SOLANGE ICH ATME

„SOLANGE ICH ATME“ von Andy Serkis (GB 2016; B: William Nicholson; K: Robert Richardson; M: Nitin Sawhney; 118 Minuten); die Poliomyelitis, kurz Polio genannt, ist eine von Poliviren vorwiegend im Kindesalter hervorgerufene Infektionskrankheit, die beim Befall der Atemmuskulatur tödlich sein kann. Seit den fünfziger Jahren existieren Impfstoffe gegen Polio, und seitdem sind die Erkrankungszahlen stark rückläufig.

Der britische Teehändler Robert Cavendish (ANDREW GARFIELD/2 x „The Amazing Spider Man“) hat seine Traumfrau Diane Blacker gefunden (CLAIRE FOY). Ihre Hochzeitsreise führt sie 1958 nach Kenia. Er erkrankt an Polio, die Ärzte geben ihm nur noch wenige Monate Lebenszeit. Seine schwangere Ehefrau lässt ihn, der vom Kopf abwärts gelähmt und auf ein Atemgerät angewiesen ist, nach England ausfliegen. Um ihn fortan in  einem Landhaus, gemeinsam mit erfinderischen Freunden und Verwandten, psychisch zu hegen und ihn aufopferungsvoll zu pflegen. Und: er kann mit-ansehen und erleben, wie sein Sohn Jonathan aufwächst. Ein guter Freund der Familie, der exzentrische Oxford-Professor und Amateur-Erfinder Teddy Hall (HUGH BONNEVILLE), vermag für Robert bauliche Hilfsmittel – wie den Plan für einen  Rollstuhl mit eingebautem Beatmungsgerät –  zu entwerfen, so dass Robert schließlich sogar das Bett verlassen und eines Tages auf Reisen fahren kann. Eine medizinische Revolution ist im Gange. Während der sich Robert Cavendish für Verbesserungen bei der Behandlung von an Polio Erkrankten einsetzt. Bücher schreibt, Vorträge hält. Als Botschafter für ein – trotz Erkrankung – mögliches erfülltes Dasein.

Diesen Robert Cavendish hat es wirklich gegeben, er wurde 64 Jahre alt (12.3.1930 – 8.8.1994). Der britische Schauspieler ANDY SERKIS, unvergessen als Gollum/Sméagol in der „Herr der Ringe“-Reihe und in „Der Hobbit“, und ebenso grandios als Führungs-Schimpanse Caesar in den 3 „Planet der Affen“-Filme von 2001/2014/2017, erzählt in seinem Regie-Debüt von den Eltern seines Freundes und Geschäftspartners Jonathan Cavendish. Allerdings: Viel zu schön um wahr zu sein. Obwohl es die Hauptperson „gab“. Doch die überhübschen, sonnendurchfluteten Aufnahmen und diese musikalisch penetrant-seichten Verklärungsklänge verkitschen den Streifen visuell total. Was das dreifache „Oscar“-Kamera-As Robert Richardson („JFK“; „Aviator“; „Hugo Cabret“) zauberhaft-betörend schön färbt, ist einschmeichelnd wie zuviel des guten Bildes. Zudem folgt „diesbezüglich“ auch der gesüßte Inhalt: Von den Mühen und Strapazen einer Pflege ist kaum etwas zu sehen; wie das aufwändige Ganze überhaupt finanziert wird, bleibt im Dunkeln ebenso wie: „geht“ das überhaupt mit dem offenbar „unkomplizierten“ Sexualleben?

Andrew Garfield („Oscar“-Nominierung für „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“/2017) und Claire Foy (noch in „Unsane – Ausgeliefert“ im Kino) sind  – mit viel Mühe-Charme ausgestattet – hübsch-gefangen in diesem emotionalen märchenhaften Triefbad der Gefühle (= 2 PÖNIs).