DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN

„DER BUCHLADEN DER FLORENCE GREEN“ von Isabel Coixet (B + R; nach dem Roman „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald/1978; Spanien/GB/D 2017; K: Jean-Claude Larrieu; M: Alfonso de Villallonga; 110 Minuten); die spanischen „Oscars“ heißen „Goyas“, und in diesem Jahr bekam dieser Film gleich 3 dieser Trophäen, und zwar in den besten Kategorien: Bester Film, Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch. Zudem wurde die Adaption des Romans „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald auf der Frankfurter Buchmesse mit dem „Preis für die Beste internationale Literaturverfilmung 2017“ bedacht.

Mit den Kinofilmen der katalonischen Filmemacherin ISABEL COIXET ist das so eine Krux. „Learning To Drive – Fahrstunden fürs Leben“ (s. Kino-KRITIK) war im August 2015 – mit Patricia Clarkson und Ben Kingsley in den Hauptrollen – eine feine Seelen-Bravur. Ihr Berlinale-Eröffnungsfilm von 2015 dagegen, Nobody Wants The Night“, war (wie so viele Berlinale-Startfilme) Grütze und ward danach nie mehr hierzulande gesehen. Jetzt hat sie einen – ganz – leisen feinen Volltreffer gelandet.

Hardborough im britischen Suffolk, Ende der 1950er Jahre. Die Kriegs-Witwe Florence Green (EMILY MORTIMER/“The Party“) beabsichtigt, in = an diesem einsamen Fleck etwas „Revolutionäres“ anzustellen: eine Buchhandlung zu eröffnen. Sie ist ebenso Literatur-verliebt wie zielorientiert. Doch mit „Literatur“ vermag die Gemeinde – bislang jedenfalls – nichts anzufangen. Der weibliche „Sheriff“ hier ist eine gewisse Lady Gamart (PATRICIA CLARKSON), die Aristokratin ist es gewohnt, dass „die Untergebenen“ nach ihrer Meinungs- bzw. Befehlspfeife tanzen. Das „Unterfangen Buchladen“ hält sie für „unvernünftig“. Und opponiert dagegen. Heftig. Will das Domizil von Florenvce „anderweitig“ kulturell „verwertet“ wissen. Doch Florence ist dickköpfig genug, dagegen-zu-halten. Zwei weibliche Alphas beginnen sich „anzuschnuppern“. Wobei die sensible, besonnene Florence in dem örtlichen Einsiedler, Mr. Brundish (BILL NIGHY/“Radio Rock Revolution“), einen neugierigen wie veritablen Unterstützer findet, dem es besonders die Romane von Ray Bradbury („Fahrenheit 451“) angetan haben. Erste bescheidene Interessenten-Erfolge aber bringt die dörfliche Chef-Lady auf die Wut-Palme. Mit Folgen.

Wer im Kino Krach und nochmal Krach sucht, bitte wegbleiben. Hier fliegen keine Helden oder Häuser oder Mutanten durch die Lüfte. Hier gibt es keine Explosionen. Hier geht es nur und ausschließlich ruhig zu. Dezent wie still-konfrontativ. Hier gilt es ständig, atmosphärische Gefühle einzuatmen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Der Buchladen der Florence Green“ ist ein ganz leiser, ganz stiller „Western“. Eine Böse hat das Herrschafts-Sagen in einer abgeschiedenen kleinen Gemeinde, eine Gute wehrt sich. Mit ihren klugen, einfühlsamen Mitteln. Eines – seitens der Diktatorin – unerwünschten Buchladens. Der kleinörtliche Spießer-Rest sieht meistens amüsiert oder egal zu.

Ein SCHAUSPIELER-Film. Ich sehe grundsätzliche jeden Film, in dem BILL NIGHY, 68, mitspielt. Dieser schlaksige 1 Meter 88-Typ vermag viel zu sagen ohne viel zu reden. Nighy ist seit vielen Jahren zuständig für den listig-ironischen britischen Arbeiter-Dandy, siehe etwa in dem Emotions-Klassiker „Tatsächlich… Liebe“ oder als Chef der Piratensender-Crew in dem Stimmungs-Hit „Radio Rock Revolution“. EMILY MORTIMER spielt ihre Buch-Liebhaberin nicht als Opfer-Ikone, sondern als gestandene Gefühls-Enthusiastin. PATRICIA CLARKSON (zuletzt in: „The Party“) hat als Macht-Haberin das hintergründig-gemeine, zynisch-fiese Dauer-Lächeln auf den Lippen.

„Der Buchladen der Florence Green“, mit schönen Landschaftsbildern garniert, ist ein Arthaus-Hit für angenehme stille Stunden (= 4 PÖNIs).