PÖNIs: (4,5/5)
Es gilt, Gewalt zu ertragen. Sowohl inhaltlich wie charakterlich wie politisch. Hierzulande. Tenor: Beinahe alleine gegen eine Menge. Gemeiner Wüteriche. Männlich wie weiblich. Dieser Film spricht einen drastisch an. Weil er in einer brisanten Art und Weise funkt. Funktioniert. Viele Gedanken besetzt. Mit hohem Wirkungsgrad. Dabei basiert die Grundlage in „STAATSSCHUTZ“ nicht unmittelbar auf einem konkreten Fall oder einer realen Person, ist aber in der Realität verwurzelt. Beinhaltet immer mehr enorme, aufsteigende, begleitende Wut.
FARAZ SHARIAT wurde 1994 im Kölner Stadtteil Porz geboren. Seine Großeltern stammen aus dem Iran. Nach ersten Regie- und Schauspielerarbeiten am Schauspiel Köln begann er 2013 sein Studium der Szenischen Künste an der Universität Hildesheim. Dort entstand – mit Kolleginnen/Kollegen – das zur Durchführung, Konzeption und Realisierung von Spiel-, Dokumentar- und Werbefilmen, Fernsehen und Web geschaffene Filmkollektiv JÜNGLINGE. Nach einem Dokumentarfilm und einigen Kurz- und Werbefilmen drehte Shariat sein autobiografisch geprägtes Spielfilmdebüt „Futur Drei“, das im Februar 2020 im Rahmen der Berlinale seine Premiere hatte. „Futur Drei“ wurde im Rahmen der First Steps Award 2019 als bester abendfüllender Spielfilm ausgezeichnet. Anfang Januar 2020 wurde der Film in die Vorauswahl für den Deutschen Filmpreis aufgenommen. Im Mai 2023 wurde Faraz Shariat Mitglied der European Film Academy. Mit seinem vielfach prämierten Spielfilmregiedebüt „Futur Drei “ hat er sich als eine der couragiertesten und mutigsten Stimmen im deutschen Kino positioniert. Nach verschiedenen TV- und Streaming-Arbeiten meldet er sich nun mit „STAATSSCHUTZ“ auf der Leinwand zurück. Bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale 2026 wurde der Kinofilm gleich dreifach ausgezeichnet: mit dem Heiner-Carow-Preis, dem CICAE ART Cinema Award und dem Panorama Publikums-Preis.
Jetzt ist er als bedeutsamer, wichtiger Kinofilm aktuell gefragt. Als die junge Staatsanwältin Seyo Kim (CHEN EMILIE YAN) ihre erste Stelle antritt, ahnt sie nicht, welchen maroden Strukturen sie schon bald die Stirn bieten muss. Sie überlebt nur knapp einen rassistischen Brandanschlag und entscheidet sich, in diesem Fall selbst zu ermitteln. Doch statt auf engagierte Aufklärung stößt sie in den „eigenen Reihen“ auf eine Mauer des Schweigens: Oberstaatsanwalt Forch (ARND KLAWITTER) bagatellisiert die Tat. Gegen die ausdrückliche Weisung und erbitterten Widerstand der eigenen Behörde nimmt Seyo den Kampf gegen den scheinbar übermächtigen Justizapparat auf. In einem Klima des Misstrauens findet sie in Anwältin Alexandra Tiedemann (JULIA JENTSCH) und ihrer Freundin Ayten Alican (ALEV IRMAK), einer Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft, zwei Verbündete. Unter ständiger Bedrohung kämpft Seyo mit ihnen für die Integrität des Rechts – mit allen Mitteln und nicht nur vor Gericht.
„STAATSSCHUTZ“ beeindruckt durch eine spannungsintensive Inszenierung und die konsequente Bildgestaltung von LOTTA KILIAN. UND: Shariats aufwühlender Film weiß aber durch das intensive Spiel der Newcomerin CHEN EMILIE YAN zu punkten. SCHLIEßLICH: Als es Seyo gelingt, einen Täter vor Gericht zu bringen, ist sie bemüht, ihn als Teil eines rechten Netzwerks zu enttarnen. Hierfür gräbt sie tief in den Archiven ihrer Behörde und rollt lange abgeurteilte „Einzelfälle“ wieder auf. Während ihrer „privaten rechtlichen“ Recherchen muss sie erfahren, was es bedeutet, den Kampf für Gerechtigkeit in einem Staat zu führen, der mit zweierlei Maß wertet und rechte Gewalt nicht nur verharmlost, sondern mitunter sogar deckt.
„STAATSSCHUTZ“ gehört Richtung Jahresende auf die vorderen Plätze der Liste mit den besten deutschen Kinofilmen des Jahres, (= 4 1/2 PÖNIs).
