Crossroads DVD-Kritik

CROSSROADS“ von Walter Hill (USA 1986; 99 Minuten; Video-Veröffentlichung: 18.08.1987; DVD-Veröffentlichung: 13.09.2007); er ist ein vielseitiger Künstler, der sich sowohl auf heiße Action-Stories (“Nur 48 Stunden“) als auch auf temperamentvolle Komödien (“Brewster‘s Millions“) und aufregende Polit-Parabeln (“Southern Comfort – Die letzten Amerikaner“) erfolgreich einließ. Walter Hill gilt heute in Hollywood als einer der eigenwilligsten, interessantesten Genre-Handwerker, dessen Filme nicht nur Abenteuergeschichten erzählen, sondern auch amerikanische Mythen beschreiben, die er in oftmals faszinierende Bilder umzusetzen versteht. Dabei zieht sich das Thema des Westerns, die Magie der Waffe, die Freiheit des Outlaws und das Gesetz von Eroberung und Flucht, durch alle Arbeiten des Autoren und Regisseurs, des Produzenten und Musikliebhabers. 1983 schuf er mit “Streets Of Fire – Straßen in Flammen“ eine Rock ‘n‘ Roll-Fantasy, die heute Kultstatus besitzt.
Mit “Crossroads“ begibt er sich erneut auf einen musikalischen Trip. Seine ‘Waffen‘ sind diesmal die Gitarre und die Mundharmonika, angesagt ist ein Trip in den Blues, die ureigenste Musik der Schwarzen.

Ein junger, fanatischer Gitarrist (Ralph Macchio) will unbedingt einem verschollenen Song des einstmals berühmten “King of Delta Blues“ Robert Johnson nachspüren. Der produzierte vor rund 50 Jahren in einem kleinen Studio in San Antonio angeblich 30 Songs, von denen 29 veröffentlicht wurden. Eugene Marton, so heißt der junge Bursche, ist besessen von der Idee, als erster und bislang einziger diesen unbekannten Song zu finden und zu spielen. Bei seinen Recherchen trifft er auf einen ehemaligen Weggefährten Johnsons, den alten Willie Brown (Joe Seneca). Der siecht in einem New Yorker Altersheim vor sich hin, hat mit der Welt schon abgeschlossen und will folglich anfangs von dem draufgängerischen, hartnäckigen Typ nichts wissen. Erst als Eugene zusagt
ihn hier rauszuholen, verspricht er Mithilfe. Eine Hand wäscht die andere, und so begeben sich der junge Weiße und der alte Schwarze auf einen außergewöhnlichen Trip quer durch den Süden der Vereinigten Staaten in Richtung Mississippi. Dort verloren sich vor
Jahrzehnten die Spuren jenes berühmten Blues-Man. Für das ungleiche Paar beginnt eine abenteuerliche Reise, bei der Eugene am eigenen Leib und oft schmerzhaft zu spüren bekommt, dass Blues sehr viel mehr als nur irgendein Musikstil ist. Blues ist eine Lebenseinstellung. Mehr als einmal bestimmt sein Rhythmus ihren Weg, den die Ausreißerin Frances (Jami Gertz) kreuzt und dadurch nicht einfacher macht. Am Ziel ihrer Unternehmung muss Eugene aber noch einer anderen Tatsache ins gefährliche Auge sehen: Willie Brown ist keineswegs uneigennützig mitgekommen, vielmehr hat er noch eine satanische Rechnung offen. Eugene muss nun beweisen, ob er etwas begriffen hat und den Blues nicht nur ‘spielen“ kann. Ein teuflisches Duell mit den Instrumenten beendet eine außergewöhnliche Partnerschaft.

Der zunächst hierzulande nur auf Video herausgekommene Film hinterlässt zwiespältige Gefühle. Einerseits vermitteln Hill und sein Hauskomponist Ry Cooder viel von der balladenhaften, melancholischen Stimmung des Blues. Es ist d e r moderne Blues – Film überhaupt. Andererseits ist Ralph Macchio, der “Karate Kid“, eine glatte Fehlbesetzung. Der ewige Teenie ist in keinem Moment jener leidenschaftliche junge Musiker, der sein Leben ändert, um einem
Song nachzujagen. Macchio mimt dermaßen kindisch und inspirationslos, dass Joe Seneca ihn nicht nur von der Story her mächtig austrickst. Das faule Arrangement, dass Hill eingehen musste, um diesen Film machen zu können, eine populäre Kids – Figur des amerikanischen Kinos einzubauen, sorgt dafür, dass man sich nie recht wohlfühlt bei diesem ungewöhnlich
elegischen, poetischen Film des sonstigen Hau-Drauf-Spezialisten. Bei dem man manchmal die Augen zumachen kann und dennoch nichts versäumt, ganz im Gegenteil.

Anbieter: “ Sony Pictures Home Entertainment“