ARD Tatort Kritiken 2016

Kritiken zum ARD-TATORT 2016

Tatort vom 01. & 03.01.2016

„Ist Til Schweiger der neue Bond?“, fragte das“FAZ“-Feuilleton. Antwort: Lächerlich. Aber so etwas von ganz doll bescheuert. Til Schweiger ist von Daniel Craig & Co. so weit entfernt wie ein Pudel vom Eisbär.

Nach „Willkommen in Hamburg“ am 10. März 2013, „Kopfgeld“ vom 5. März 2014 nun also die Doppel-Folge

TATORT – DER GROSSE SCHMERZ“ (1.1.2016) und„TATORT – FEGEFEUER“ (3.1.2016). Als Folgen 969 und 970 in der „Tatort“-Statistik“.

1.) Was haben wir? Eine von der ersten Sekunde an völlig nicht-akzeptable Geschichte. Sie können machen, denken, erfinden, inszenieren was Sie wollen, verehrter Drehbuch-Autor CHRISTOPH DARNSTÄDT und Herr Regisseur CHRISTIAN ALVART, aber Sie müssen mir (und der Welt) es auch als „echt“ verkaufen. Die Story muss plausibel sein, wie verrückt sie auch immer daherkommt. Hier ist sie regelrecht dauer-hirnrissig. Bond ist inzwischen zu einer schwarz-komischen Comic-Show mutiert; Ihre beiden Filme besitzen weder Ironie noch Durchtriebenheit oder eine annähernde Logik, sondern sind nur bierernst, völlig unwahrscheinlich und als Krimi-Quatsch fürchterlich in die Länge gezogen. Also entsetzlich langweilend / langweilig.

2.) TIL SCHWEIGER. Als hartes Weich-Ei. Nick Tschiller. Til, der Hamburger Beamten-Outlaw. Marke: norddeutscher Bruce Willis. Mit taffer wie eindimensionaler Mimik. Und netter Blut-Schnute. Der LKA-Draufgänger. Mit Eigen-Aktionen. Motto: Hau Drauf-Gerechtigkeit. Ein Held mit dem Irgendwann-Bald-Auf den Keks-Geh-Effekt. Psychologie? Nix. Ein Marionetten-Held. Dem Sätze an die Ohren fliegen wie: „Du musst dich entscheiden, ob du Bulle oder Räuber bist“. Ach herrjeh. Dann darf er wieder (er-)schießen. Und sich hauen. Und viel Auto-Fahren. Und noch mehr Handy- telefonieren.

3.) Pech: Nick hat eine lahme Tochter an der Kurz-Backe. LUNA SCHWEIGER als Tschiller-Tochter Lenny mimt extrem schlicht. Emotional unangenehm. Und übt zum Schluss das Pistolen-Schießen. (Die wird doch nicht…demnächst…, auch in den TV-Polizei-Dienst…, bitte nicht).

4.) Wenn ich von Anfang an d e n Schurken kenne, wie hier ERDAL YILDIZ als Firat Astan, dann ist der Reiz ‚raus. 180 Minuten, um DEN endlich zu überführen? Da hätte es sehr viel mehr Inhalts-Fleisch bedurft. So aber auf ewig: Der deutsche Türken-Böse. Der sich einst, nach seiner Einreise, ungerecht von der hiesigen Gesellschaft behandelt fühlte und also Gangster wurde. Um es allen und vor allen den arroganten Deutschen zu zeigen (wie wir in einem echten Kerle-Gespräch zwischen ihm & Nick erfahren): DER, also Firat, fällt schon mal auf einem Schiff viele Meter in die Tiefe und krabbelt ziemlich reibungslos wie munter weiter. Herum. Hat einige Wunden, wird auch zwischendurch ein wenig „behandelt“, ist aber am Ende, bei der Fast-Männer-Verbrüderung nach einer letzten Klopperei, fast fit wie ein Turnschuh. Völlig bescheuert.

5.) Natürlich ist der örtliche Chef-POLITIKER korrupt. Hier mal wieder – der umtriebige, windige Hamburger Innensenator. Ne‘ Ekel-Type. Erfahre ICH gleich, ist und bleibt also auch ewig-bekannt. Nur die Beteiligten im Film dürfen DAS natürlich erst ganz spät erfahren. Blöde. Fade. Doof.

