Als wir träumten Kritik

ALS WIR TRÄUMTEN“ von Andreas Dresen (D/Fr 2014; B: Wolfgang Kohlhaase, nach dem gleichnamigen Roman von Clemens Meyer; K: Michael Hammon; M: Jens Quandt; 117 Minuten; Start D: 26.02.2015); ich verstehe das so – da sind 5 Typen, um die 17, die gerade noch, in der ehemaligen DDR, als getrimmte Jungpioniere „allzeit“ bereit waren und die jetzt, in der Nachwende- beziehungsweise Umbruchszeit, „abgehen“. Immensen Nachholbedarf an unkontrolliertem „Leben“, sprich Radau, haben. Auf „abfetzen/abhotten“ machen. „Ihr Ding“ durchziehen. Den noch weitgehend rechtsfreien Raum am Stadtrand von Leipzig Anfang der 1990er Jahre provokant voll ausnutzen. Zum Ausstoben. Mit Krach, Getue, viel Alkohol. Drogen. Merke auf: „Lässig“ gegenüber Regeln; willkürlich in Sachen Ordnung. Überhaupt, welche Ordnung? Die einzige Ordnung, die wir akzeptieren, ist unsere. Selbstbestimmte. Also wird täglich Hully-Gully gemacht. Saufen, Prügeln, Klauen, lautet das neue freie Motto. Ein Techno-Club soll’s schließlich bringen.

Totale Entwurzelung. Inmitten eines gesellschaftlichen Vakuums. Was hätte das spannend sein können, wenn man als Zuschauer an diese Figuren „herankommen“ würde. Könnte. Charakter-tief spannend. Geht aber nicht, weil Andreas Dresen sie als wilde, anonym bleibende Gestalten vorführt. Mit einer Irgendwas-Wut. Und einem Irgendwie-Gedöns. So dass diese desillusionierte Clique einem buchstäblich am Selbigen vorbeirauscht. Auch, weil deren darstellerische Team-Stärke begrenzt ist. Konstruiert wirkt, also uninteressant bleibt. Ergebnis: Mitfühlen, Mitempfinden, ernsthaftes Hineindenken, ist unmöglich. Eine Egal-Kids-Gruppe kloppt und verheddert sich hier durch die damalige wüste Ost-West-Szenerie, dann gejagt von brutalen Nazis, die um die regionale Macht brutal kämpfen. Nicht mehr Bau-Auf, sondern nun Hau-Drauf.

„Als wir träumten“: Schmutzige, sich aufgeregt gebende Bilder. In einem pseudo-rebellischen deutschen Leer-Film. Als abenteuerliches Missverständnis (= 2 PÖNIs).