Bücherdiebin Kritik

DIE BÜCHERDIEBIN“ von Brian Percival (USA/D 2013; B: Michael Petroni, nach dem gleichnamigen Roman von Markus Zusak; K: Florian Ballhaus; M: John Williams; 131 Minuten; Start D: 13.03.2014); MARKUS ZUSAK wurde als jüngstes von vier Kindern am 23. Juni 1975 im australischen Sydney geboren. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Österreicher. Die Erzählungen seiner Eltern über die Bombenangriffe auf München und über die Judenverfolgungen während der Nazi-Diktatur und im Zweiten Weltkrieg dienten ihm als Vorlage für seinen Roman „The Book Thief“ / „Die Bücherdiebin“, der 2005 erschien, danach in über 30 Sprachen übersetzt, weltweit über acht Millionen Mal verkauft und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde (u.a. wurden er und die Übersetzerin Alexandra Ernst hierzulande 2009 mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ bedacht).

Eingangs spricht der Tod (Original: Roger Allam; deutsch: Ben Becker). Ruhig und sanft ist seine Stimme. Über die Endlichkeit von Leben, fabuliert er. Und über das Leid und die Leiden, die schon während des Lebens entstehen. 1938. Als ihr kleiner Bruder während einer Bahnfahrt stirbt und ihre „kommunistische Mutter“ verhaftet wird, landet die 9jährige Liesel (SOPHIE NÉLISSE) bei Pflegeeltern in einer deutschen Kleinstadt. In der Himmelstraße. Wo Adoptivmutter Rosa (EMILY WATSON) sich – zunächst – als Kratzbürste zeigt, während ihr Ehemann Hans (GEOFFREY RUSH) sich liebevoll um den Familienzuwachs kümmert und ihr Lesen und Schreiben beibringt. Es ist eine seltsam bzw. vergleichsweise „ruhige Welt“ hier. In der Nachbarschaft leben zumeist „anständige“ Deutsche, nur dumme, opportunistische Jungs und erwachsene Karriere-Streber treten hier ab und an als fiese Nazis auf.

In dem gleichaltrigen, bodenständigen Nachbarjungen Rudi (NICO LIERSCH) trifft Liesel auf einen guten Freund und taffen Verehrer. Als beide in die Hitler-Jugend eintreten, erleben sie erste Folgen der „neuen Herrschaft“ bei einer öffentlichen „amtlichen“ Bücherverbrennung. Für Liesel, die Bücher schätzt und liebt, ein Grausen. Als bei ihr Zuhause die Adoptiveltern den flüchtigen Juden Max (BEN SCHNETZER) aufnehmen und im Keller verstecken, findet das junge Mädchen einen Mentor, mit dem sie die Bewunderung zur Literatur immer mehr teilt. Und ihn in der eiskalten Behausung quasi „dadurch“ am Leben hält. Der Titel drückt es aus: Liesel schafft immer mehr (Überlebens-)Bücher heran. Was das möglichst unauffällige Da-Sein in dieser kleinen Familien-Fluchtburg nicht gerade erleichtert. Ganz im Gegenteil.

Zwei Ansichten: Absicht und Ausführung. Was für ein feines Thema: Über Mut und Menschlichkeit inmitten einer verbrecherischen Unzeit. Über Literatur und Poesie als „Rettung“. Über die Seelen-Kraft von geschriebenen Worten. Das inszenatorische Ergebnis ist zwiespältig. Die Atmosphäre wirkt zu künstlich. In der eher märchenhaft-städtischen Umgebung (Studio Babelsberg; Görlitz) wie über die erwachsenen Personen. DIE werden eher statisch vorgeführt. Wobei die hervorragenden Emily Watson („Breaking The Waves“) und „Oscar“-As Geoffrey Rush („Shine“; der königliche Sprachtherapeut in „The King’s Speech“) noch das emotional Beste aus ihren Adoptiveltern-Rollen machen. Keine Nähe aber ergibt sich zur – wichtigen – Figur des jüdischen Flüchtlings und dann Liesel-Freundes Max. DER ist „einfach da“ und bleibt nur rollen-„nebenbei“. Schemenhaft. Völlig auffällig unauffällig. Von nur behaupteter Bedeutung. Sowohl in der nur oberflächlich angesetzten, erscheinenden Kommunikation zwischen den Beiden wie vor allem auch in der doch so hoch angesiedelten Themen-Wertigkeit an und von „Literatur“. Dies alles verpufft wirkungslos. Während diese widerliche, böse Kälte und Härte dieser Nazi-Zeit eher „gemütlich“ denn ekelhaft und verabscheuungswürdig spürbar wird. Nach pathetischer anstatt dramatischer Luft riecht.

Die 13jährige Kanadierin SOPHIE NÉLISSE, die ihr Schauspieldebüt 2011 in dem vielfach preisgekrönten Drama „Monsieur Lazhar“ gab, „reißt“ viel heraus. Sie ist in ihrer Präsenz ergreifend. Fasziniert als couragierte Liesel mit deren unbekümmerter kindlichen Vitalität und durch ihr magisches Temperament. Eine Klasse Leistung. In einem bedauerlicherweise nur mittel und dann auch insgesamt nur mäßig überzeugenden Hollywood-Deutsch-Movie (= 2 ½ PÖNIs).