6.) Der Assistent. Politisch korrekt: ein guter deutscher Türke. FAHRIN YARDIM spielt Yalcim Gümer. Und nuschelt weitaus mächtiger als es Til je getan hat. 50% seiner Dialoge verschnarchen im Raum. Kommen nicht an, sind unhörbar. Unverständlich. Dafür gibt er sich manchmal „lustig“. Also versuchs-komisch. Ist und wirkt dabei unangenehm peinlich.

7.) Die Musik dröhnt, verspricht, was die Handlung nicht liefert. Denn diese z i e h t sich unendlich in die spannungslose Länge. 2 x „Tatort“ als Dehn-Double-Krimi. Bei dem Interesse, Reiz, Spaß an Erzählung, Figuren und Lösung schnell schon – nämlich schon kurz nach Folge 1-Beginn – auf der Desaster-Strecke bleibt. Auch weil, mal wieder, SIE den brutalen Ton angeben: DIE RUSSEN. Sind jetzt mal wieder der Nr.1-Feind. Wollen Hamburg profitabel (ver-)kaufen. Diese aggressiven Schweine. Gut, dass Nick sie dezimiert. Sie haben es doch nicht anders verdient. Lautet der eindeutige Tenor. Denn wer im NDR-Haus das „Tagesschau“-Team vor laufender und immer weiter laufender Live-Kamera als Geisel nimmt, muss liquidiert werden. Schließlich haben wir ja solch einen tapferen Front-Kämpfer wie Nick, der sich nicht an die Regeln hält, zu halten braucht, um wieder für Klar Schiff in Hamburg zu sorgen. Am Ende habe ich den Jubel-Klang vermisst: „Auf uns“, von Andreas Bourani.

8.) Ach ja, und HELENE FISCHER? Als dunkle Killerin Leyla? Erna Putenstrunk hätte das und die auch spielen können.

FAZIT: Diese zwei „Tatort“-Filme waren lächerliche, einfältige, unangenehme Blöd-Krimis.

Tatort vom 16.05.2016

DER HUNDERTSTE AFFE

Der 987. „TATORT“ gestern Abend, am Pfingst-Montag, den 16. Mai 2016 – Ausrichter: das „kleine“ „Radio Bremen“ – zählte zu den besten überhaupt. Dank einer überzeugenden Polit-Story. Klug-spannend entwickelt und erzählt. Durchgängig aufregend wie schon ewig ein „Tatort“-Film nicht mehr war. Und apropos: Endlich einmal stand ein richtiger Kriminal-FALL im Mittelpunkt des spannungs-intensiven wie clever durchdachten Geschehens. Ohne die sonst oft lähmenden privaten, läppisch-emotionalen „Begleiterscheinungen“ der Ermittler. DIE im Übrigen, Sabine Postel und Oliver Mommsen, nicht dominant im Vordergrund standen wie sonst, sondern Teil eines originell zusammengefügten Klasse-TEAMS waren.

Dieser KINO-„Tatort“ war so gut, dass die Frage erlaubt sei: WARUM KRIEGT DAS DEUTSCHE KINO SO ETWAS PACKENDES, INTELLIGENT-UNTERHALTSAMES NICHT AUCH HIN? „Der hundertste Affe“ war eine Anderthalbstunden-Spitzen-Krimi-Leckerei. Mit einer überragenden Neu-Entdeckung: LUISE WOLFRAM, sicherlich nicht mehr lange unbekannt, als schnoddrige, selbstbewusste BKA-Ermittlerin Linda Selb.

Ein großer Spannungs-„Tatort“-Abend in der ARD ist zu annoncieren!!!!! 5 PÖNIs

Tatort vom 13.11.2016

Der lauthals angepriesene 1.000 „ARD-„Tatort“ am Sonntag-Abend, Titel: „TAXI NACH LEIPZIG„, so hieß ja auch der allererste „Tatort“ vom 29. November 1970 (mit dem bärbeißigen Walter Richter als Kommissar), war spannungsloser Schwachmaten-Müll. Die Handlung, ein fader Mix aus Krimi, Intim-Drama, etwas wölfischem Horror und mattem Road-Movie, löcherte an allen Ecken und Enden. War völlig doof bis viel-unlogisch konstruiert. Entbehrte jeder Thriller-Spannung.

Während die beiden Kommissare, Charlotte Lindholm (MARIA FURTWÄNGLR) aus Frankfurt und Klaus Borowski aus Kiel (AXEL MILBERG/DER war doch schon am „Tatort“-Sonntag-davor so entsetzlich langweilig hauch-sabbernd), sich vom Bösewicht in sein Taxi sperren ließen, um sich drinnen sich als dümmliche Amateur-Psychologen zu versuchen und ihr Polizei-Handwerk wenig beherrschten. Geradezu lächerlich ausübten. So zooog sich die Jubiläums-Show fürchterlich langweilend hin. Action?: Ein doppelter Autoumfaller. Danach waren alle „gesund“ und machten, kaum blessiert, weiter. Ach du liebe Logik-Scheiße!

