BULWORTH (1999)

Der heute 52jährige Schauspieler, Autor, Regisseur und Produzent WARREN BEATTY ist mit Filmen wie “Bonnie & Clyde“, “Shampoo“ und “Der Himmel soll warten“ populär geworden. Den meisten Leuten aber fällt bei der Nennung seines Namens zuallererst ein, dass er der jüngere Bruder Von Shirley MacLaine ist und dass er viele Jahre als d e r Hollywood-Lover galt. Vergessen wird bei Warren Beatty gerne, dass der vielfache Dollar-Millionär vor allem auch politisch ‘Flagge zeigt‘: 1972 engagierte er sich vehement, für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten George McGovern. Und 1980 verfilmte er mit dem Epos “Reds“ fünf Jahre aus dem Leben des amerikanischen Reporters John Reed, der 1917 als idealistischer Radikalsozialist und Kriegskorrespondent in Petrograd die bolschewistische Nachtübernahme miterlebt hatte. Für diese Arbeit übrigens erhielt Warren Beatty den “Oscar“ für die “beste Regie“.

Sein neuer Film ist einer der politischsten amerikanischen Filme dar 90er Jahre überhaupt. Er ist das Ergebnis von Rechtsstreitigkeiten von seinen Film “Dick Tracy“ von 1990. Die Beatty mit einem für Hollywood-Verhältnisse geradezu sensationellen Vergleich abschloss: Für seinen nächsten Film wurde ihm absolute künstlerische Kontrolle ohne eine vorherige Drehbuchvorlage garantiert. Ebenso der “Final Cut“, der “letzte Schnitt.“. Einzige Bedingung: Die Produktionskosten müssen sich unter 35 Millionen Dollar bewegen. Warren Beatty nahm diese einmalige Chance wahr, um nun endlich “seinen Film“ drehen zu können.

Titel:
BULWORTH“ von Warren Beatty (B, D+R; USA 1998; 108 Minuten; Start D: 15.07.1999). Thema: Die amerikanische Politik.

Warren Beatty spielt den kalifornischen Senator Jay Billington Bulworth. Wir befinden uns im Jahr 1996, und es ist wieder einmal Wahlzeit. Und das bedeutet bekanntermaßen: Ewiges Lächeln, ewiges Reden, ewige Versprechen.
Und: Andauernd viel Geld eintreiben. Von den erwartungsvollen Lobbyisten und “Sponsoren“. Senator Bulworth hat von all dem die Schnauze gestrichen
voll. In einer Mischung aus Selbsthass und Depression lässt sich Senator Bulworth mit einem Versicherungsboss auf einen lukrativen Deal ein: Ein Reform-Entwurf für ein neues Gesetz, das die Sozialschwachen begünstigt, wird er im Austausch für eine 10 Millionen Dollar Lebensversicherungs-Police zugunsten seiner Tochter zu Fall bringen. Ein sauberer Korruptionsdeal. Gleich danach heuert Bulworth Sinen über einen Mittelmann einen Berufskiller an, der ihn im Verlaufe des Wahlkampfs umbringen soll.

Von allem irdischen Druck, von allen irdischen Aussichten befreit, beginnt der Kandidat fortan mit großer Lust an seiner Demontage. Kann endlich all das aussprechen, was ihm wirklich auf der politischen Seele liegt. Im Ghetto von South Central/Los Angeles schockiert er eine schwarze Kirchengemeinde, die sich politisch von ihm vernachlässigt fühlt, indem er ihnen erklärt, dass Versprechen von weißen amerikanischen Politikern sowieso immer nur Lippenbekenntnisse seien. Auf einer Versammlung von Industriellen brüskiert er die Anwesenden, indem er ihnen blinde Gier und ertragreiches Machtgelüste vorwirft. Und schließlich wechselt er die Dekoration. Hängt den dunklen Anzug an den Nagel, wirft sich in das Hip-Hop-Kostüm der “Homeboys“ und wird zum Polit-Rapper: Mit Schlabber-Shorts, Sweatshirt, schwarzer Sonnenbrille und eine in die Stirn gezogene Wollmütze: Die Talk-Show kann beginnen.

Ein Politiker als Tölpel. Der den Menschen die Wahrheit sagt und einen Spiegel vorhält. Der genüsslich alle anmacht: Gegner, Freunde, Wähler,
Geldgeber und eigene Angestellte. Wie den aufgebrachten Wahlkampfleiter
Murphy, den der gewichtige OLIVER PLATT hinreißend aufgewühlt spielt.

Mit allem hat Senator Bulworth geplant/gerechnet, und vor allem mit dem baldigen eigenen Tod. Doch: Als ihm die schwarze Aktivistin Nina über den Weg läuft, erwachen in ihm plötzlich neue Lebensgeister. Jetzt will er gar nicht mehr so schnell sterben. Doch da ist ja noch der Killer, den er auf sich selbst angesetzt hat, und da sind seine ehemaligen Kumpane. Die, die ihn bislang unterstützt und finanziert haben. Und die weder auf ihr vieles Geld noch auf ihren Einfluss verzichten wollen. Am Ende liegt ein Toter auf der Straße. Motto: Amerika wusste doch schon immer, wie man sich unliebsamer Zeitgenossen “entledigt“. Kennedy & Co. lassen bitter grüßen…

Der neue Kinofilm “Bulworth“ von und mit WARREN BEATTY ist eine bedeutsame und aufregende Politfahrt durch die reale amerikanische Nacht. Ein reicher Man tobt wie ein Tornado durch die politische Szene! Über das politische Klima. Und stellt kluge wie beängstigende Fragen nach der wahren Macht und der wirklichen Gerechtigkeit.

Martin Scorsese pries im Vorjahr den Film “Bulworth“ als einen der besten, den er je gesehen habe. Und auch der Schriftsteller Norman Mailer zeigte sich beeindruckt und sprach von einer “tiefgehenden Farce“ und vom “besten Film der letzten 10 Jahre“. “Bulworth“ kommt hierzulande in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln und mit nur 15 Kopien bundesweit am Donnerstag in die Kinos. Sollten Sie Gelegenheit haben, ihn sehen zu können, sollten sie diese unbedingt nutzen: “Bulworth“
ist in der Tat einer der besten Hollywoodfilme dieses Jahrzehnts (= 5 PÖNIs)!!!

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