Bourne Kritiken

DIE BOURNE IDENTITÄT“ von Doug Liman (USA/D/Tschechien 2001; B: Tony Gilroy, W. Blake Herron; nach dem gleichn. Roman von Robert Ludlum/1980; K: Oliver Wood; M: John Powell, Moby; 118 Minuten; Start D: 26.09.2002); der Roman von Robert Ludlum ist ein Spionage-Thriller, der während der Kalten Kriegs-Zeit angesiedelt ist, der Film übernimmt die Roman-Struktur, spielt aber im Heute. „Die Russen“ sind nicht mehr der Feind, sondern der amerikanische Geheimdienst CIA selbst. Und im Vergleich zur ersten, 177minütigen (TV-)Film-Adaption aus dem Jahr 1988, „Agent ohne Namen“, mit Richard Chamberlain in der Hauptrolle – deutsche Erstveröffentlichung am 18.8.1988 auf Video -, wurde bei dieser 60 Millionen Dollar-Produktion (= weltweites Einspielergebnis: mehr als 214 Millionen Dollar) die Jason Bourne-Figur über MATT DAMON erheblich verjüngt und die Geschichte der technischen und politischen Entwicklung des neuen Jahrhunderts angepasst.

Ein Mann ohne Gedächtnis. Wurde bewusstlos von italienischen Fischern aus dem Mittelmeer „gefischt“. Er hat zwei Geschosse im Rücken und ein Laser-Implantat im Rücken. Mit der Nummer eines Schweizers Bankschließfachs. Auf der Suche nach seiner Identität findet er in Zürich in diesem Bankschließfach eine Waffe, ein halbes Dutzend gefälschter Reisepässe und in großen Mengen Geld verschiedener Währungen. Im ersten Pass, den er aufschlägt, steht der Name Jason Bourne. Doch „man“ ist auf ihn „aufmerksam“ geworden. Wie sich herausstellt, vom CIA, denn offensichtlich ist oder war er einer der Ihren. Als „gefährliches Werkzeug“, als menschliche und sehr gut trainierte Kampf-Maschine.

Jason spricht mehrere Sprachen, beherrscht Kampfsportarten perfekt, ist so etwas wie ein intelligenter „Rambo“. Begegnet auf seinem „Recherche-Weg“ der Deutschen Marie (FRANKA POTENTE), die zur Helferin und Freundin in der Not wird. Denn die CIA-Jäger kommen immer näher, aber Jason Bourne kann sich ihnen erwehren. Bis er schließlich versteht: Er war Teil einer streng geheimen Operation der CIA, des sogenannten „Treadstone Projekts“, bei dem es darum geht, als „amtlicher“ professioneller US-Killer weltweit „Aufträge“ auszuführen.

Ein spannender Popcorn-Thriller. Weniger an Logik und mehr am unterhaltsamen „WIE“ interessiert; am Know How des Solisten gegen das ganze verdammte System. MATT DAMON, Jahrgang 1970, Drehbuch-„Oscar“-Preisträger für „Good Will Hunting“ und neulich als „Der talentierte Mr. Ripley“ (nach Patricia Highsmith) unterwegs, ist der sportive Held auf der Suche nach Sich-Selbst. FRANKA POTENTE, als „Lola rennt“ bekannt geworden und neulich in „Blow“ aufgetreten (neben Johnny Depp), besteht die Herausforderung der 1. Hauptrolle in einer (überwiegenden) US-Produktion, zeigt sich angenehm cool mitmischend.

„Die Bourne Identität“ ist der klasse Power-Start zu einem Kinoserien-Giganten (= 4 PÖNIs).

DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG“ von Paul Greengrass (USA/D 2004; B: Tony Gilroy; K: Oliver Wood, M: John Powell; 108 Minuten; Start D: 21.10.2004)

„Die Bourne Identität“ hieß 1980 ein Roman des US-Amerikanischen Schriftstellers ROBERT LUDLUM, der zum Bestseller wurde. Zwei weitere Roman-Abenteuer mit dem Ex-Geheimagenten Jason Bourne folgten. Die Erstverfilmung entstand 1988 fürs amerikanische Fernsehen. In der Hauptrolle: Richard Chamberlain. 2001 entstand dann die gleichnamige Leinwand-Adaption. Mit Hollywoods Nachwuchsstar MATT DAMON in der Rolle des „intelligenten Rambo“, der mehrere Sprachen spricht und einige Kampfsportarten perfekt beherrscht. Als seine Partnerin wurde damals FRANKA POTENTE in ihrer ersten Hollywood-Rolle vielgelobt. Nach dem weltweiten Kinoerfolg wurde die Fortsetzung gedreht: „DIE BOURNE-VERSCHWÖRUNG“. In den USA war dieser erneut mit MATT DAMON hauptrollenbesetzte Thriller noch erfolgreicher als sein Vorgänger.

Er ist also zurück: JASON BOURNE. Als „Der Mann ohne Gedächtnis“ lernten wir ihn vor 2 Jahren in dem Film „Die Bourne-Identität“ erstmals auf der Leinwand kennen. Damals wurde er schwerverletzt aus dem Meer gefischt, konnte sich an nichts mehr erinnern und begab sich auf Spurensuche. Privat wie beruflich. Und „entdeckte sich“ als professionell ausgebildet und bestens trainierter CIA-Agent. Der im Auftrage seiner Vorgesetzten illegale, tödliche Aufträge ausführte. Als dabei eine Aktion aus dem Ruder lief, brauchte man ihn als Sündenbock. Und wollte ihn liquidieren. Heute hat er sich mit seiner, deutschen Freundin Marie an die Küste Indiens, nach Gora, zurückgezogen. Hofft, dort unbehelligt zu bleiben.
Doch: DIE ALPTRÄUME an seine Vergangenheit sind geblieben. Jason Bourne hat seine KOMPLETTE Biographie und Identität immer noch nicht gefunden. Und schließlich holt ihn die dunkle Vergangenheit doch wieder ein. Ein russischer Killer taucht auf, Marie kommt ums Leben, und Jason kehrt allein in die globale Welt der Schurken und Mächtigen zurück. Über Neapel kommt er in die alte-neue Agenten-Metropole BERLIN. Doch jetzt ist ER es, der das mörderische Spiel um Korruption, Macht und Rache dirigiert

Der neue Kinofilm „Die Bourne Verschwörung“ ist nichts für schwache Nerven. Ist RHYTHMUS-PUR: extrem schnelle Schnitte, eine geradezu SPEKTAKULÄR-DRAUFGÄNGERISCHE Kamera und EXZELLENT CHOREOGRAPHIERTE Action-Szenen. Der Film ist ACTION vom allerfeinsten, ähnlich wie der gute alte Rock’n Roll: Wunderbares Kribbeln, eine tolle Erregung. Da bebt der Kinosessel!!! Matt Damon ist 007 von 2004, ohne Späßchen, ohne Mätzchen und ohne Allüren.

„Die Bourne Verschwörung“ ist einfach ein HAMMER von einem Thriller (5 PÖNIs)!!!

DAS BOURNE-ULTIMATUM“ von Paul Greengrass (USA/D/GB 2007; B: Tony Gilroy, Scott Z. Burns, George Nolfi; K: Oliver Wood, M: John Powell; 111 Minuten, Start D: 06.09.2007); einem „spannenden“ britischen Regisseur, der sich inzwischen durch Filme wie „Bloody Sunday“ („Goldener Berlinale Bär“ von 2002), dem zweiten Jason-Bourne-Erfolgsfilm „Die Bourne-Verschwörung (2004) sowie zuletzt mit dem dokumentarischen 9/11-Spielfilm „Flug 93“ (2006) einen hervorragenden Filmemacher-Namen erworben hat. Die BOURNE-Story, erdacht und geschrieben (zunächst zu „besten“ Kalte-Kriegs-Zeiten“) vom amerikanischen Schriftsteller ROBERT LUDLUM (1927-2001): 1980 erschien „The Bourne Identity“/deutscher Buch-Titel: „Der Borowski-Betrug“; 1986 kam „The Bourne Supremacy“/“Die Borowski-Herrschaft“ heraus; 1990 folgte „The Bourne Ultimatum“/“Das Borowski-Ultimatum“. (Übrigens: ALLE 22 der zu Lebzeiten veröffentlichten Bücher von Robert Ludlum landeten auf dem 1. Platz der „New York Times“-Bestsellerlisten. Weltweit wurden bisher über 210 Millionen Exemplare seiner Thriller verkauft und in 32 Sprachen übersetzt). In seinen Spannungsromanen greift Ludlum immer wieder ein Thema auf: Den Kampf des Einzelnen gegen anscheinend übermächtige, kaum zu fassende, weltweit operierende Organisationen.

Die erste „Bourne“-Verfilmung entstand 1988 in Form einer TV-Mini-Serie, mit RICHARD CHAMBERLAIN als Jason Bourne. 2002 folgte dann die 60 Millionen-Dollar teure Hollywood-Produktion „DIE BOURNE-IDENTITÄT, als Co-Produktion USA/D/Schweiz/Tschechien/Fr, die weltweit mehr als 213 Mio. Dollar einspielte. Regisseur war Doug Liman, Hauptdarsteller: Der 32jährige „Oscar“-Preisträger MATT DAMON (für das Original-Drehbuch zu „Good Will Hunting“/gemeinsam mit Ben Affleck/1997). 2004 folgte „DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG“, als Co-Produktion USA/D, mit dem Regisseur Paul Greengrass und wieder mit Matt Damon-Jason Bourne. Über 250 Mio. Dollar weltweite Einnahmen standen am Ende unterm dem Kassen-Strich. Nun also, als 138 Mio. Dollar-Produktion, Teil 3. Wieder begibt sich der CIA-Killer Jason Bourne auf die Suche nach seiner Identität, Wieder geht es um den halben Erdball (Moskau/London/Paris/Madrid/Tanger, aber auch New York…); wieder werden die Regeln der Physik und der Medizin außer Acht gelassen/außer Kraft gesetzt; Überwachungskameras überall, nur Jason stolziert fast unbehelligt durch die Welt, kann sogar schließlich ins CIA-Büro einbrechen. Zwischendurch immer mal wieder Action-Fights, die Jason natürlich locker gut übersteht, währenddessen ihm offenbar unbegrenzte Geldmittel sowie allerorten sämtliche Schlüssel für Haus, Hof und Büro immer zur Verfügung stehen.

Waren die ersten beiden Teile „echte“ Spannungskracher, sorgt hier eine UNUNTERBROCHENE Wackel-Hand-Kamera für den ersten KOPFSCHMERZ-Film der Filmgeschichte: Die Kamera HÄMMERT/DRISCHT permanent auf den Zuschauer ein, dass es kein Vergnügen, sondern nur noch Stress ist. Ein MIGRÄNE-Thriller um hypergeheime CIA-Verschwörer (GROSSartig: DAVID STRATHAIRN/“Good Night, and Good Luck“) und schließlich ALBERT FINNEY als modernen „Dr. Frankenstein“, der Jason zu dem schuf/zu der Killer-Figur manipulierte, die er dann auch wurde. Überwachungs-Paranoia in Reinkultur; Logik-Löcher, insgesamt so GROSS wie das Ozon-Loch; hysterische, nervöse Dauer-Verfolgung; diese Endlos-Schleife von Kamera-Sekunden-Gewackel; es dröhnt, zischt, schreit…; zudem sollte man sich im bisherigen Film-Stoff von Teil 1 und – vor allem – von Teil 2 gut auskennen, um überhaupt halbwegs handlungsmäßig mithalten zu wollen.

Nein, nein, Jason erweist sich nun doch nicht als Bond-Alternative, sondern nur als ewig herumturnender Rache-Melancholiker-Engel mit gewissem Charme, Präsenz, aber auch viel „technischem“ Leerlauf-Schmackes (= 2 ½ PÖNIs).

DAS BOURNE VERMÄCHTNIS“ von Tony Gilroy (Co-B+R; USA 2011/2012; Co-B: Dan Gilroy; inspiriert von der „Bourne“-Romanreihe von Robert Ludlum, nach Motiven des gleichn. Roman von Eric Van Lustbader; K: Robert Elswitt; M: James Newton Howard; 135 Minuten; Start D: 13.09.2012); besser ist es, die Vorläufer zu kennen: „Die Bourne Identität“ (2002), „Die Bourne Verschwörung“ (2004) sowie „Das Bourne Ultimatum“ (2007). Zu Hintergründen, Figuren, Entwicklungen verweise ich auf meine dortigen Kritik-Texte. Nach dem Tod des „Bourne“-Autoren Robert Ludlum (1927 – 2001) übernahm es der amerikanische Fantasy- und Thriller-Autor ERIC VAN LUSTBADER, Jahrgang 1946, die so erfolgreiche Bourne-Serie fortzuschreiben, zunächst basierend auf unveröffentlichtem Material Ludlums. Der erste Nach-Ludlum-Roman hieß „The Bourne Legacy“ / „Das Bourne Vermächtnis“ und erschien 2004. Und bildet jetzt den Anfang einer weiteren Bourne-Trilogie.

Der am 11. September 1956 in New York geborene Produzent und Drehbuch-Autor TONY GILROY war als Drehbuch-Verfasser oder Drehbuch-Co-Autor an allen drei Vorläufern beteiligt. Seit 2007 ist Tony Gilroy auch als Regisseur tätig. Und setzte gleich mit seinem Regie-Debüt „MICHAEL CLAYTON“ neue intelligente Spannungsmaßstäbe; „Michael Clayton“, mit George Clooney in der Titelrolle, wurde weltweit „hoch“ gehandelt, bekam „Oscar“-Nominierungen, und für die faszinierende Nebenakteurin Tilda Swinton gab es die „Oscar“-Trophäe“. „Duplicity – Gemeinsame Geheimsache“, mit Clive Owen, Julia Roberts, Tom Wilkinson und Paul Giamatti war 2009 der zweite raffinierte Spannungsstreich von Tony Gilroy. Dessen Genre-Werk jetzt mit der Fortführung einer der erfolgreichsten Filmserien überhaupt (mit rd. 1 Milliarde Dollar Einnahmen weltweit) geadelt wird.

Zur Erinnerung: Die USA sind seit den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 „außer Rand und Band“. Von wegen Sicherheit, Sicherheitsparanoia, gemischt mit Hysterie und Verfolgungswahn. Die Gier nach „verbesserten einheimischen Kriegern“ ist enorm. Waren über Jahrzehnte CIA und FBI die wahren – und einzigen – Staatsbeschützer, so haben sich längst und jenseits öffentlicher Sichtweite „weitere staatliche Sektionen“ gebildet. Etabliert. Die vor allem das Eine im Ziel-Auge haben – noch „perfektere“ Agenten auszubilden. Besser – „herzustellen“. Willfähige Soldaten. Mit mehr Energiereserven, einer höheren Schmerztoleranz und weniger Schlafbedürfnis. Sozusagen, es wird permanent an einem endlich perfekten Agenten „gebastelt“, der schneller heilt, schneller lernt und schneller Informationen verarbeitet. Also schneller begreift. Unverzüglich alles mitbekommt. Aufnimmt. Umsetzt. Umzusetzen versteht. Ohne Fragen zu stellen. Dabei sitzen Behörden, Pharmaindustrie und Medizinforschung gemeinsam im Agentenerschaffungs-Boot.

JASON BOURNE war solch ein „hergestellter“ Kämpfer. Über das sogenannte „Treadstone-Programm“ wurde er „geschaffen“. Pech nur für die Verantwortlichen, dass Jason irgendwann mal „Gedanken bekam“. Wissen wollte, wer er eigentlich ist und wofür er „gebraucht/gehandelt“ wird. Jason lief also voll aus dem Hochtechnik-Ruder und geriet in die brutale Schusslinie seiner Erschaffer. Beziehungsweise von deren Helfershelfer. Zuletzt aber konnte er mit dafür sorgen, dass diese illegalen Regierungs-Machenschaften und mörderischen Aktivitäten öffentlich wurden. Danach verschwand er. Für immer? Am Anfang von „Das Bourne Vermächtnis“ ist die Rede davon, dass Jason Bourne lebt. Und sich in New York aufhalten soll. Und, wir erfahren: Das „Treadstone-Programm“ existiert nun nicht mehr. Wurde aufgelöst. Doch „Treadstone“ war nur der Anfang. Für längst „höhere“, längst ebenfalls aktive Programme. Die nun durch die Enttarnung von „Treadstone“ in Gefahr geraten, ebenfalls bekannt zu werden. Wie ein Programm namens „Outcome“. Deshalb wagt sich jetzt Colonel Eric Byer (EDWARD NORTON), Direktor der Geheimorganisation NRAG (National Research Array Group), aus seiner Deckung. Anders als die Treadstone-Agenten wurden die Outcome-Agenten für Einsätze des Verteidigungsministeriums entwickelt. Und trainiert. Sie sind also mehr als nur Auftragskiller (wie Jason Bourne), sie wurden erschaffen, um in isolierten, hochriskanten und langfristigen Spionagemissionen eingesetzt zu werden. Und: Die Verhaltensforschung, die als Basis der Treadstone-Agenten angewendet wurde, ist inzwischen weit fortgeschritten. SEHR weit fortgeschritten. Es wird jetzt mit „simplen Farbpillen“ gearbeitet, um diese „staatlichen Menschen-Maschinen“ „bei Laune“ zu halten. Ruhig zu stellen. Und gegebenenfalls sofort „patriotisch hochzufahren“. Doch beide Programme gehen halt auf den gleichen Ursprung zurück. Man könnte DEM also jetzt auf die Schliche kommen. Spuren „davon“ entdecken. Und genauso wie „Treadstone“ öffentlich bekannt machen. Also ordnet Colonel Byer die Vernichtung/Zerstörung des „Outcome“-Universums an. Jeder, der hieran „draußen“ mitgewirkt hat, soll unverzüglich vernichtet werden. Schnell und vor allem „ruhig“. Aber auch „intern“ sind „Lösungen“ vorgesehen. Denn auch die „unwissenden“ Wissenschaftler bilden natürlich letztendlich Risiken. Sind „Gefahrenpotenzial“. Für die Mächtigen. Wie zum Beispiel Dr. Marta Shearing (RACHEL WEISZ), die einen hochdotierten Labor-Job innehat und sich nun von einem plötzlich schießwütigen Kollegen attackiert sieht. Marke: Die Forschung „frisst“ ihre Kinder. Auf.

Von all dem bekommt Aaron Cross (JEREMY RENNER) – noch – nichts mit. Fernab der Zivilisation trainiert der Abkömmling aus dem Outcome-Zirkel im eisigen Alaska. Erweist sich als überlebensfähiger „harter Hund“. Als gestandener Survival-Typ, der sogar mit Wölfen „nützlich“ umzugehen weiß. Nähert sich „dabei“ mehr und mehr „seinen Erschaffern“. DIE ihn natürlich längst „über den Jordan“ sehen. Wollen. Und natürlich aufgebracht sind, als dies nicht gelingt. Gelingen will. Denn ähnlich wie bei Jason Bourne haben SIE IHN ja gerade mit den Fähigkeiten „erbaut“, ausgestattet, mit denen er sich jetzt zur Überlebenswehr setzt. In seinem Schlepptau dann auch: Die völlig aufgelöste Frau Doktor, die lange nicht weiß, wem sie überhaupt noch trauen kann, vertrauen darf. Während im großräumigen Hintergrund die weltweit vernetzten Mächtigen alles daran setzen, diese letzten verbliebenen „Outcome“-Aktivsten endgültig auszuschalten.

Tony Gilroy lässt sich herrlich Zeit. Packt nicht gleich „vieles“ in die erste Stunde, sondern hält die Spannung durch rätselhafte Bewegungen immens hoch. Wer ist wer, irritierende Ortswechsel, der faszinierende technische Zinnober. Als verlockendes, überraschendes Warm-Up. Bei dem Entsprechendes erst einmal angegangen, stimmungsvoll entwickelt werden will. Gilroy belästigt dabei nicht mit diesen Zitter-Bildern eines Paul Greengrass, wie zuletzt in „Das Bourne Ultimatum“, sondern signalisiert Suspense mit Köpfchen. Tiefe. Zusammenhänge. Und lässt erst nach einer Dreiviertelstunde Aaron Cross „reifen“. Eine köstliche Thriller-Overtüre. In der die Gegner ihre Positionen andauernd wechseln. Müssen. Um dann „loszulegen“. Nicht blindwütig, dauer-ballernd, sondern mit logischer Action-Erkenntnis. Und mit viel Power-List.

JEREMY RENNER, 41, aus Modesto/Kalifornien stammend, hatte eindrucksvolle, „oscar“-nominierte Auftritte in den Filmen „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (2009) sowie „The Town – Stadt ohne Gnade“ (2010). In den Comic-Movies „Thor“ und „Marvel’s The Avengers“ war er zuletzt der Bogenschützen-King „Hawkeye“. Als Aaron Cross ist er KEIN Jason Bourne-Ersatz. Sondern ein anfangs stark verunsicherter wie dann ein mehr und mehr selbstbewusster, interessanter, starker Typ Kämpfer. Mit DEM gespielt wird, der aber keine Schachfigur mehr sein will. Jeremy Renner als charismatischer, wütender Aaron Cross tritt wie der jüngere Soft-Bruder von OO7 James Bond Daniel Craig eingangs auf. Und an. Nicht großkotzig, brutal-blind, sondern sich erst und lange vehement wehren müssend. Weil er immer mehr attackiert wird. Als menschlicher „Systemfehler“. Um dann natürlich selber anzugreifen. Dem Höllen-Spuk ein Ende zu bereiten. Als er schließlich im Moloch Manila in die Enge getrieben wird, vermag er sich, unterstützt von Marta, phantastisch zu wehren. Zu behaupten. (Diese grandiose viertelstündige Action-Sequenz besitzt den klassischen Radau-Charme von „Bullitt“ und die heiße Jagd-Faszination von „French Connection“). Währenddessen „DIE OBEN“ mit ihrer gigantischen Überwachungs- und Kontroll-Technik einem „Großen Bruder“ aus dem George Orwell-Roman „1984“ alle widerliche Zeit-Ehre machen. Und mit Star-„Vertretern“ wie EDWARD NORTON, dem guten alten STACY KEACH („Fat City“/1972) und mit dem beeindruckend cholerischen DENNIS BOUTSIKARIS als Mr. Ward, einem „verwunderten“ Lobbyisten der Pharmaindustrie, sowie mit dem alteingesessenen Bourne-Altkader, bestehend aus Joan Allen, Albert Finney, David Straihairn und Scott Glen, in Kurzauftritten ausdrucksvoll besetzt sind.

Der Anfang der weiteren Bourne-Trilogie jedenfalls ist vollauf geglückt. In Gedanken, Figuren, Optik. In den inneren wie physischen Bewegungen. In den brillanten Action-Motiven. Als atmosphärische, faszinierende Dauerspannung. James Bond hat in und mit „Bourne“ wieder eine exzellente Agenten-Konkurrenz (= 4 PÖNIs).

Link für Pöni TV „JASON BOURNE“ von Paul Greengrass (Co-B, Co-Produzent + R; USA 2015/2016; Co-B: Christopher Rouse; K: Barry Ackroyd; SCHNITT: CHRISTOPHER ROUSE; M: John Powell, David Buckley; 123 Minuten; Start D: 11.08.2016); Es ist einmal: kein fiktionales, sondern ein real stinkendes Märchen: Anfangs wollte er nur einfach spielen. Das liebe, neugierige, begabte Garagen-Kind. Dann merkte es, wie geil die ganze Welt auf sein erfundenes Spielzeug reagierte. Und dass sich mit Computer, Internet und Facebook Abermillionen von Dollar machen ließen. Hei, welch ein profitabler Spaß. Für offensichtlich alle. Denn alle profitierten doch von seinen Immer-mehr-Entdeckungen. Schließlich merkte auch die Regierung, was sich mit dieser riesigen, offenbar unendlichen Technik noch alles anstellen lässt. Und arrangierte sich mit dem kindlichen Genie. Du stellst mir, ganz staats-loyal und geheim, deine Erfindungen ständig zur Verfügung, und ich gebe dir viel Money und meinen amtlichen Schutz. Doch nun, nach Jahren, will das reifere Kind nicht mehr patriotisch sein. Hat genügend Geld eingenommen und verweigert Väterchen Staat, in Figuren-Gestalt des allmächtigen CIA-Direktors Robert Dewey (TOMMY LEE JONES), das neue, „sensationelle“, also noch besser und vielfältiger einsatzfähige technische Gerät. Schließlich soll nun die Hersteller-Maxime lauten: Die Kontrolle, die Überwachung des privaten Menschen, bleibt tabu. Unangetastet. Als ob dies noch möglich oder überhaupt im Interesse der Regierung wäre. Sie benutzt längst das viele „Zauber“-Material des ehemaligen Kindes namens Aaron Kalloor (RIZ AHMED), um weltweit alles, alle und jeden „sehen“, entdecken zu können. Um immer und rechtzeitig „die Übersicht“ zu haben. Um entsprechend „reagieren“ zu können, falls ihr etwas nicht in den Kram passt. In diesem ur-amerikanischen Spiel: Wir sind und bleiben die Nr.1-Entscheider auf diesem Planeten. Wir sind stärker und besser. In Sachen Ausstattung. Und Ausführung.

Der zweite, stark mithallende Konflikt in diesem fünften Werk der Jason Bourne-Thriller-Reihe. Als da waren: „Die Bourne Identität“ von Doug Liman (= hier Mit-Produzent) aus dem Jahr 2002 (s. Kino-KRITIK); „Die Bourne Verschwörung“ von Paul Greengrass/2004 (s. Kino-KRITIK = 5 PÖNIs); „Das Bourne Ultimatum“ von Paul Greengrass/2007(s. Kino-KRITIK) sowie „Das Bourne Vermächtnis“ von Tony Gilroy/2012 (s. Kino-KRITIK) mit Jeremy Renner als Aaron Cross-„Quasi-Bourne“. Nun ist der britische Autor und Regisseur PAUL GREENGRASS, am kommenden Sonntag wird er 61 (= 13. August 2016), in die Spielleitungsführung zurückgekehrt und bestätigt einen weiteren furiosen Action-Kracher „mit Köpfchen“. In dem Jason Bourne, alias MATT DAMON, inzwischen 45, sich wieder viel und schnell durch die Welt-Räume (wie Griechenland, Italien, London, Berlin, Las Vegas) bewegen und harte Attacken überstehen muss. Denn der aktuelle CIA-Boss Robert Dewey (das Knattergesicht Tommy Lee Jones in einer „Oscar“-Paraderolle) hat ihn für „vogelfrei“ erklärt. Bournes Wissen über die CIA-Killerprogramme und mögliche diesbezügliche Netz-Veröffentlichungen könnten für viele – Entscheider wie Handlanger – im demokratischen USA-Amerika, höchst unangenehm sein. Doch Jason ist kein Snowden, dessen Name des Öfteren fällt, sondern weiterhin ein Amnesie-Fighter, der endlich herausbekommen will, was einst mit ihm passierte und warum damals sein Vater vor seinen Augen durch eine Autobombe umgebracht wurde. Deshalb wird er wieder gnadenlos gejagt. Per Bild und durch Killer. Und durch Asset (VINCENT CASSEL), einen brutalen Profi-Mörder, den Dewey extra auf Bourne angesetzt hat, weil dieser mit Jason noch eine böse alte Rechnung offen hat. Leichen pflastern dessen Weg.

Die neue Assistentin des CIA-Chefs, Heather Lee (ALICIA VIKANDER), betrachtet die Anordnungen ihres Vorgesetzten, anders. Kritischer. Und emotionaler. Sie hilft Bourne in einigen heiklen Momenten und hat offensichtlich die Absicht, die ihrer Meinung nach „überholten“, entmenschlichten Methoden vom alten Robert Dewey auszuhebeln. Um das Aggressions-Fieber in der CIA-Zentrale in Langley herunterzufahren. Natürlich könnte ein Erfolg sie „nach oben“ und Jason Bourne vielleicht dorthin zurück, also „nach Hause“, bringen. Nebenbei gedacht. Fazit:

1.) Eine überschaubare Jagd-Story. Die natürlich mit den filmischen Bourne-Erlebnissen zuvor zu tun hat. Bourne hat kaum etwas Längeres (mit seiner deutschen Stimme von Simon Jäger) zu sagen und darf seine Matt Damon-Sportlichkeit und dessen Charisma unter hammerharten Beweis stellen: Die Duelle sind heiß choreographiert. Matt Damon mit bondiger Daniel Craig-Ausstrahlung. Knochentrocken. Der ganze physische Kerl; doch ebenso packend dabei:

2.) der politische wie gesellschaftliche Gedanke, siehe oben, zum Text-Anfang. Wer (zu-)hören kann, merkt auf. Der Zauberlehrling, der einst die moderne Technik im guten wie im praktischen, also eigentlich menschenfreundlichen, menschen-hilfreichen Sinne entwickelte, hat selbige längst nicht mehr unter eigener Kontrolle. Ganz im Gegenteil: Der undemokratische George-Orwell-Staat („1984“) ist längst „Schweine“-aktiviert. Per Telefon in allen Variationen; per Satelliten, die dich auf dem Kieker haben (können); per Computer mit seinen vielen Facetten; per Überwachungskameras, die überall immer umfangreicher und ausgeklügelter werden. Wer dabei allerdings vor wem beschützt, behütet und wer von wem eigentlich bewacht, überwacht, kontrolliert, ausgespäht wird UND WARUM, ist völlig unübersichtlich. Fest steht aber: Das Individuum hat keine individuelle Chance. Mehr. Signalisiert dieser Film, der einen diesbezüglich, aber auch:

3.) wegen seiner letzten langen Verfolgungsjagd in LAS VEGAS in – vorläufig – ewiger Action-Erinnerung bleiben wird: Denn was hier Paul Greengrass mit seinen technischen, sprich handwerklichen Team- & Stunt-Haudegen und sein Co-Drehbuch-Autor & Schnitt-Weltmeister und „Oscar“-Preisträger CHRISTOPHER ROUSE (2008 für „Das Bourne Ultimatum“) zustande bringen, ist bestes Adrenalin-Augen-Power-Futter. „Fast & Furious 8“ muss sich demnächst mächtig anstrengen, DA MIT zu halten.

4.) Zuvor aber auch: ATHEN. Wütende Bürger-Proteste und handfeste Feuer-Aktionen gegen die EU-Spar-Auflagen. Wo wir hinblicken, Atmosphäre-Dynamit. Mittendrin: Jason Bourne, den sie jagen. Heimisches illegales CIA-Bodenpersonal in Autos sowie durch Asset, den Killer; alle gelenkt von Ortungen aus CIA-Langley. Über zwanzig Minuten im dampfenden Anti-Kessel der explodierenden griechischen Hauptstadt. Faszinierend, cool eingefangen, aber auch bedrückend, von wegen „beiläufigen“ Gedanken von wegen unsere ungleiche, auseinander-driftende, ausrastende Zivilgesellschaft. Inmitten eines immer undemokratischer werdenden westlichen Gemeinwesens.

Schon erstaunlich: Der fünfte Bourne-Film knallt mächtig-gut an die Birne; setzt einmal mehr furiose Spannungszeichen. Besitzt einen stimmigen Unterhaltungs-Sog der Genre-Extraklasse (= 4 ½ PÖNIs).