Am Ende des Weges DVD-Kritik

ER ist einer der großartigsten amerikanischen Schauspieler. Geboren am 5. Januar 1931 in San Diego/Kalifornien. Zählte in den Fünfzigern des vorigen Jahrhunderts zur New Yorker-WG mit Gene Hackman und Dustin Hoffman. Seit 1960 steht er vor der Kamera, sein Debüt gab er 1962 in „Wer die Nachtigall stört“ von Robert Mulligan (mit Gregory Peck als Hauptdarsteller). Gleich 6 x mal wurde das „Urgestein Hollywoods“ für den „Oscar“ nominiert, 1984 bekam er ihn für die Rolle des alkoholkranken Country-Sängers Mac Sledge in „Tender Mercies“ (deutscher Kinotitel: „Comeback der Liebe“). Grandios waren seine Auftritte als Josef Stalin im US-TV-Film „Stalin“ von Ivan Passer, wofür er den „Golden Globe“ bekam (1992/mit Partner Maximilian Schell als Lenin) sowie als Adolf Eichmann in dem US-TV-Drama „Der Mann, der Eichmann jagte“ von William A. Graham (1996). Unvergessen ist er als loyaler Anwalt von Marlon Brando in „Der Pate“ (1972) von Francis Ford Coppola und vor allem als Lieutenant Colonel Klingore in Coppolas Meisterwerk „Apocalypse Now“ von 1979 („Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen…“). 2003 war er neben Kevin Costner das Cowboy-Alphatier in „Open Range – Weites Land“.

Wenn ER auftritt, ist es stets eine eigenständige, außergewöhnliche Charakter-Performance. Denn sein Spiel funktioniert immer sowohl von Außen wie auch von Innen heraus. Denn so wie ER schlüpft ganz selten jemand direkt hinein in seine darzustellende Figur, verkörpert diese quasi als überzeugende, spannende Ich-Präsentation. 2007 wurde ROBERT DUVALL für die Rolle des Prentice „Print“ Ritter in dem US-TV-Zweiteiler „Broken Trail“ mit dem TV-„Oscar“ „Emmy“ als „Bester Hauptdarsteller“ in einer Miniserie ausgezeichnet.
Jetzt ist hierzulande ein neuer Film dieses Ausnahme-Künstlers als deutsche „Erstaufführung“ auf DVD veröffentlicht worden.
Originaltitel: „Get Low“, deutscher DVD-Titel:

AM ENDE DES WEGES“ von Aaron Schneider (USA 2009; B: Chris Provenzano, C. Gaby Mitchell; 99 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 22.6.2011). Deutscher Untertitel: „Eine wahre Lügengeschichte“.

„Get Low“ ist eine („Zanuck“-)Independent-Produktion, die in nur 25 Tagen mit einem Budget von 7 Millionen Dollar in Georgia im amerikanischen Süden realisiert wurde. Seit der Weltpremiere auf dem Toronto-Festival im September 2009 lief der Film auf zahlreichen internationalen Festivals, wurde gelobt und prämiert und bekam so etwas wie „einen SEHR guten Ruf“, sprich „Kultgeschmack“. Zudem wurde er für den „Neben“-Verleih „Sony Pictures Classic“, die ihn am 30. Juli 2010 in die amerikanischen Kinos brachte, der erfolgreichste amerikanische „Kleinfilm des Jahres“. Dennoch schaffte er es in die hiesigen Kinos nicht.

Die 1930er Jahre. In Tennessee. In einer überschaubaren Provinz-Region. Dort lebt Felix Bush seit über vier Jahrzehnten als Einsiedler im Wald. Ein Sonderling. Über den man sich die „seltsamsten Geschichten“ erzählt. Und nicht gerade die feinsten. Doch eines Tages kehrt dieser argwöhnisch beäugte knochige Oldie in die Zivilisation zurück. Mit einer trotzigen Forderung: „Ich möchte eine Beerdigung“. Was sich zunächst – in seinem Alter – als halbwegs vernünftig anhört, kriegt sogleich eine exotische Fußnote: „Ich möchte aber dabei sein“. Lebendig. Bestatter Frank Quinn (BILL MURRAY) ist ebenso wie sein junger Kompagnon Buddy (LUCAS BLACK) zunächst einigermaßen baff, irritiert, erstaunt. Was sich aber angesichts des vielen Geldes, das der Alte in Aussicht stellt, schnell zurückdrängt. Denn viele „zahlungskräftige Tote“ gab es eh in letzter Zeit hier nicht. Allerdings drängt Felix Bush auf eine weitere Bedingung: „Ich möchte, dass jeder kommt, der eine Geschichte über mich zu erzählen hat“. Was die Sache, sagen wir mal, erheblich verkompliziert. Denn viele können/könnten mit Geschichten über diesen mürrischen Unsympath aufwarten…, aber ob sie das wollen…??? Doch als öffentlich bekannt wird, dass in einem Losverfahren seine kostbaren 300 Morgen Land („mit bestem Holz“) geerbt werden können, ist das gesellschaftliche Interesse geweckt: „Kaufen Sie ein Los, 5 Dollar – erzählen Sie eine Geschichte!“ Fortan geht alles seinen Weg, wie Felix störrisch-grummelnd kommentiert. Aber – auch keineswegs so, wie ER sich das imgrunde vorgestellt hat. Schuld daran ist auch Mattie Darrow (SISSY SPACEK), die in der Gemeinde aufwuchs, dann wegzog und nun als Witwe hier ihren Lebensabend verbringen möchte. Und Felix und Mattie, auch das bedeutet…eine weitere Geschichte. Von Annodunemal. Mit vielen unbewältigten Traumata-Emotionen. Die nun endlich auszufühlen sind.

Eine herrliche schwarze Komödie. Ein sensibles Sühne-Drama. Eine neuerliche ROBERT DUVALL-Spitzen-PERFORMANCE. Angesiedelt zwischen pointierter „Knochen-Komik“ und berührender Seelen-Suspense. Mit viel bitterironischer Magie und köstlicher Augenzwinkern-Poesie. Dazu dieses hochkarätige brillante Darsteller-Trio an der Rampe: Neben ROBERT DUVALL der unterkühlte Charmling BILL MURRAY („…und täglich grüßt das Murmeltier“), der seinen geschäftsfreudigen Sarg-Typen durchtrieben sanft-listig gibt, sowie die vorzügliche „Oscar“-Lady SISSY SPACEK („Nashville Lady“) als tolles Alters-Mädel. Sie ALLE sind körpersprachlich von überzeugender melacholischer Reiz-Wucht. Der 34jährige TV-Serien-Kameramann AARON SCHNEIDER („Murder One“), der 2004 für seinen Kurzfilm „Two Soldiers“ einen „Oscar“ bekam, hat ein begeisterndes Spielfillmdebüt hingekriegt: Tief, vergnüglich, mit viel brummigem Fein-Charme.

DVD sei dank – eine phantastische neue Filmperle ist zu annoncieren. Zum SEHR-Mögen.

Anbieter: „Sony Pictures Home Entertainment“