Unknown Identity Kritik

UNKNOWN IDENTITY“ von Jaume Collet-Serra (USA/GB/D/Fr 2010; 113 Minuten; Start D: 03.03.2011); der am 23. März 1974 in Barcelona geborene und mit 18 Jahren nach Los Angeles ausgewanderte Filmemacher war mit seinen bisherigen Filmen „House of Wax“ (2005/Horror)), „Goal II – Der Traum ist real!“ (2007/Fußballfilm), sowie „Orphan – Das Waisenkind“ (2009/Horror-Thriller) auch bei uns im Kino vertreten. Sein neuer Genre-Streich entstand überwiegend in Potsdam-Babelsberg und Berlin und ist mit dem 58jährigen irischen Amerikaner LIAM NEESON („Schindlers Liste“), der zuletzt vermehrt in Action-Movies auftrat („96 Hours“; „Das A-Team – Der Film“; „72 Stunden – The Next Three Days“), hochkarätig hauptrollenbesetzt. Er mimt Dr. Martin Harris. Einen amerikanischen Wissenschaftler, der gemeinsam mit seiner Ehefrau (JANUARY JONES) zu einem Kongress nach Berlin kommt. Gerade am „Hotel Adlon“ angekommen, bemerkt er fehlende Koffer. Winkt seiner Frau kurz von draußen ins Hotel-Foyer zu, um dann sofort in einem Taxi gen Flughafen Tegel zu düsen, um die Koffer zu suchen (dies vom feinsten Hotel mit seinem Luxus-Service erledigen zu lassen, kommt ihm nicht in den Sinn).

Am Steuer des Taxis sitzt Gina (DIANE KRUGER) und baut prompt einen spektakulären Unfall. Man plumpst von der Oberbaum-Brücke ins kalte Winter-Wasser. Er droht abzusaufen, sie rettet ihn aus dem Wagen, holt ihn nach oben, er ist besinnungslos, wird von inzwischen eingetroffenen Rettungsleuten buchstäblich „gerettet“, während sie vom Ort des Geschehens „einfach so“ heimlich abhaut. (Von Polizei ist übrigens nichts zu sehen). Er landet im Krankenhaus, wo es nur diesen Dr. Farge (KARL MARKOVICS) und die gute Schwester Gretchen (EVA LÖBAU) zu geben scheint (weiteres Personal ist dort nicht auszumachen, auch nicht im Verlaufe der weiteren Handlung, weil doch Mr. Harris hier mehrmals eingewiesen wird/„unterkommt“). Harris leidet an einer Amnesie. Vielleicht aber auch nicht. Also schnell raus aus der Intensivstation des Spitals, zurück ins feudale Hotel. Dort aber erkennt ihn niemand. Weder seine Gattin noch sonst wer. Im Gegenteil, jetzt tritt dort ein Anderer an seiner Stelle auf (AIDANN QUINN). Was ist denn hier los? Aufgebracht und von nun ab aber auch verfolgt durch einen cholerischen Killer mit Namen Jones (STIPE ERCEG) begibt sich der Amerikaner durch die unbekannte Stadt, um „sich zu finden“. Findet erst einmal die „illegale“ nett-blonde, hilfreich-schlagkräftige Taxifrau Gina, bemüht dann den ehemaligen Stasi-Oberst Ernst Jürgen als Detektiv in eigener Sache (kauzig: BRUNO GANZ), landet zwischendurch wieder im Krankenhaus, wo dann auch noch Schwesterherz Gretchen abgemurkst wird, und deckt schließlich eine üble Verschwörung auf. Pfui Deibel. Was in Berlin so alles passiert. Ach ja, und dann fliegt auch noch ein Etagenstück „Adlon“ durch die explosive Luft am Brandenburger Tor. Ach herrjeh.

Der neulich im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz vorgestellte Streifen ist blöd. Weil er seine Story nur völlig dumm und dämlich behauptet. Nichts hier wirkt annähernd überzeugend, glaubwürdig. Eindimensionale Pappkameraden hantieren hier nach Marionettenart; die Charaktere sind von blass bis unterbelichtet. Die Duelle vorhersehbar, die Action-Details von na ja bis okay. Interessant aber ist (gar) nichts, weil ich definitiv Niemandem hier „etwas abnehme“. Stimmig ist etwas anderes, Stimmung kommt bei dieser winterlichen Sightseeing-Krimiblase überhaupt nicht auf. Stattdessen hetzt der stets gut rasierte Solist Liam Neeson „schmerzerfüllt“ durch das ihm unbekannte Hauptstadt-Terrain und „ermittelt“ unter zahlreichen Strapazen. Mit nicht mehr zu zählenden Ungereimtheiten. Sieht man ihm irgendwie „einfach so“ mal freundlich zu, ist es schon bei den Anderen schlimmer: Diane Heidkrüger aus Hildesheim, jetzt DIANE KRUGER, unterstreicht, dass sie mit Talent „nicht so doll“ gesegnet ist, obwohl sie gerne international besetzt wird („Troja“; „Inglourious Basterds“); ihr Einsatz wirkt einmal mehr „bescheiden“. Aber auch drumherum nerven Protagonisten mit ihrer Geheimnistuerei mehr als dass man (an-)gespannt ist, was sie so anstellen – wie Aidan Quinn, der völlig unterforderte Bruno Ganz, der „Saukerl“ Stipe Erceg mit dem grimmigen Face und dem ewigen Danebenschießen-Getue, oder auch Sebastian Koch und schließlich sogar der kurz auftauchende „Boss“ Frank Langella/“der „Richard Nixon“ aus „Frost/Nixon“. Weil halt Spannung und Reiz auf langweiliger, erbärmlicher Sparflamme dahinsiechen.

Nö, dies ist kein „Berliner Kracher“, wie „Unknown Identityy“ patriotisch zur Berlinale tituliert wurde, dies ist nur ein aufgeplusterter einfältiger Quatsch aus der lahmen Krimi-Provinz (= 2 PÖNIs).