ZEUGIN DER ANKLAGE

Zeugin der Anklage„ZEUGIN DER ANKLAGE“ von Billy Wilder (Co-B + R; USA 1957; Co-B: Larry Marcus; Harry Kurnitz; nach dem gleichn. Bühnenstück von Agatha Christie/1953; K: Russell Harlan; 113 Minuten; Schwarz-Weiß; BRD-Kino-Start: 28.2.1958; Heimkino-Blu-Ray-VÖ: 19.5.2017); zwei großartige SchrifstellerINNEN sorgten im vorigen Jahrhundert für herausragende wie zeitlose Spannungskost: die US-Amerikanerin Patricia Highsmith UND, natürlich, die Britin AGATHA CHRISTIE (15.9.1890 – 12.1.1976). Von den insgesamt 66 Kriminalromanen der Dame Agatha Mary Clarissa, Lady Mallowan, wie sie „offiziell“ hieß, wurden viele verfilmt. Ihre berühmtesten Schöpfungen sind der belgische Detektiv Hercule Poirot („Mord im Orient-Express“) und die altjüngferliche britische Hobby-Detektivin Miss Marple („16.50 Uhr ab Paddington“). Neben Romanen verfasste Agatha Christie auch zahlreiche Kurzgeschichten und Bühnenstücke. Von den Büchern der „Queen of Crime“, wie sie genannt wird, wurden weltweit – seriös geschätzt – über zwei Milliarden Exemplare verkauft. Und der Verkauf läuft weiterhin ausgezeichnet, gerade wurden die Christie-Romane wieder neu aufgelegt und als eine Taschenbuch-Reihe herausgebracht.

1957 übernahm der renommierte, 6fache „Oscar“-Gewinner BILLY WILDER („Boulevard der Dämmerung“) die Spielleitung für den Kriminalfilm „ZEUGIN DER ANKLAGE“. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Agatha Christie aus dem Jahr 1925: „Traitor’s Hands“. In den 1930er- und 1940er-Jahren wurde die Short Story mehrfach in Großbritannien und in den USA unter dem Titel „Witness for the Prosecution“ wiederveröffentlicht. 1953 schließlich wurde sie für ein „modernes“ Bühnenstück verwandt. Die Uraufführung von „Witness for the Prosecution“ fand in Nottingham am 28. September 1953 statt.

London, 1952. In einem Mordprozess sind die Fakten klar. Und deutlich. Leonard Stephen Vole (TYRONE POWER), ein ziemlich unbekümmert wirkender und naiv auftretender Handelsvertreter, hat aus Geldgier eine reiche Witwe ermordet, um sich danach mit deren „Testament-Geld“ und mit seiner Geliebten nach Übersee absetzen zu können. Der bekannte Londoner Strafverteidiger, Sir Wilfrid Robarts (CHARLES LAUGHTON), gerade erst nach einem Herzinfarkt aus dem Krankenhaus „mit Schonungsauflagen“entlassen, übernimmt diesen scheinbar aussichtslosen Fall. Und präsentiert im Verlaufe des Prozesses eine Überraschungs-Zeugin, die aus Deutschland stammende Ehefrau des Angeklagten, Christine Helm Vole (MARLENE DIETRICH); dabei gelingt es ihm, diese Zeugin mehr und mehr in Widersprüche zu verwickeln = in Misskredit zu bringen. Doch auch für ihn, den honorigen Juristen, stellt sich mehr und mehr die Frage: Wer lügt hier raffiniert und wie setzen sich wirklich die Beziehungsfäden der Beteiligten zusammen. Sein Unbehagen, keinesfalls „die ganze Wahrheit“ zu kennen, ist zu spüren.

Die köstlich pointierte wie listig-raffinierte Inszenierung und die letztlich völlig verblüffende Lösung machen den Film zu etwas Besonderem innerhalb des Kriminalfilm-Genres. Doch auch dies würde nicht ausreichen, um den Film ein Meisterwerk zu nennen, wenn nicht DIESE SAGENHAFTE BESETZUNG zusammengekommen wäre: Schauspieler der Spitzenklasse werten einen guten Stoff und spannenden Fall zu einem faszinierenden filmischen Juwel auf. CHARLES LAUGHTON gibt mittels einer überragenden Charakterstudie einen exzellenten Brubbel-Schlau-Kopf ab; MARLENE DIETRICH hat als „femme fatale“ viele tückische Glanz-Momente; TYRONE POWER darf alle (und uns natürlich auch) brillant foppen.

Zudem: „Zeugin der Anklage“ ist auch wegen der außerordentlich sorgfältigen deutschen Synchronisation ein immer wieder gern gesehener Klassiker. Was nicht verwundert, schließlich übernahm damals RIAS-Journalist FRIEDRICH LUFT („Die Stimme der Kritik“) die künstlerische Leitung, während Generalstaatsanwalt Gerhard Friedrich Kramer die juristische Beratung verantwortete. Mit deutschen Sprach-Künstlern wie Paul Klinger (Tyrone Power); Tilly Lauenstein (Marlene Dietrich); EDUARD WANDREY (Charles Laughton) sowie Siegfried Schürenberg, Friedrich Joloff, Hugo Schrader und Werner Peters waren weitere Verbal-Hochkaräter am hervorragenden deutschen Sprach-Werk beteiligt. „Zeugin der Anklage“ erhielt damals sechs „Oscar“-Nominierungen, ist als Media-Book inklusive 20seitigem Booklet mit ausführlichen Informationen (von Prof. Dr. Marcus Stiglegger) sowie mit der Reproduktion des Original-Kinoplakats in der packend-atmosphärischen BluRay-Version herausgekommen. Ein Film-Genuss in Schwarz-Weiß!

Im Jahr 2008 wählte das American Film Institute „ZEUGIN DER ANKLAGE“ auf Platz 6 der 10 größten Gerichtsdramen aller Zeiten.

Das Privat-Archiv bekommt ein weiteres Meisterwerk (= 5 PÖNIs).

Anbieter: „FilmConfect“.