PÖNIs: (4/5)
DIE AUFARBEITUNG. Titel = „NÜRNBERG“ von James Vanderbilt (B + Produktion und R; USA 2024; der Film basiert auf dem Buch „The Nazi and the Psychiatrist von Jack El-Hai/in einer deutschen Übersetzung von Henriette Heise erschien es unter dem Titel „DER NAZI UND DER PSYCHIATER“/2014; K: Dariusz Wolski; M: Brian Tyler; 148 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.05.2026). In den Ruinen einer vom Krieg gezeichneten Stadt erhält der amerikanischen Militärpsychiater Dr. Douglas M. Kelley (RAMI MALEK) einen ungewöhnlichen Auftrag: ER soll die inhaftierten Hauptverantwortlichen des NS-Regimes in Vorbereitung auf die Nürnberger Prozesse untersuchen. Unter ihnen befindet sich der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring (RUSSELL CROWE), dessen Intelligenz, Charisma und manipulative Stärke Kelley gleichermaßen herausfordern wie faszinieren. Trotz anfänglicher verbaler Machtspiele gelingt es dem Arzt, Görings Vertrauen zugewinnen und Einblick in seine Persönlichkeit zu erhalten. Während im Gerichtssaal die Verhandlungen beginnen, fällt es Kelley (1912 – 1958) zunehmend schwerer, die notwendige Distanz zu wahren. „Was macht die Deutschen so anders?“, lässt er einmal im Gespräch mit einem amerikanischen Kameraden fassungslos verlauten.
Die „Oscar“-Preisträger RUSSELL CROWE und RAMI MALEK liefern sich ein nervenaufreibendes psychologisches Duell von packender Intensität. Der spannende und bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzte Politthriller über den folgenreichsten 1. Nürnberger Prozess des 20. Jahrhunderts (vom 20. November 1945 bis zum 1. Oktober 1946) verbindet die Motive eines Justizdramas mit einer vielschichtigen Auseinandersetzung/Konfrontation über Macht, Schuld, Ideologie und Verantwortung.
Zwei exzellente Schauspieler begeben sich aufregend-„maskiert“ in den Gerichtsring. Während Kelley „DAS Hermann Göring-BÖSE“ über die Begegnungen/über die Gespräche zu ergründen sucht um später „darüber“ ein Buch zu schreiben, scheint er zugleich dabei so etwas wie „Freundschaft“ mit Hermann zu schließen; jedenfalls scheint DER „daran“ – „an so etwas“ – zu glauben.
Dabei überragend – der Neuseeländer RUSSELL CROWE (der in der Originalfassung erstaunlich perfekt deutsch spricht): ER spielt „seinen Göring“ „in fesselnder Mischung von wuchtiger Körperlichkeit, Charisma und manipulativer Zwielichtigkeit von Intelligenz, Hochmut und intuitivem Wissen; um die Unerträglichkeit des von ihm Begangenen. „Auch wenn die Beschreibung dieser Beziehung spekulativ bleibt, ist das Geschichtsdrama historisch exakt und setzt originales Bildmaterial effektvoll ein. In dem er aus den historischen Umständen grundsätzliche Fragen über Politik und Moral ableitet, lässt der Film sich auch als generelle Warnung vor Krieg als politischem Mittel verstehen“ („Filmdienst“).
Ein bedeutsamer Kriegsfilm (= 4 PÖNIs).
