0.) „EDDINGTON“ von Ari Aster (USA 2024) wird – u. a. – von vier namhaften internationalen Kritikern betont: Justin Chang vom New Yorker schrieb, der Film sei „zäh, aber ambitioniert“ und kritisierte die Satire und die Charaktere. Ari Aster finde sie „kaum interessant genug, um sie zu beurteilen, und seine Langeweile ist ansteckend“. Owen Gleiberman von Variety lobte die Kühnheit und Genre-Mischung des Films und nannte ihn einen „dreist provokanten Western-Thriller“. Er hob Phoenix‘ Leistung als „eine seiner vielschichtigsten seit Joker“ hervor. Peter Howell vom Toronto Star schrieb: „Es ist eine Satire ohne Lacher. Ein Horrorfilm ohne Schreckmomente. Ein Western ohne offensichtlichen Bösewicht. Ein Gesellschaftskommentar ohne moralischen Kompass“. Mehrere Kritiker haben angemerkt, dass Eddington das Western-Genre nutzt, um die aktuellen politischen Spaltungen in Amerika, Verschwörungstheorien und die Paranoia der Pandemiezeit zu thematisieren. David Ehrlich von IndieWire beschrieb den Film als „einen düsteren und brillanten Blick auf das Amerika nach COVID“.
Ich selbst habe den Film leider nicht sehen können, daher keine Bewertung.
1.) EXZELLENT. EXTREM. WÜTEND. VOLLTREFFEND. Titel = „DIE VERBINDUNG“ („The Line“) von ETHAN BERGER (Co-B + Co-Produktion + R; USA 2022; Co-B: Zack Purdo; Alex Russek; K: Stefan Weinberger; M: Daniel Rossen; 100 Minuten; deutscher Digital-Pandastorm-Start: 28.11.2025). Was für ein intensives College-Drama, was dann auch für ein Thriller! Als packender Blick in die Strukturen einer amerikanischen Studentenverbindung, in der Macht, also Gewalt, Zugehörigkeit und moralische Grenzen unheilvoll ineinandergreifen. Im Mittelpunkt steht Tom Backster (ALEX WOLFF), ein Student, der sich durch seine Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft Hoffnung auf eine glänzende Zukunft erhofft. Doch als ein neuer Anwärter beginnt, die unausgesprochenen Regeln infrage zu stellen, beginnt das fragile Gleichgewicht zu kippen – und Tom wird ein Teil einer Dynamik, die immer schwerer zu kontrollieren ist. Während der Film sich als ein eindringliches Drama entfaltet über Verantwortung, Mitläufertum und den Preis des Schweigens. Dabei geht es ständig „heiß“ zur Sache. Und ordinär. Und viel gemein.
Denn: „DIE VERBINDUNG“ besticht nicht nur durch seine Intensität, sondern eben auch durch seine ungewöhnliche wie gemeingefährliche Nähe zu realen Strukturen einheimischer Studentenverbindungen: Rituale, Privilegien und der Wunsch nach Zugehörigkeit werden hier ohne Beschönigung beleuchtet. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet, insbesondere Tom, dessen innerer Konflikt sich zwischen moralischer Haltung und sozialem Aufstieg mit einer lautstarken Wut und Tragik auflädt. Bei internationalen Festivals wurde das Werk vor allem hervorgehoben für seine brillanten powervollen Darstellerleistungen sowie wegen der starken atmosphärischen Dichte und seiner unerschrockene Analyse von Machtbestrebungen. In der internationalen Kritikergemeinschaft wird vor allem die kompromisslose Authentizität und die nachhaltig verstörende stimmliche Wirkung des Films betont.
Was es – von wegen der permanenten, stimmlich-harten Grenzüberschreitungen – zu bestätigen gilt. Bevor „der Thriller“ trotzt (= 4 PÖNIs)
2.) EINE BEDEUTSAME FRANZÖSISCHE FAMILIE. Titel = „MIT LIEBE UND CHANSONS“ von KEN SCOTT (B + R; Fr/Kanada 2024; nach dem biographischen Roman von Roland Perez; K: Guillaume Schiffman; M: Nicolas Errèra; 102 Minuten; deutscher Kino-Start: 27.11.2025). Paris in den 1960er Jahren: Die Freude ist groß. Esther Perez (LEILA BEKHTI) bringt ihr sechstes Kind zur Welt, den kleinen Roland. Er wird mit einer Fehlbildung am Fuß geboren. Die Ärzte sind sich sicher, dass Roland niemals richtig laufen wird. Doch die Mutter ist eine starke und sture Frau. Die ihrem Kopf und vor allem ihrem Herzen folgt. Entgegen aller Ratschläge verspricht sie Roland, dass er an seinem ersten Schultag „richtig laufen wird“, Roland wird ein glücklicher Mensch sein. Lautet das Familien-Motto. Wie bei allen anderen Kinder auch. Was folgt ist der unerschütterliche wie mütterliche Optimismus von Esther. Nie verlegen, sondern ständig auf neue „heilsame“ Erlebnisse setzend. Und dabei diesen „speziellen“ Klängen französischer Chansons lauschend. Die die Familie in Schwung halten.
„Mit Liebe und Chansons“ ist die sagenhafte, aber wahre und mit viel Humor erzählte Geschichte von der größten Liebe, die es geben kann: die einer Mutter zu ihrem Kind. Berührend wie warmherzig. Der französische Streifen verpackt schwere Schicksalsschläge in eine mit zahlreichen Pointen und Nachwirkungen begleitete Tragikomödie. Währenddessen beschallen französische Schlager und Chansons den schwierigen häuslichen wie medizinischen Lebenskampf. Beleben flott die immensen Bewegungen der Sixties (= 3 PÖNIs).
3.) TV-TIPP: Mit ihrem Debüt-Krimi konnte das Frankfurter-Tatort“-Team am 5. Oktober 2025 in Sachen Qualität und Spannung zufrieden sein (s. TV-KRITIK /“Dunkelheit“4 PÖNIs) – Maryam Azadi (MELIKA FOROUTAN) und Kollege Hamza Kulina (EDIN HASANOVIC) hatten glänzende ARD-Quoten. Die am Sonntag-Abend fortgesetzt werden sollen. Mit der zweiten Folge, die unter dem Titel „LICHT“ läuft. Wie gehabt, nach der Ausstrahlung folgt meine Kritik an den bekannten Kritik-Stellen.
4.) Was SIE sich zu Lebzeiten gewünscht haben, wird umgesetzt. Die Bestattung der KESSLER-ZWILLINGE erfolgt ohne Öffentlichkeit. Weder Angehörige noch Andere werden bei der Beisetzung von ALICE und ELLEN KESSLER anwesend sein. Die beiden Künstlerinnen hatten zu Lebzeiten festgelegt, dass ihr letzter Weg still und unauffällig erfolgen soll. Die Urnen der 89-jährigen Zwillingsschwestern sollen demnach in einem bestehenden Familiengrab auf dem Waldfriedhof in Grünwald beigesetzt werden. Dort ruht seit 1977 ihre Mutter Elsa. „So haben wir es testamentarisch verfügt“, hatten die Zwillinge festgelegt. Wir haben einen legendären amerikanischen TV-Auftritt der Beiden entdeckt vom 24. November 1968 in der „Ed Sullivan Show“ in New York und verabschieden uns HERZLICH:
Beste 1. Advents-FILM-Grüße
PÖNI Pönack
