Backdraft Kritik

Frage: Kann Hollywood noch erstaunen? Antwort: Natürlich. Obwohl die Mischung und Machart im Grunde immer dieselbe ist. Zum Beispiel beim neuen Spektakel „BACKDRAFT – MÄNNER, DIE DURCHS FEUER GEHEN“ von Ron Howard (USA 1991; 137 Minuten; Start D: 22.08.1991).

Die Anleitung ist: Eine neue, urgewaltige Katastrophe muss her. Und was hatten wir schon lange nicht mehr? Richtig: Das Feuer. Aber: Es muss eben “anders“, noch größer und heißer sein als bei den vielen anderen Filmen zuvor. Da aber Feuer allein nicht abendfüllend und verlockend ist, müssen Stars dazu her. Viele Stars. Also wurden für “Backdraft“ Dollars zusammengekratzt, damit Kurt Russell, Robert De Niro, Scott Glenn und Donald Sutherland sowie die Aufsteiger William Baldwin und Jennifer Jason Leigh mitmachen. Jetzt waren “Technik“ und “Puppen“ vorhanden, nun fehlte noch der Aufhänger, die Story, An der bastelte. Gregory Widen, der 1986 mit seinem Skript für den ersten “Highlander“-Film auffiel. Dann wurden die Fachleute für die Stunts, Special Effects und natürlich für die Pyrotechnik engagiert. Jetzt waren Team und Stoff zusammen.

In “Backdraft“ geht es zunächst um einen alten Dauerzwist unter zwei Brüdern, die den Ton bei der Feuerwehr von Chicago angeben. Natürlich ist auch der häusliche Beziehungs-Frieden gefährdet, aber schon auf kleinerer Flamme, Viel mehr sorgt eine Serie mysteriöser Brandstiftungen für helle Aufregung und Nöte, weil in dieser Gefahr Größenordnung noch nie zuvor erlebt. Also muss Robert De Niro als kompetenter Brand-Inspektor Donald ran, und er weiß auch schon, wie man mit dieser neuen Flammen-Art philosophisch umzugehen hat. Und wenn dann alles gesagt ist, geht‘s erst richtig los. Stichwort: Eben mit “Männer, die durchs Feuer gehen“.

Wer das ernst nimmt, ist selber schuld. In „Backdraft“ geht es nicht so sehr um den Kopf, sondern allein um den Bauch. Hollywood will wieder einmal zeigen, was es alles zu leisten imstande ist. Und tatsächlich!: Wenn man sich die läppische Story wegdenkt bzw. von der nicht ärgern lässt, ist das Vergnügen an einer Art “High-Fidelity-Spitzenfeuerwerk“ groß. Unglaublich, was den vielen Fachleuten hinter der Kamera alles eingefallen ist. Tricks, Stunts, Aufnahmen sind actionmäßig vom Allerfeinsten. Es explodiert, kracht und zischt nur so vom Besten…, und das ist es dann. “Backdraft“ drückt einen wie eine verrückte Karussellfahrt zwei Stunden in den Sessel, hat genügend Pausen und Leerlauf, um zu verschnaufen, und setzt dann am Ende noch einen drauf, dass es nur so abgeht. Kino, das bedeutet in “Backdraft“ – pures KINTOPP (= 3 ½ PÖNIs)!