
PÖNIs: (4/5)
„FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS“ von DORIS DÖRRIE (B + R; D 2025/2026; K: Leah Striker; M: Polina Lapkovskaja; Ideal Rani; Hania Rani; 115 Minuten; deutscher Kino-Start: 1.10.2026).Eigentlich typisch deutsch, also tief-traurig auch, dann aber mit viel Mischung von Sentimentalität, Komödienspiel und Tiefgang. DORIS DÖRRIE („Kirschblüten – Hanami“; „Grüsse Aus Fukushima“) aber gelingt dieser Film als ein enormer Wurf. Handelt, erzählt, berichtet über Zuneigung, Verzweiflung und Pflege. UND: Selbstbestimmung ist mit-angesagt.
Wir blicken auf die 80-jährige ehemalige Schauspielerin Frau Winkler (ANGELA WINKLER). Die lebt zurückgezogen und allein. Ihr Ehegatte und einstiger Bühnenpartner Bruno ist verstorben. Tochter Emi (LAURA TONKE) und Enkelin Billie (ZOE BAIER) leben mit der mal zickigen, mal aufsässigen, mal ziemlich mutlosen Frau Winkler. Dann zeigt sich das Alter. Als Emi ein Theaterengagement bekommt und ihre Mutter nach einem häuslichen Unfall auf intensive Hilfe angewiesen ist, übernimmt ein Pflegeroboter die Betreuung, weil die finanziellen Mittel für einen Platz in einem Pflegeheim oder für Heim-Pflege nicht ausreichen. Roboter, so erfahren wir bei diesem in naher Zukunft angesiedelten Altersabenteuer, sind inzwischen ganz normale Lebensbegleiter, ackern zum Beispiel als Servicekraft im Restaurant oder als Hunderoboter für Frauchen. Doch bei Frau Winkler erweist sich der „verpflichtete“ Roboter als auch „schwierig“. Und genau so umgekehrt, denn die Winklersche steht ihrem technischen Roboter erst einmal reichlich skeptisch gegenüber. Sie nennt ihn Pawlowitsch, weil ER in der Lage ist, Tschechow stimmklar aufzusagen. Die Zuneigung zwischen den beiden funktioniert mehr und mehr. Mit Pawlowitsch vermag Frau Winkler inzwischen über alles sprechen, auch über den Verlust ihres Gatten, über ihre Dauer-Trauer und schließlich über den eigenen „bevorstehenden“ Tod („ER ist mehr als ein Mensch“).
Frau Winkler erkennt die „Chance“, dass ihr dieser Roboter beim Demnächst-Sterben, vielleicht, assistieren könnte.
Fazit: „FRAU WINKLER VERLÄSST DAS HAUS“ weiß um d i e Frage – wie ist das eigentlich zwischen Maschine, Mensch, Menschlichkeit angelegt?
Und: Der Film ist zudem eine Verbeugung vor der Schauspielkunst und einer Ikone; grandios ANGELA WINKLER & DORIS DÖRRIE. (= 4 PÖNIs).
