FILM STARS DON’T DIE IN LIVERPOOL

„FILM STARS DON’T DIE IN LIVERPOOL“ von Paul McGuigin (GB 2016; B: Matt Greenhalgh; nach den gleichn. Memoiren von Peter Turner/1987; K: Urszula Pontikos; M: J. Ralph; 106 Minuten); diesen Film wird mögen, wer großes Schauspieler/Innen-Kino mag. Wir kennen sie schon seit vielen Leinwand-Jahren, von Filmen wie „Jahrhundertfrauen“/s. Kino-KRITIK; „The Kids Are All Right“/s. Kino-KRITIK„; „Mütter und Töchter“/s. Kino-KRITIK oder „Hallo, Mr. President“ (mit Michael Douglas), aber mit dieser Darstellung besteigt sie den Olymp: ANNETTE BENING, zweifache „Golden Globe“-Preisträgerin („Being Julia“; „The Kids Are Allright“) und bislang viermal für den „Oscar“ nominiert (darunter: „American Beauty“). Sie interpretiert brillant eine vergessene Hollywood-Queen der Vierziger und Fünfziger Jahre: GLORIA GRAHAME (28.11.1923 – 5.10.1981), die 1953 für ihre Mitwirkung in „Stadt der Illusionen“ den „Oscar“ als „Beste Nebendarstellerin“ bekam.

Wir erleben sie am Ende ihres Lebens, als sie 1981 in ihrer Bühnen-Garderobe im britischen Lancaster zusammenbricht. Vor zwei Jahren war sie nach Britannien gekommen, um dort Theater zu spielen. Sie mietet ein Zimmer in einem Haus, wo sie auf den jungen Schauspieler und Handwerker Peter Turner (JAMIE BELL) trifft. Sie ist 54, als sie sich in den 1952 geborenen Peter verliebt, Sohn einer Arbeiterfamilie. Ihre Affäre ist ein emotionsstarkes Auf und Ab. Als sie erkrankt, will sie nicht im Krankenhaus bleiben, sondern ruft Peter. Er bringt sie für die nächsten Wochen im Haus seiner Eltern unter, wo sie durch seine Familie aufopferungsvoll gepflegt wird.

Der Film erzählt von dieser außergewöhnlichen Beziehung, dabei nicht chronologisch, sondern in – verständlichen – Zeitsprüngen. Stets mit IHR im Mittelpunkt, vor der Kamera wie im Leben: eine vollendete Diva: Besitzergreifend, Gefühle bis an die Schmerzgrenzen provozierend, atmosphärischer Glamour-pur. Und mittendrin und immer überragend dabei: Die wunderbare Annette Bening mit der diskreten und dabei so phänomenalen Zurschaustellung eines exzentrisch-stimmungsvollen Gloria Grahame-Charakters und deren gepeinigter Seele. Die selten Ruhe findet, finden will, sondern sich immer wieder selbst als legendäre, dauerhafte Femme Fatale erfolgsgierig präsentiert. Und mit diesem positiven Peter einen geduldigen, liebenden Partner findet. JAMIE BELL, 30, am Anfang seiner Karriere ein gefeierter, umjubelter, unvergessener „Billy Elliot – I Will Dance“ (2000/s. Kino-KRITIK), begleitet Annette Bening prächtig-behutsam auf ihrem Lebensbühnen-Weg. (Seine Mutter wird übrigens hier von der großartigen JULIE WALTERS gespielt, die damals seine Tanzlehrerin war).

Ein starkes Emotions-Drama. Mit spannenden Akteuren in einem feinen dramatischen Melodram. Für das Liebhaber-Kino (= 4 PÖNIs).