AQUAMAN

„AQUAMAN“ von James Wan (USA 2018; B: Will Beall & David L. Johnson-McGoldrick – nach den gleichnamigen DC-Comics; K: Don Burgess; M: Rupert Gregson-Williams; 138 Minuten; deutscher Kino-Start: 20.12.2018).

Gastkritik von Caroline „Carrie“ Steinkrug 

AQUAMAN ist die erste DC-Verfilmung, auf die sich das weibliche Publikum mehr freuen wird, als der männliche Teil. Warum? Die Antwort lautet: JASON MOMOA! Gerade noch Anführer der Dothraki in HBOs Serienspektakel GAME OF THRONES, tauscht er nun die heiße Wüste gegen das kühle Nass des weiten Ozeans. Doch bis dorthin war es ein langer Weg. Einst erdacht von den beiden Comic-Vätern Paul Norris und Mort Weisinger, hatte der blonde, zugegeben nicht gerade populäre Wassermann damals seinen ersten Heft-Auftritt im Jahr 1941. Seine Kino-Premiere erlebte er trotzdem erst über 70 Jahre später in JUSTICE LEAGUE (USA 2017; s. Kino-KRITIK). Jetzt nimmt der australische Horror-Regisseur JAMES WAN (u.a. „SAW“/2004 oder „The Conjuring“/2013) sich seiner und einer farbenfrohen Arielle-Unterwasserwelt für Erwachsene an. Kurzum: Idee; alt. Optik; neu. Image; neu. Geschichte; bekannt.

Arthur Curry, alias Aquaman, alias Jason Momoa, bleibt auch hier inhaltlich dem Spiel um einen Thron treu. Während er als Mischlingssohn von „Küsten-Mensch“ Tom Curry (TEMUERA MORRISON) und der „Fisch-Königin“ Atlanna (NICOLE KIDMAN) noch fiese Piraten jagt, plant sein jüngerer Voll-Meerjungmann-Halbbruder Orm (PATRICK WILSON) bereits seinen Aufstieg als (unrechtmäßiger) König von Atlantis und den Krieg gegen die „Landratten“, die zunehmend ihren Müll in seinem großen Teich abladen. Nur einer kann dieses Blutbad noch stoppen: Arthur selbst. Aber dazu braucht er die Macht eines legendären Dreizacks, mit der sich das gesamte Meer kontrollieren lässt. Die daraus resultierende Suche nach dem sagenumwobenen „verlorenen Schatz“ (Indiana Jones grüßt fleißig), gipfelt letztlich in einer grellen Unterwasserschlacht. Gefüllt mit Haien, Seepferdchen, Atlantern und einem Cthulhu-Wesen wie H.P. Lovecraft es nicht besser hätte beschreiben können.

Gut an dieser Excalibur-Geschichte ist: Der Einstieg in den Hauptcharakter geht schnell. Es gibt keine lange Entstehungsgeschichte. Kein ewig-übliches Erkunden der Superkräfte. Stattdessen: Direkte Geschwindigkeit im Epos und rasante Fantasy am Rande der Vorstellungskraft. (Sehr) bunte Welten flimmern sofort berauschend auf der Leinwand vorbei. Den eigentlich eher düsteren DC-Stil verleugnend. Stattdessen: Spezial-Effekte auf dem Höhepunkt der modernen Computer-Evolution, angepeitscht vom „Spielekind“ James Wan, der sichtlich darin aufgeht, endlich mal mit (viel) Budget um sich schmeißen zu können. Seine sonst dunkel-atmosphärischen Horrorwurzeln hat er offensichtlich in diesem Wahn ertränkt.

Die Story säuft derweilen wortwörtlich ab, runter getunkt vom Schauwert, um den es hier offensichtlich gehen soll. Nicht zuletzt als Ablenkungstaktik von einigen, schlechten Haupt-Mimen wie der Perücken-Puppe AMBER HEARD (= Prinzessin Mera: zweifellos sexy; ansonsten talentfrei). Auch eine Koryphäe wie WILLEM DAFOE als weiser Berater Vulko kann da nicht mehr viel retten.

Indes an der vorderen Rampe, und stets um eine Davidoff-Cool-Water-Werbepose bemüht: Herr Momoa. Ein Sympathieträger, der seinen AQUAMAN, trotz kleiner Schauspielmängel, ganz-gut trägt. Als Superheld mit einer Präsenz, mit einer Anziehungskraft, mit einem Körper aus Stahl, der nicht nur die Damenwelt wie ein Brecher erschlagen wird. Und tut er es nicht, dann tun es am Ende eben wieder die ständig übermächtigen computergenerierten Bilder. AQUAMAN ist ein entfesselter Optikwahnsinn mit Fischstäbchen-Spaßqualität! Außen knusprig, innen etwas seicht-matschig. Mit viel See- aber wenig Tiefgang. (= 3 „Carrie“-PÖNIs… Heilige Makrele!)