen. Spielt eigene Spielchen. Auch Luke. Dem es nur darum geht, Geld für seine Tochter zu sichern, um die Krankenhaus- und Arzt-Kosten aufbringen zu können. Dafür ist ihm alles recht. Und genehm. Luke ist clever. Und „Pope“, der sich nach drei Jahrzehnten Casino-Stress gerade aus dem Geschäft zurückziehen wollte, bringt es auf den sauren Punkt: „Ein beschissener Tag“.

SCOTT MANN: Man weiß vergleichsweise wenig von diesem britischen Filmemacher. Dafür kennen wir seinen – ziemlich robusten – Debütfilm „The Tournament“, der im Januar 2010 bei uns auch gleich fürs Heimkino veröffentlicht wurde (s. Heimkino-KRITIK). Und damals richtig gut und B-deftig an die Rübe knallte. Hier geht es ebenso rüde bis sehr spannend zu. Mitwirkende: Auf der einen Seite böse und ein „nur“ teil-böser Gangster. Ihnen gegenüber: Das brutale Syndikat. Mit dem obersten Polizei-Jäger als Mitglied der organisierten Kriminalität. Dazu: die ängstlichen „Statisten“ im Bus. In den sich duellierenden Führungsrollen treten an: Der Outlaw, der seine Tochter retten will, und der Casino-Mafia-Hüter, der sein gemeines „Recht“ durchzusetzen beabsichtigt. Allerdings auch „schwache Motive“ zeigt. Privat.

1995 war ROBERT DE NIRO schon einmal „Casino-Man“. Im gleichnamigen Spitzenfilm von Martin Scorsese („Casino“; als Sam „Ace“ Rothstein). Damals begann er gerade seine Arbeit in einem neuen Finanz-Tempel, während er hier, in „Bus 657“, als mächtiger „Herr des Casino-Geldes“ aufhören will. Er ist nicht mehr der Gesündeste, möchte sich mit seiner erwachsenen Tochter endlich versöhnen und kann deshalb „diesen Vorfall“ – Überfall mit „Bus-Folgen“ – überhaupt nicht karriere-abschließend gebrauchen. Hat aber in JEFFREY DEAN MORGAN (= war neulich in „The Salvation – Spur der Vergeltung“ der üble Colonel-Diktator und Gegenspieler von Mads Mikkelsen) als alles auf eine Gewinn-Karte setzender, verzweifelter Luke Vaughn einen geschickten und vor allem auch – gescheiten – Widersacher. Dem nicht so leicht beizukommen ist. Ganz im Gegenteil: Der „Pope“ muss, wohl oder übel, schließlich selber noch einmal zurück an die „Front“, um die Dinge endgültig zu klären.

Natürlich: Prickelnde „Speed“-Atmosphäre. (Auch ohne Sandra Bullock und Keanu Reeves). Mit heißen = temporeichen Gigs. Raffinierten Motiven. Überraschende Wendungen. „Heist“, oder wie er bei uns heißt: „BUS 657“, weiß die Nerven rasant zu beschäftigen. Läuft unterhaltungsmäßig auf atmosphärischen Thriller-Hochtouren.

Ein Genre-Knaller für das fetzige Wohnstuben-Kino.

Anbieter: „Ascot Elite Home Entertainment“