Backbeat Kritik

BACKBEAT“ von Iain Softley (Co-B + R; GB/D 1993; Co-B: Michael Thomas, Stephen Ward; K: Ian Wilson; M: Don Was; 96 Minuten; Start D: 14.04.1994); ist ein Schlagwort. Übersetzt heißt es etwa: „Zurück zum Beat also „Zurück zum Schlag, zum Takt“, zur Musik. Eben: Zur Beat-Musik. Und da sind wir auch schon beim Film-Thema. Denn „Backbeat“ handelt von den ganz frühen Anfängen der „Beatles“. Erzählt von einem 5. und in der breiten Öffentlichkeit nicht so bekannten Liverpooler Boy: Von Stuart Sutcliffe. Der war Bass-Gitarrist und ein guter Freund von John Lennon. Erst machten sie unter dem Gruppen-Namen „Johnny And The Moondogs“ gemeinsam Musik, dann tauften sie sich um und nannten sich „The Silver Beetles“.

Als der Schlagzeuger-Profi Pete West zu ihnen stieß, der später von Ringo Starr abgelöst werden sollte, gaben sie sich den Band-Namen „The Beatles“. Unter dem tauchen sie im August 1960 in Hamburg auf, um dem öden Liverpooler Alltag zu entfliehen und um hier „echte“ Rock ‘n‘ Roll-Luft zu schnuppern. Damit beginnt der Film. Der Aufenthalt in der Hansestadt ist eine reine Ochsentour und wird dazu auch noch mies bezahlt. Aber man ist sowieso nichts Besseres gewohnt, also beißt man sich durch. Man ist jung, wild, will sich austoben. Musik und Mädchen heißt das Gebot der Stunde.

Stuart Sutcliffe nimmt das wörtlich, er verliebt sich in die Hamburger Fotografin Astrid Kirchherr. Sie kommt aus der Existenzialisten-Szene der Region, und für beide ist es Liebe auf den ersten Blick. Aber: Astrid Kirchherr veränderte nicht nur Stuarts Leben, sie nahm auch Einfluss auf die Band. Sie schoss die ersten Fotos, die heute Legenden und heiß begehrt sind, und sie kreierte auch mit einem Freund die damals extravagante Pilzkopf-Frisur, die später als „Beatles-Look“ weltberühmt wurde. Für Stuart Sutcliffe veränderte sich sein Leben. Er vernachlässigt die Musik, und das bringt vor allem John Lennon auf die Palme. Überhaupt John Lennon: Er ist der „Motor“ der Band.

Er ist Antreiber und Wortführer und gibt sich rebellisch und aggressiv. Dabei steckt auch er voller, allerdings ziemlich unterdrückter Gefühle. Für Astrid wie für seinen Freund ‘Stu‘. Für den ist die Seelenverwandtschaft mit Astrid so groß, dass er ihretwegen die Beatles verlässt. Er wird Kunst-Student und widmet sich nur noch der Malerei.

„Backbeat“ ist nicht d i e Beatles-
Story, sondern eine mit Anekdoten versehene „Ballade“ aus ihrer Anfangszeit. Dabei interessiert sich Regisseur und Co-Autor Iain Softley vor allem für die Person des John Lennon und natürlich für diese „außerplanmäßige“ Romanze. Die ein abruptes Ende findet, als
Stuart Sutcliffe im April 1962 an Gehirnblutung stirbt.“Backbeat“ ist ein erstaunlich guter Film. Erstaunlich deshalb, weil es Debütant Softley glänzend versteht, mit sparsamsten Mitteln die Atmosphäre jener unruhigen 60er Jahre wiederaufleben zu lassen. Außerdem überrascht, wie sorgfältig die heute so legendären Musiker dargestellt werden. Sie ähneln ihren „Originalen“ nicht nur verblüffend, sondern sind auch mit überzeugenden Charakteren ausgestattet. Man ist angetan und beeindruckt von den „authentischen“ Aktionen der lan Hart/John Lennon, Stephen Dorff/Stuart Sutcliffe, Gary Bakewell/Paul McCartney und vor allem von Sheryl Lee als Astrid Kirchherr. Weitgehend unbekannte, aber imposante Erscheinungen. Die allerdings nicht auch noch selbst singen:
Das haben andere, heute populäre Musiker aus Gruppen wie Nirvana und R.E.M. vorzüglich hinter den Kulissen besorgt. Und das hört sich dann so an, als wären die guten alten Zeiten des „Rock ‘n‘ Roll‘ nochmal angebrochen. Für 98 tolle Kino-Minuten.

„Backbeat“, ein sowohl stimmungsvoller wie glaubwürdiger Film, der musikalisch fetzt und viel von den „Sixtees“ zu erzählen weiß (= 4 PÖNIs).