PÖNIs: (5/5)
Es gibt Filme / Es werden Filme gemacht, die verblüffen, überraschen, richtig GUT sind. Also unpeinlich-speziell sind. Wie gesagt – völlig verblüffen. Mit solch einem ‚besonderen Streifen‘ haben wir es hier, also bekommen wir es hier kurios zu tun. (Was für ein textlich-verblüffender-augenzwinkernder Einstieg. Um einen FAMILIENFILM, dessen Hauptakteur E I N H U H N ist).
Lassen Sie es mich erklären. Bevor sie – hoffentlich gespannt-angespannt – weiter-lesen.
Der Autoren-Regisseur GYÖRGY PÁLFI ist ein preisgekrönter ungarischer Filmkünstler. Als Absolvent der Akademie für Theater und Film in Budapest ist ER bekannt für seine visuell innovativen und genre-übergreifenden Werke, die internationale Anerkennung gefunden haben. Sein Debüt „Hukkle – Das Dorf“ (2002) machte ihn zu einer besonderen Stimme im zeitgenössischen europäischen Kino, gefolgt von dem kühnen und surrealen Werk „Taxidermia – Friss oder stirb“ (2006) und dem experimentellen Collagefilm „Final Cut: Ladies and Gentlemen“ (2012). Sowie weiteren speziellen, fiktionalen und experimentellen Formen, die die Grenzen des filmischen Erzählens erweitern.
Folgen wir nun aber diesem neuen filmischen Ereignis: In „Lebensansichten eines Huhns“ wirft das universelle Talent György Pálfi ebenso verblüffende wie außerordentliche Blicke auf Schwierigkeiten beziehungsweise Uneindeutigkeiten zwischen Mensch-Tier-Koexistenz. Sein neues Filmwerk erzählt von der geflügelten Abenteuerreise eines kessen Federviehs, das ausbüxt, um von vorne anzufangen. Der tatsächlich, liebevoll und aufwendig realisierte Spielfilm feierte seine Weltpremiere beim Toronto International Filmfestival und seine Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg. Es folgten weitere Festivalstarts in Italien, Brasilien, Japan und Griechenland. Vom Calgary International Film Festival erhielt der Film eine besondere Erwähnung der Jury für „BEST PERFORMANCE by a Fowl“, also die beste darstellerische LEISTUNG EINES GEFLÜGELS.
Statement des Autoren-Regisseurs: „Nach dem Vorbild der grundlegenden Strukturen antiker griechischer Tragödien erzählt mein Film von individuellen Schicksalen und gleichzeitig von einem universellen Problem, das den Kern der gesamten Menschheit ausmacht: Können Individuen von moralischer Verantwortung freigesprochen werden, wenn sie nur passive Teilnehmer sind? In meinem Film habe ich mit der Idee gespielt, was passiert, wenn die menschliche Geschichte nicht im Mittelpunkt steht. Was wäre, wenn wir Menschen nur eine ‚Nebenhandlung‘ in der Geschichte wären?“
GESTATTEN SIE: Am Anfang war das Ei. Oder doch das Huhn? Für die existenziellste aller Fragen bleibt auf einer Hühnerfarm wenig Zeit. Es sind die Zeiten des flauschigen Federviehs, dass es los muss – direkt nach dem Schlüpfen über Fabriklaufbänder und Autobahnen – und nicht selten im Suppentopf endet. Der Zufall will es, dass auf einem griechischen Hühnerhof ein schwarz gefiedertes und besonders kluges Hühnchen eines Tages entschlüpft und loszieht in die große, weite Welt. Nach einem Tankstellen-Rendezvous mit einem hungrigen Fuchs nutzt es eine Mitfahrgelegenheit mit einem LKW. Doch ein Hund verschleppt das renitente Federtier auf den Hinterhof eines heruntergekommenen Restaurants. Dessen alternde Besitzer steht nur scheinbar besser da, denn der Laden läuft nicht mehr; schlecht gelaunte Schmuggler gehen ein und aus. Für das Huhn beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Es beweist sich in der Hühnerstall-Hierarchie, zankt mit Puten, gewinnt das Herz und erschließt neues Terrain auf der Suche nach einem Brutplatz. Dabei stolpert es in die kriminellen Verstrickungen der dort lebenden Familie, die ihrerseits ums Überleben kämpft. Und dabei den Kükenwunsch der unerschrockenen Henne unweigerlich durchkreuzt.
Von Hühnern und Menschen bedeutet: Dieser Film ist ein humorvoller, berührender und sehr genau beobachtender Film über das Tier im Menschen und den Menschen im Tier. Von ihrer manchmal komplizierten Koexistenz erzählt der Regisseur eindringlich und mit einem genialen Kunstgriff, denn die Huhn-Präsentation ist sowohl die emanzipierte Autobiographie einer Körnerpickerin als auch eine sehr originelle Geschichte über das Abenteuer des Erzählens.
ALSO: Eine der umfangreichsten Herausforderungen bei der Produktion war die Entscheidung, mit echten Tieren zu arbeiten und keine CGI oder KI zu verwenden. Dies ist ein Film über Bio-Hüher. Obwohl der Film eine einzige Hauptdarstellerin hat, haben wir mit acht verschiedenen Hennen gearbeitet, die für das menschliche Auge nicht zu unterscheiden sind. Ihre Vorbereitungen auf die Rollen begann Monate vor den Dreharbeiten. Das bedeutet, dass sich die Tiere zunächst an die Anwesenheit von Menschen und die Nähe zu ihnen gewöhnen mussten. Sowie auch – im Verlaufe der Handlung – zu der musikalischen, stimmungsvoll- wunderbaren Begleitung mit dem Ravel-BOLERO. Was für ein Leckerli.
MITTENDRIN : DANN KONNTEN SIE ES ENDLICH STARTEN: DAS FANTASTISCHE HÜHNERISCHE DRAMA. Sensationell. (= 5 PÖNIS ).
