DAS SCHAFFEN WIR SCHON

„DAS SCHAFFEN WIR SCHON“ von Andreas Arnstedt (B, Co-Produzent + R; D 2016; K: Kyrill Ahlvers; M: Johannes Winde; 90 Minuten); Mensch, wir können es ja doch: So einen kleinen, wirkungsvollen, politisch-spannend-fuchtelnden, hintergründigen Polit-Komödien-B-Filmstreich hinzukriegen. Wer, verdammt nochmal-toll, ist dieser ANDREAS ARNSTEDT? Geboren in Gera, gerade – am 31. August – 51 geworden, als Schauspieler in Film & Fernsehen & auf der Bühne unterwegs, als Regisseur 2009 mit seinem Kinofilm-Debüt „Die Entbehrlichen“ aufgefallen, wie ich gerade lese, und nun mit seinem zweiten eigenen Kinofilm prächtig-satirisch-pfiffig an Bauch UND Kopf knallend. SCHÖN politisch unkorrekt, dabei aber nicht dumm & dämlich, sondern schlitzohrig-glaubhaft sowie pfiffig hantierend. Und: Gerade richtig angesetzt als hübsch-überhöhte Pointe zum gerade laufenden Wahlkampf beziehungsweise zur bevorstehenden Bundestagswahl am 24. September 2017.

Ein TV-Sender; eine populäre Talk-Life-Sendung („6 gegen Neunzig“). Mit arrogantem Moderator und seinem erheblichen Widerlich-Gebahren. Die Quoten stimmen, so darf Frederic Neunzig (CONSTANTIN VON JASCHEROFF) weiter beleidigend öffentlich lauthals provozieren; schließlich hält sich Frederic auch für unantastbar. Der Wahlkampf-, also Parteienvertreter-Zirkus ist in vollem Gange, auch bei bzw. mit ihm, natürlich. Zu einer Gesprächsrunde versammeln sich Partei-Größen wie Cem Özdemir (PATRICK KHATAMI), Andrea Nahles (BARBARA ROMANER), Frauke Petry (LOTTE OHM), Sahra Wagenknecht (ILKA WILLNER) und Peter Altmaier (GÜNTHER Brenner) sowie Horst Seehofer (THOMAS BAUER) und schließlich – als Überraschungsgast – auch Angela Merkel höchstpersönlich (MANUELA BIEDERMANN), um mit den üblichen Bla-Bla-Versprechen Stimmen einzufangen. Für „Stimmungen“ zu werben. Während im Hintergrund die gewitzte Ursula von der Leyen (CLAUDIA GEISLER-BADING) mit höriger Assistentin die parteilichen Strippen zieht, und dann tauchen auch schon mal Putin & Erdogan in der Sendung auf. Dabei fröhlich dreinschauen. Grund: Weil, dort im fernen deutschen Studio, eine Frau Kleinke, Susanne Kleinke (MARIE SCHÖNEBURG), die Polit-Hanseln kurzerhand mit Pistole und Sprenggürtel als Geisel nimmt. Die militante Susanne hat soeben die Kündigung von ihrer Zeitarbeitsfirma bekommen, deshalb die Faxen dicke und erträgt es überhaupt nicht, dass ausgerechnet ihr Firmen-Chef-Schnösel als „Wirtschaftsboss des Jahres“ auch noch öffentlich hofiert wird. Sie, die Susanne aus dem einfachen Volk, will umgehend, also SOFORT, n…ein Rache nicht. Sondern soziale Gerechtigkeit. Bedeutet: das sofortige Grundeinkommen für alle Bürger. Plus doppelte Hartz 4-Anhebung. Damit Mensch menschlich und in Würde leben kann. Falls dies nicht jetzt auf gleich umgesetzt wird, wird der ganze Haufen-hier……. …..liquidiert. Einschließlich Angela.

Wie eine normal-einfache „Putze“ in ein TV-Studio trotz Überprüfung & Sicherheitskräften mit solchem Waffen-Arsenal ‚reinkommt? Genau…..

Was für ein hübsch-wüstes freches Anarchie=Anarcho-Kino. Mit vielen köstlichen wie konsequenten Unverschämtheiten (= etwa, wenn der Susanne-Chef in das Studio-Klo „versenkt“ wird und …..); ohne dass es zu zu-dussligen Übertreibungen kommt. Verbale Scharmützel sind der Wirklichkeit entnommen („Demokratie ist zu anspruchsvoll fürs einfache Volk. Das Volk ist uns wichtig“: Frauke Petry/AfD); entsprechende Ähnlichkeiten mit realen Zuständen und chargierendem Personal sind keineswegs zufällig. Endlich einmal Drauflos-Kino, dass sich weder um Ausgewogenheit, Benehmen, Angepasstheit, Korrektheiten = wie Wir-dürfen-das-doch-nicht-Machen = kümmert, sorgt, sondern listig aus dem vollen Wut-Bauch heraus amüsant-posaunt. Dass es hierbei, bei diesem No-Budget, bisweilen ungeschickt in der Formulierung und Bewegung und Erzählung zugeht, ist wurscht. Die Mitwirkenden zündeln gut, die spannende Wirkung ist stimmig und: sie stimmt propper: Wir machen knalliges, originelles B-Kino mit Spaß und schwarz-komischem Sinn-Unsinn, weil wir es DOCH können (= 4 PÖNIs; absolut geeignet zur momentanen Vorwahlzeit, und danach gleich auch wieder).


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