(500) days of summer Kritik

(500) DAYS OF SUMMER“ von Marc Webb (USA 2008; 97 Minuten); einem Debütanten, der vorher Kurzfilme, Musik-Videos und Werbespots gedreht hat. Sein Erstling besitzt Charme, Witz, Tempo und eine angenehme doppelbödige Leichtigkeit. Dabei ist sein Thema eigentlich doch „gegessen“:

Mal wieder Männlein und Weiblein. Bzw. umgekehrt, denn SIE hat hier „die Puschen“ an, gibt den Beziehungston vor, führt und entscheidet diese kitzlige Beziehungsschlacht. Und dabei keineswegs „fair“. Denn SIE ist eine selbstbewußte Ich-weiß-nicht-so-recht-Charme-Zicke. In die sich Tom verkuckt hat. Tom Hansen, der einst Architekt werden wollte und sich nun als erfolgreicher Texter in einer Grußkartenfirma durchschlägt, ist ein hoffnungsloser Romantiker. Irgendwann wird sich DIE EIINE schon zeigen, und dann „geht´s los“. Tom ist beileibe kein Spinner, Tagträumer, sondern ein sympathisches Jüngelchen mit Verstand und noch mehr Herz. Als er die neue Sekretärin Summer Fin erblickt, weiß ER sofort: SIE IST ES. Große Aufgeregtheit. Sie trägt zwar weiße Blüschen, hat es aber faustdick hinter den Ohren. Und weiß „damit“ geschickt wie berechnend umzugehen. In dem sie erst einmal bedingungsvoll klarstellt: Keine ernste Beziehung, sondern „nur“ Spaß. Freundes-Spaß sozusagen. Der leidenschaftliche Kuß am Kopierer, ja und? Während Er verwirrt ist, gibt sie sich cool. Hält ihn mal an der langen Beziehungsleine, mal an der kurzen. Nahen. Jedenfalls: Fortan dackelt der nette Boy als ihr Lebensabschnitts-Liebhaber durch eine beziehungstechnische Ja-nein-vielleicht-Vorhölle. Wir kennen das, sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie….. DAS hat jeder von uns schon mal erlebt, der vermeintliche Traumpartner und nur DER und überhaupt und Krise-pur. Mit gebrochenem Herz-Schmerz-Dauerleid. Mal mehr, mal weniger, mal vorübergehend ausgesetzt.

Marc Webb inszeniert dies mit Häppchen-Details von Hin-und-her-Tagen dieser kummrigen Anti-Romanze. Die 500 Beziehungstage werden, mit vorangestellter jeweiliger Tagesnuummer, frisch-fromm-frech durcheinandergewürfelt, mit stimmungsvollen Zeitsprüngen, mit Temperaturstürzen zwischen hip und hop. Ohne blöden Schmus, ganz „ernst“, dabei komisch, charmant, bissig. Augenzwinkernd pointiert. „Nur weil irgendein schnuckeliges Mädchen denselben bizarren Müll mag, macht sie das nicht zu deiner Seelenverwandten“, setzt die in philosophischen Liebesdingen „erfahrene“ 12jährige Tom-Schwester Rachel beratend Zeichen. So in etwa „funktioniert“ der Film, ist er auf lächelnde Weise lustig. Auch in der musikalischen Begeisterung für The Smiths, The Beatles (bzw. Ringo Star) und den Songs von Feist, Black Lips oder Simon & Garfunkel. Apropos: Der „Reifeprüfung“ von Mike Nichols, mit dem jugendlichen Dustin Hoffman, wird auch lächelnde Referenz erwiesen. Paßt alles prima. Unterhält „schön“.

Vor allem, weil die Hauptakteure die prickelnde Tonlage finden, nie übertrieben, albern oder doof, sondern gedanklich treffsicher wie emotional reizvoll: ZOOEY DESCHANEL(29), bekannt aus „Der Ja-Sager“ (an der Seite von Jim Carrey), mimt die kapriziöse, blauäugige Summer einnehmend impulsiv, verführerisch, zwischen Biest und Boß, als das typische „Rätsel Mädel“; JOSEPH GORDON-LEVITT, kürzlich der aufbrausende Gangster-Nachwuchs in „Killshot“, neben Mickey Rourke, wirkt angenehm ungekünstelt in seinem Wirrwarr und Wechselbad der Gefühle, bleibt charmant-sparsam in Gestik und Bewegung, ist überzeugend in seiner ungekünstelten Naivität. Ein schöner Spaß. Zum guten Schauen, Hören, Träumen, die ganze Gefühlspalette. Mit der locker-flockigen Balance-Mixtur zwischen Leicht und Last. Mit-Produzent Mason Novic beweist nach seinem vorjährigen Überraschungserfolg „JUNO“ auch diesmal wieder Gespür für bessere Unterhaltung (= 4 PÖNIs).