Warum hat man solch ein Luschen-Drehbuch, solch eine beknackte, spannungslose Story akzeptiert und warum durfte ausgerechnet dieses matte Ermittler-Team die Jubiläums-Veranstaltung versauen??? Der WDR, der die besten Schnüffler mit Bär/Behrendt und den komischen „Münsteranern“ Prahl/Liefers besitzt, hätte den 1.000 Krimi anführen müssen. Und nicht der ungeeignete, überforderte NDR.

Jedenfalls: dieser Jubiläums-„Tatort“ war eine einzige Enttäuschung!

Tatort vom 20.11.2016

Der 1001. ARD-„Tatort“ – „ES LEBE DER TOD“ – war soeben ein Hochkaräter von Intim-Thriller. Der eingangs schon, mit einem verblüffenden Twist, sofort für kribbelnde (An-)Spannung und fesselnde Laune sorgte.

Es folgte: Ein faszinierendes Psycho-Duell zwischen einem außerordentlich intelligenten wie wahnsinnigen Serien-Mörder „mit guten Absichten“, wie DER sein Tun rechtfertigt, und dem Seelen-labilen, inzwischen von einem Kopf-Tumor geheilten LKA-Hauptkommissar Felix Murot. JENS HARZER & ULRICH TUKOR lieferten sich einen brillanten, hochemotionalen Kopf-an-Kopf-Fight.

Dieser Wiesbaden-„Tatort“, übrigens in „Cinemascope“-gedreht, verdiente sich das Prädikat: Gehört zu den Besten Folgen dieser Reihe.

P.S.: Hoffentlich macht der begnadete Ulrich Tukur, der neulich mal andeutete, dass er sich vorstellen könne, irgendwann-bald aus der Serie auszusteigen, weiter. Oder lebt er gar nicht mehr? War dies doch schon sein Abschied? Falls ja, es wäre für den „Tatort“ ein Riesen-Niveau-Verlust.

Herr Tukur-Murot, bitte unbedingt weitermachen!

Tatort vom 04.12.2016

ARD-„TATORT“-Nr.1002: Schon der Titel „WOFÜR ES SICH ZU LEBEN LOHNT“ versprach mehr „Kunst“-Gemeinheiten als direkte Grobheiten. Und so war es auch, die volle schwarze Ironie: „Ladykillers“ am Bodensee. Neuestes Opfer: Ein rechtsextremer krakeelender Populist.

Die schwer erkrankte Hauptkommissarin Klara Blum, gespielt von der großartigen EVA MATTES, selbst einst Fassbinder-Muse, trifft bei ihrem 31. und letzten Konstanz-Fall auf die drei ehemaligen Rainer Werner Fassbinder-„Girlies“ HANNA SCHYGULLA / IRM HERMANN / MARGIT CARSTENSEN, die mit „guten Absichten“ in Sachen „Weltverbesserung“ unterwegs sind: „Wir nehmen keine Rache, wir sorgen für Gerechtigkeit“. Indem sie entführen und morden: „Du bist reich geworden auf der Asche der Arbeiter“, wird Erzkapitalist Maximilian Heinrich alias MATTHIAS HABICH während der freundlichen Folter gemaßregelt.

Am Ende summt das Trio gemeinsam die Internationale und tritt ab: „Völker hört die Signale…..“ als „Tatort“-Schlussakkord; wie schön!

Tatort vom 11.12.2016

Der ARD-„Tatort“ Nr.1003 „DUNKELFELD“ war BERLIN vorbehalten.

Berlin: Ich bin ein echter Berliner. Berlin ist eine total überkandidelte, beknackt-herrliche-fiese Großstadt.

Wir kriegen keinen Flughafen gebaut; Straßen-Baustellen werden nicht koordiniert und deshalb auch nicht zeit- wie finanz-technisch günstig fertig; es müffelt viel nach Unfähigkeiten, Ignoranz, Verschwendung zuhauf, gesellschaftlichem wie politischem Parallelgehabe. Alles schön-Scheiße-schick.

