Am Ende kommen Touristen Kritik

AM ENDE KOMMEN TOURISTEN“ von Robert Thalheim (B+R; D 2007; 85 Minuten; Start D: 16.08.2007), Berliner vom Jahrgang `74 mit abgeschlossenem Regie-Studium an der Hochschule für Film + Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Der vor zwei Jahren mit seinem Debüt-Spielfilm „Netto“ sowohl beim Max-Ophüls-Festival („Förderpreis“) wie auch bei der Berlinale 2005 (innerhalb der „Perspektive Deutsches Kino“/Jurypreis) erfolgreich abschnitt und auch den 2005 erstmals verliehenen „Deutschen Filmkunstpreis“ zugesprochen bekam.

Hier nun ein sog. BETROFFENHEITSFILM. Mit viel Botschaft und weniger Tiefgang als gewünscht. Sven ist Zivildienstleistender. In der Gedenkstätte von Auschwitz. Dort wollte er eigentlich gar nicht hin, aber es hat ihn halt (anstatt nach Amsterdam) hierher „verschlagen“. Sven will seine Pflicht-Zeit möglichst schnell wie unauffällig hinter sich bringen. Als er dann aber den hier wohnenden und zu betreuenden ehemaligen KZ-Häftling Stanislaw Krzeminski kennenlernt, der den anströmenden Reisegruppen unermüdlich seine Lebensgeschichte erzählt, beginnt er sich innerlich zu ändern. Lässt Nähe und Interesse erkennen. Freundet sich auch mit einer polnischen Dolmetscherin an; kommt mit ihrem „sperrigen Bruder“ in Kontakt. Was für ein spannendes, bewegendes, aktuelles Spielfilm-Thema ist DAS, aber was für wenig wirkliche Nähe/Erschütterung. Der Film „brennt“ emotional wie gedanklich viel zu wenig. Stattdessen: Braves Trocken-Kino. Mit Botschafts-Charakter.

Die Figuren bleiben allesamt blass bis uninteressant; die Dramaturgie wirkt holprig, nur-an-, aber nicht zu Ende gedacht/gespielt; vieles kommt laienhaft-konstruiert daher. Die Darstellung wirkt eher (zu) nüchtern, ist nicht überzeugend. Ein Danach-Nachdenken?: Eigentlich kaum. Alles wird/wirkt nur brav erzählt. Als wichtiges Anliegen mit jederzeit zu spürendem Ausrufungszeichen! Die annoncierte offene, ehrliche wie vor allem interessant-spannend-diskutable KINO-Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte bleibt anvisiert, gelingt aber nicht bzw. hallt kaum nach.

Ein gut gemeinter deutscher Betroffenheits-Fernsehfilm, in dem ALEXANDER FEHLING als Sven viel zu beliebig agiert/wirkt/bleibt (= 2 ½ PÖNIs).