Der Solist

DER SOLIST“ von Joe Wright (USA 2008; 109 Minuten; Start D: 10.12.2009); ist das Hollywood-Debüt des 37jährigen britischen Regisseurs, der sich mit den Filmen „Stolz und Vorurteil“ (2005) und „Abbitte“ (2007/“Golden Globe“) einen Namen gemacht hat. Das Drehbuch der erfahrenen Autorin SUSANNAH GRANT („Oscar“-Nominierung für das „Beste Originaldrehbuch“ für „Erin Brockovich“) basiert auf dem in den USA populären Buch „The Soloist“ des Journalisten Steve Lopez. Lopez ist ständiger Kolumnist der „Los Angeles Times“ und begegnet eines Tages, in einem öffentlichen Park, an der Statue Ludwig van Beethovens, einem schwarzen Straßenmusikanten, der auf einer Geige mit zwei Saiten spielt. Dabei benimmt sich der Typ etwas „merkwürdig“. Wiederholt laufend Wörter, Sätze, wirkt geistesabwesend und dennoch kommunikativ „auf seine Art“. Nathaniel Ayers heißt er und war vor Jahren hochbegabter Student an Amerikas führender Musik-Akademie, der New Yorker „Juilliard School“. Doch als sich bei ihm Züge von paranoider Schizophrenie zeigten, mußte er die Ausbildung abbrechen, die Schule verlassen.

Lopez beginnt über Ayers zu schreiben. Zugleich beginnt er, dessen Nähe zu suchen. In einem Milieu, das nicht ungefährlich ist: Inmitten der Obdachlosenszene der Glamour-Metropole, wo rund 90.000 Menschen auf der Straße leben. Mit dem kritischen Blick des europäischen Filmemachers entwickelt Joe Wright ein packendes amerikanisches Sozialdrama mit Kuckucksnest-Rain Man-Charme, in dem es um Geisteskrankheit, Obdachlosigkeit, Journalismus in Krisenzeiten sowie um die beginnende Freundschaft zwischen zwei völlig ungleichen Menschen von heute geht. Und um die vehemente wie sensible Kraft und Schönheit von klassischer Musik. Ohne Gefühlsduseleien, einer Happy-Lauf-und End-Methodik, ohne billige Pointen auf Kosten Schwächerer. Sondern mit glaubhaften, verstörenden, interessanten Real-Tupfern. Dies hat die Produzenten offensichtlich nachhaltig „irritiert“. Jedenfalls wird kolportiert, daß sie hier für die bzw. an der Endfertigung kräftig herumschnipselten. So daß Übergänge, gedankliche Zugänge, dramaturgische (Ver-)Bindungen mitunter hölzern, „unruhig“, halbfertig erscheinen.

Nichtsdestotrotz ist das Endprodukt allemal sehenswert. Weil mit den beiden Hauptdarstellern zwei großartige Könner auftrumpfen: „Oscar“-Preisträger JAMIE FOXX („Ray“) als krankes Musik-Genie Nathaniel Ayers und ROBERT DOWNEY Jr. („Oscar“-Nominierung für/als „Chaplin“/1992; zuletzt als „Iron Man“ gut in Form) als zwiegespaltener Journalist, zwischen luxuriöser Bequemlichkeit und gefährlichem Engagement. Zwei definitive Anwärter für die nächsten OSCAR-Nominierungen. Denn WIE sie diese sozialen, medizinischen, emotionalen Unterschieds-/Spannungsebenen ausloten, intelligent anwerfen, taumeln lassen, zusammenfügen, das besitzt Kraft, Würde, Neugier, Anteilnahme. Während mit der einmal mehr sensationellen Nebendarstellerin CATHERINE KEENER („Oscar“-Nominierung für ihren Schrifstellerinnen-Part in „Capote“, neben Philip Seymour Hoffman) als Ex-Frau von Lopez eine weitere spannende Figur auftaucht/vorhanden ist. Ein aufregender, sperriger, uneinheitlicher, mitteilsamer, berührender AUßERORDENTLICHER neuer amerikanischer Film, der ungewöhnlich lange nachhallt. Als faszinierender, unterhaltsamer Leinwand-Kunststoß (= 4 PÖNIs).