Pleiten, Pech und Wowereits. Was das mit dem Berlin-„Tatort“ zu tun hat?:
Der heutige „Tatort“ roch genau SO. Nix richtig zu verstehen, aber irgendwie spannend. Manchmal jedenfalls. Ein bisschen „Stirb langsam“ mit gewalt-gemütlichem Preußen-Stall-Geruch; religiöse, in diesem „DUNKELFELD“ jüdische Heils-Pralinen. Wacklige Depri-Bilder. Mit den Drecksäcken: Staatsanwalt, Bau-Senator, Bau-Unternehmer. Und einem „Bullen“-Anti-Team. So ist das eben in der Hauptstadt.

Wer die 3 vorherigen Fälle des Teams Nina Rubin (MERET BECKER) & Robert Karow (MARK WASCHKE) – vom 22. März + 15. November 2015 und vom 5. Juni 2016 – nicht gespeichert hat, sieht schon mal dumm aus.

Das Konzept, Fälle nicht mehr in einem Film abzuschließen, ist fragwürdig. Eigentlich doof. (Es sei denn, die Sendeabstände liegen kürzer).

Der heutige „Tatort“ „DUNKELFELD“ hat mir ganz-gut-nicht-gefallen.

Tatort vom 18.12.2016

Ach nee: Nach Stuttgart („HAL) und Bremen („Echolot“) nun also auch Frankfurt im ARD-„Tatort“ Nr.1004, „WENDEHAMMER„. Motto: Hey, schau‘ doch mal wie gruselig die Computer-Pixel-Welt künftig sein könnte.

Au wei-ja, die Apokalypse winkt. In einer gutbürgerlichen Häuser-Gegend nervt ein sich mit Gitter-Strom abschottender, mit vielen Überwachungskameras und -Monitoren in seiner Haus-Festung ausgestatteter „nervöser“ IT-Spezialist die Nachbarn. Tötet deren Haustiere. Erst suchen die beiden Kommissare Anna Janneke (MARGARITA BROICH) & Paul Brix (WOLFRAM KOCH) nach einem verschwundenen Nachbarn, dann werden sie als Mordfallaufklärer benötigt.Und in Frankfurt gehen zeitweise total die Lichter aus. Schließlich wird die mysteriöse „Weiße Eule“ (Achtung: Symbol, nur was für eins?) ins Auto verfrachtet. Vom digitalen Ober-Schurken. Oder so wen. Oder was?

Dünn & dümmlich. In der Ach-was-haben-wir-doch-so-schön-schreckliche-Fiction-Ideen-Blöd-Handlung, aber auch im mürbigen Spiel: Der Vorgesetzte der beiden Ermittler – gespielt von ROELAND WIESNEKKER – z.B. hat wohl einen Dachschaden. Wirkt jedenfalls bekloppt. Gehört eher in die Klinik als an einem höheren Polizei-Arbeitsplatz platziert. Was waren das noch für wirklich spannende, Figuren-faszinierende „Tatort“-Fälle, als in Frankfurt Nina Kunzendorf & Joachim Król zwischen 2011 und 2013 ermittelten? Ihre Nachfolger erreichen überwiegend nur noch Lahm- & GÄHN-Attacken.

Tatort Frankfurt: Aufwachen!

Tatort vom 26.12.2016

War neulich der Jubiläums-„Tatort“ der ARD, die Folge 1000, ein peinlicher Ausrutscher, gehörte Nr.1005 aus München, der letzte Kriminalfall im Jahr 2016, am 2. Weihnachtsfeiertag-Abend zu den besten des Jahres: „KLINGELINGELING“ Unbedingt sehenswert.

Ebenso bitter wie spannend wie nahegehend. Im System der rumänischen Bettler-Mafia angesiedelt: Ein Neugeborenes stirbt, die Kommissare Ivo Batic (MIROSLAV NEMEC) und Franz Leitmayr (UDO WACHTVEITL) ermitteln in einem realitätsnahen Großstadt-Milieu. Dabei im Mittelpunkt: Zwei rumänische Schwestern, sozusagen: DIE vom bzw. am Ende der kriminellen Armuts- und Ausbeutungskette.

Darstellerisch auffallend: Mit auch beeindruckend auftretenden unbekannten brillanten Nebenakteuren.

Ein hervorragender, den Zuschauer permanent mitnehmender Spannungsfilm; mit einem schwierigen aktuellen Gesellschaftsthema und einer schlussendlichen menschlichen Hut-Ab-Haltung.

P.S.: Zwar verzichtete die ARD wohlpassend auf den markanten „grölenden“ Erkennungstitel am Ende, doch der sofortige Übergang zum nächsten Film, ohne eine winzige Ausklangs- und Denk-Pause, war erbärmlich.