Learning to Drive – Fahrstunden fürs Leben Kritik

Link für Pöni TVLEARNING TO DRIVE – FAHRSTUNDEN FÜRS LEBEN“ von Isabel Coixet (USA 2013/2014; B: Sarah Kernochan; nach Essays von Katha Pollitt in „The New Yorker“ und basierend auf ihrem Buch: „Learning to Drive: And Other Life Stories“/2007; K: Manel Ruiz; M: Dhani Harrison, Paul Hicks; 90 Minuten; Start D: 06.08.2015); der diesjährige Berlinale-Eröffnungsfilm der katalanischen Regisseurin Isabel Coixet, „Nobody Wants the Night“, war fade. Besser wäre es gewesen, diesen Film vorzuzeigen, denn er besitzt Charme, Humor, darstellerischen Ironie-Appeal. Hält eine atmosphärische Relax-Spannung. Schönes „Anderes Kino“, hervorragend dargeboten: Ein exzellenter Schauspieler-Film!

Die New Yorker Literaturkritikerin Wendy Shields fällt aus heiterem Lebenshimmel, als ihr Mann beschließt, sich nach 21 Jahren Ehe von ihr zu trennen. Natürlich, eine jüngere Frau. Erst ist Wendy stinkewütend, dann nur noch sauer, dann traurig. Doch aufgeben ist nicht ihre Sache. Morgen muss es weitergehen. Zum Beispiel mit einem Besuch bei ihrer Tochter in Vermont. Deshalb will sie auch endlich ihren Führerschein machen. Und landet beim indischen New Yorker Darwan Singh Tur. Der fährt nachts Taxi und ist tagsüber als Fahrlehrer unterwegs. Ja, ja, es kommt, was Sie ahnen: Obwohl die Lebenswege dieser beiden Menschen kaum unterschiedlicher sein können, beginnen ihre spannend-sensiblen Gespräche. Die sich immer mehr vertiefen.

Die impulsive, „solche“ Eigenständigkeit nicht gewohnte, ziemlich dauer-nervöse Wendy und der besonnene, stocksteif-ernste wie sanftmütige Inder. Der kurz vor einer arrangierten Ehe steht. Die unterhaltsame Kultur-Begegnung zweier hochinteressanter Welten. Die sich austauschen. Annähern. Sie kommentiert, hört zu, er wird gesprächiger. Lockerer. Beide lernen süffisant voneinander. Eine kostbare Lebensbegegnung.

Natürlich ist das nicht neu. Natürlich ist das vergleichsweise unaufgeregtes Kino. Doch keineswegs nur für die „Über 50“-Generation und nie langweilig, ganz im Gegenteil: Du kannst dich an jedem Tag deines Lebens „umkrempeln“, gilt universell. Der Neuanfang ist keine Altersfrage, ebenso. (Selber aus-probiert). Resignieren ist keine Lösung, wenn es mal schiefläuft. Hört sich nach „Standard“ an, stimmt und wirkt dennoch überzeugend. Amüsant, weil es SO wunderbar würdevoll, humorsanft und leger-berührend „vorgetragen“ wird.

Von zwei brillanten Charakter-Schauspielern: PATRICIA CLARKSON („The Green Mile“/die kranke Frau des Gefängnis-Direktors; „Station Agent“; „Shutter Island“), die gerade mit komplexen, widersprüchlichen Figuren formidabel umzugehen weiß (= ihr phänomenaler Auftritt in „Cairo Time“/s. Kino-KRITIK), ist als gebeutelte Wendy „in den besten Jahren“ von großartigem charakter-tiefem Charme. Ohne emotional zu übertreiben. Oder Larmoyanz. Sondern mit viel Seelen-Bravur. Vermittelt über eine ausdrucksstarke, intensive Körpersprache. „Oscar“-Star Sir BEN KINGSLEY (unser ewig „Gandhi“) hält unaufgeregt klug mit. Als spiritueller Humanist. Und faszinierender Persönlichkeits-Vermittler. Der selber in einigem Identifikationstrubel steckt. Und ziemlichen Privat-Stress „hinkriegen“ muss.

„Learning to Drive“ oder: PATRICIA CLARKSON und BEN KINGSLEY zuzusehen und zuzuhören ist pures, wunderbares Schauspieler-Genießen (= 4 PÖNIs).