PÖNIs: (4/5)
EIN BESONDERER FILM. Titel = „SILENT FRIEND“ von ILDIKÓ ENYEDI (B + R; D/Fr/Ungarn 2024; K: Gergely Pálos; Károly Szalai; 145 Minuten; deutscher Kino-Start: 15.01.2026). Was für eine wunderbare Spezialität von Kinofilm! DER – fast ausschließlich – rund um den Alten Botanischen Garten der Universitätsstadt Marburg angesiedelt wurde, dazu spielen kurze Szenen in Paris und Hongkong. Im Zentrum dreier Geschichten, die sich über ein Jahrhundert erstrecken, steht ein Ginkgo, der über diesen Zeitraum hinweg die leisen Rhythmen der Transformation in drei Menschenleben beobachtet hat.
Die drei Geschichten, die am Beginn des 20. Jahrhunderts und den 2020-er Jahren spielen, kreisen um einen 1832 gepflanzten GINKGOBAUM im Botanischen Garten von Marburg, Im Jahr 2020 stellt ein Neurowissenschaftler aus Hongkong, der dort eine Gastprofessur hat und das Gehirn von Babys erforscht, ein Experiment mit dem alten Baum an.
Im Jahr 1972 erfährt der Student Hannes (ENZO BRUMM) infolge des Beobachtens und der Verbindung mit einer Geranie eine tiefgreifende Veränderung. Im Jahr 1908 entdeckt Grete (LUNA WEDLER), die erste Biologiestudentin der Universität, ihre Leidenschaft für die Fotografie. Insbesondere Pflanzen nimmt sie mit ihrer Linse genauer unter die Lupe und entdeckt dabei Erstaunliches, zum Beispiel heilige Muster des Universums, verborgen in der bescheidensten aller Pflanzen.
Regie führte Ildikó Enyedi, die auch das Drehbuch verfasste. Es handelt sich bei „Silent Friend“ um den achten Langfilm der ungarischen Filmemacherin. Zu dem botanischen Garten der Universität, wo der Ginkgobaum steht, erklärte sie, dass ein Ort wie dieser, eine „universitas“ sei, also schon immer Zentrum gewesen sei, im Zusammenhang von freier und grenzenloser menschlicher Neugier und der Wissenschaft. Sie will mit ihrem Film auch auf die Schönheit und die naive, kühne Kraft wissenschaftlicher Forschung aufmerksam machen.
Zu den weiteren Fakten, unter anderen: Der Spielfilm-Hongkong-Chinese TONY LEUNG CHIU-wai spielt den Neurowissenschaftler Tony Wong; die Französin Léa Séydoux die Biologin Alice. Die Dreharbeiten fanden ab Anfang 2024 überwiegend in Marburg statt, wo der Film angesiedelt ist, unter anderem im Alten Botanischen Garten der Philipps-Universität. Für die Aufnahmen des im Zentrum des Films stehenden Ginkgobaums – über ein Jahrhundert hinweg – nutzte man drei verschiedene Bäume. Weitere Aufnahmen entstanden in Köln, Bonn, Düsseldorf und Paris.
Nach ihrem ‚Goldenen-Bären‘-Gewinner „Körper und Seele“ (2017) präsentiert die „Oscar“-nominierte Ildikó Enyedi mit diesem Film ein poetisches Werk entstand über die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze – und die Sehnsucht nach Verbundenheit.
„In den leisen Annäherungen ihrer Figuren entfaltet sich eine berührende Geschichte über Zugehörigkeit, Wandel und die Schönheit des Suchens“ (Pandora Film). „Fast zu schön, um wahr zu sein“ (FAZ online).
UND: LUNA WEDLER („22 Bahnen“), in Venedig als „beste junge Entdeckung“ mit dem „Marcello-Mastroianni-Preis ausgezeichnet, verkörpert in dem Film, mit der Figur der Grete, die erste Frau, die 1908 an der Universität Marburg studierte, ein Sinnbild für Mut, Neugier und die leise Kraft des weiblichen Blicks (= 4 PÖNIs).
