PÖNIs: (3,5/5)
Design-Staubsauger-Einrichter: SIM HAO JIE.
Besprechen wir es mal SO: March (WITSARUT HIMMARAT) hat sich in einen Staubsauger verliebt. Aber nicht in irgendeinen. Im Innern des saugstarken Haushaltsgeräts hat die Seele seiner an Luftverschmutzung verstorbenen Gattin Nat (DAVIKA HOORNE) Zuflucht gefunden. Das ungleiche Liebespaar kämpft gegen besessene Kühlschränke, hilft einem akademischen Ladyboy und dessen Liebhaber im Kampf gegen skrupellose Politiker und genießt die Möglichkeiten der wiedergefundenen Zweisamkeit – auch im Bett. Die konservative Verwandtschaft ist entsetzt, die buddhistischen Gelehrten pikiert und Marchs pragmatische Mutter tut alles, um der schon zu Lebzeiten ungeliebten Schwiegertochter endgültig den Stecker zu ziehen.
Diese Fabel von der unsterblichen Liebe zwischen Mann und Staubsauger ist wahrscheinlich die wohl abgedrehteste Romanze des (Film-)Jahres. Die clevere, Gesellschaftssatire räumt mit traditionellen Beziehungsvorstellungen, überholten Geschlechterrollen und verlogener Erinnerungskultur auf und wurde in Cannes mit dem Großen Preis der Semaine de la Critique ausgezeichnet.
Im Presseheft wird ein Interview mit dem thailändischen Autoren-Regisseur geführt. Ein AUSZUG: Ein erinnerungswürdiger Satz im Film lautet: „Geister sind diejenigen, die sich dem Tod nicht beugen – ihre Rückkehr ist ein Akt des Protests“. Was bedeutet Erinnerung für Sie – persönlich wie politisch?
Wie gesagt: Geister widersprechen dem natürlich Fluss der Zeit. Sie weigern sich, in der Vergangenheit zu bleiben. Sie sind nicht vollständig da, aber auch nicht ganz verschwunden, manche erscheinen nur als Stimme, andere sind durchscheinend oder ganz unsichtbar, drücken sich über Gerüchte, Erzählungen und Klänge aus. Thailand ist ein Land voller Geister. Viele Todesfälle bleiben ungeklärt, mit ungeklärten Morden und plötzlichem Verschwinden. Ich glaube, Künstler und besonders Filmemacher sind Verbündete dieser Geister. Durch unsere Expertise und unsere Werkzeuge können wir ihnen eine Stimme geben. Kino eignet sich ideal dafür, Geistern eine Form zu geben und sie zum Leben erwachen zu lassen.
Manche Sex-Szenen wirken verwandt. Und wild komisch. Führen zu folgendem Wikipedia-Endergebnis: „A Useful Ghost“ vereint Horror, Romantik, Queerness, politische Wut und absurden Humor mit satirischem Unterton. Beschreiben lässt sich der Staubsaugergeist-Film nur mit zwei Worten: „Ratchapoom Boonbunchachoke“, dessen Name schon klingt wie eine gewaltige Explosion! Yes.
Der eigenständige Staubsauger spricht. Mit dem Geiste der toten Frau. Das Ende zerbröselt. Meine Güte, was es nicht alles gibt. Was nicht alles existiert. Ein erstaunlicher Film (= 3 1/2 PÖNIs).
