A Beginners Guide to Endings

Dieser DVD-Film ist Klasse. Außenseiter-Klasse. Mit viel Independent-Charme. Wäre vor Jahren in unseren Off-Kinos ein schräger Ami-Hit geworden. Wie schön, dass es jetzt die Auswertungs- bzw. Kennenlernenmöglichkeit per DVD gibt. Schon der Titel verspricht Neugier:

A BEGINNER’S GUIDE TO ENDINGS“ von Jonathan Sobol (B+R; Kanada/USA 2010; 93 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 24.2.2012).

Der Debütfilm eines unbekannten Drehbuch-Autoren „prahlt“ zunächst mit einem Star von Hollywood-Giganten: Mit dem unwiderstehlichen „Wüstling“ HARVEY KEITEL. Der am 14. Mai 1939 in Brooklyn/New York geborene Charakterkopf war viele (Anfangs-)Jahre – neben Robert De Niro – d e r Martin Scorsese-Kerl (u.a. in „Hexenkessel“/1973; „Alice lebt hier nicht mehr“, 1974; „Taxi Driver“/1976), beeindruckte im Debütfilm „Die Duellisten“ von Ridley Scott (1976) und verschaffte sich den endgültigen internationalen Durchbruch mit seinem Gangster-Part in dem Erstlingswerk „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino (1991, „Oscar“-Nominierung für ihn als „Bester Nebendarsteller“). Einige „seiner“ weiteren Filme : „Pulp Fiction“ (Quentin Tarantino), „Smoke“ (Wayne Wang), „Cop Land“ (James Mangold); „Die Spur führt zurück – The Two Jakes“ (die Polanski-„Chinatown“-Fortführung von + mit Jack Nicholson/1989); „Bad Lieutenant“ (von Abel Ferrara/1992). Zuletzt mimte er in „Meine Frau, unsere Kinder und ich“ 2010 „gepflegt“ einen mürrischen Bauunternehmer.

Hier nun gibt Harvey Keitel einmal mehr den SAUKERL. Duke White. In der Anfangssequenz sehen wir ihn auf einem Rummelplatz herumtapernd, mit einem dicken Strick um den Hals und einem schweren Holzscheid in der Hand. Da strebt also offensichtlich jener Mr. White seinen irdischen Abschied an. Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Und zwar an den Niagara-Fällen (wo bisher nur ein einziger Selbstmordkandidat überlebte/1958; wie wir auch gleich mitgeteilt bekommen). Aus dem Off erklärt uns Duke (mit der deutschen Stimme von Joachim Kerzel) die offensichtlich verfahrene Situation: „Mit meinem Tod verhielt es sich ähnlich wie mit meinem Leben; es lief nicht alles so wie geplant“.

Duke hat 5 Söhne. Von drei verschiedenen Frauen. Hat sie alle „ziemlich mies“ behandelt. Hat zum Beispiel das Entschädigungsgeld der Söhne für die einstigen medizinischen Tests an ihnen einfach selber „durchgebracht“. Statt es seinen Jungs auszuhändigen. Duke ist schließlich Spieler. 100.000,-Dollar pro Bengel. Gab es. Die sind jetzt weg. Abschied. Man trifft sich an seinem Sarg. Ohne Leichnam. Die Älteren prügeln sich kurz. Ist in dieser Familie anscheinend so üblich. Die Testamentseröffnung findet in der Kneipe statt. Vollstreckt vom Duke-Bruder-Pfarrer, von Onkel Pal (J.K. SIMMONS). Mit klaren Hinweisen an den Nachwuchs: Ihr werdet mir bedauerlicherweise auch bald folgen. Denn die Nebenwirkungen der Versuchsmedizin von einst „wirken“ demnächst. Mit tödlichen Konsequenzen. Pardon. Oder scheiße. Habe ich doch auch nicht gewusst. Lässt der Alte mitteilen. Auch, dass ich halt euer ganzes Entschädigungsgeld durchgebracht habe. Tut mir leid. Aber ich war doch immer nur ein Scheißkerl. Die beiden jüngeren Brüder haben „damit“ nur am Rande mit zu tun. Die drei Älteren aber, Cal (SCOTT CAAN), Jacobs (PAOLO COSTANZO) und Nuts (JASON JONES), sind konsterniert. Aufgescheucht. Verdammter Mist. Von wegen unser schönes, junges Leben. Na ja. Aber dann, schließlich wird nun jeder Tag „irgendwie“ kostbar, beschließen sie, sich ihre Wünsche, Träume, Vorstellungen schnell noch zu erfüllen. Was sie sowieso irgendwann mal vorhatten zu verwirklichen. Ein erfolgloser Boxer, ein Schürzenjäger und ein steter Weltverbesserer „machen ernst“. Mit und in ALLEM. Motto: Wie abgefahren ist DAS DENN???

Originell, witzig, fesselnd, Skurril, absurd, surreal. Mit viel überraschendem Ideen-Pfeffer. Köstlich durchtrieben. Und verbal prima gag-pointiert. Und orientiert. Quentin Tarantino & die Brother Coen („The Big Lebowski“) lassen schubladenmäßig toll grüßen. Drehbuch-Autor und Regisseur Jonathan Sobol entpuppt sich ein freakiger Frechdachs, der endlich einmal wieder tolle, schräge Ideen besitzt und diese auch krass, also schwarzkomisch in einem Ami-Streifen abzuranzen versteht. Endlich einmal wieder ein Ami-, aber eigentlich Mehr-Kanada-Film „mit Schmackes“. Vom und zum Staunendsten. Und auch mit einer urigen Flott-Biene TRICIA HELFER als Soziopathin Miranda; sollte nicht unerwähnt bleiben. In diesem dampfenden, extremen Figurenkarussell.

Eine filmische Begeisterung – „A Beginner’s Guide to Endings“: Dieser wunderbare schwarze Komödienspaß ist ein DVD-Hit.

„Schräger“ (Namens-)Anbieter: „e one entertainmentone / WVG“.

Teilen mit: