HALLO-zusammen,

die Fans des FC St. Pauli imponieren mir. Mit einer eindrucksvollen Choreographie haben sie sich am letzten Samstag beteiligt: am Internationalen Gedenktag für die Opfer der NS-Diktatur, dem gleichzeitigen Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee, dem Holocaust-Gedenktag: Auf allen vier Tribünen des traditionsreichen Millerntor-Stadions im Hamburger Kiez-Stadtteil St. Pauli wurden zugleich schwarze Transparente hochgehalten. Mit der Aufschrift: Kein Vergeben. Kein Vergessen. Statt der berühmten Einlaufmusik "Hells Bells" legten Spieler und Zuschauer vor dem Spiel gegen Darmstadt 98 eine Schweigeminute ein. "In Zeiten, in denen der Rechtsruck in der Gesellschaft und den Parlamenten überall spürbar ist, in denen die Diskriminierung von Menschen anderer Herkunft, anderer Religion und Hautfarbe immer mehr zunimmt, stehen wir gemeinsam auf und machen klar: Kein Fußbreit den Faschisten", schrieb der Club vorab in einer offiziellen Mitteilung. Diese Aktion wurde von der aktiven Fanszene des FC St. Pauli organisiert und auch von gegnerischen Anhängern aus Darmstadt unterstützt.

Auschwitz. In der Schule kaum einmal ein "richtiges" Thema. Wie überhaupt die NS-Zeit: Vereinfacht = Zwischen 1933 und 1945 herrschte im Geschichtsunterricht ein Lehr-Loch. Im November 1963 organisierte die "Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken" eine Reise nach Polen. Da auch Nichtmitglieder mitfahren durften, meldete ich mich an. Ein Ziel dieser Busreise führte nach Auschwitz Birkenau. Zum Konzentrationslager. Zur Gedenkstätte. Was ich hier gesehen, empfunden habe, prägte nachhaltig mein künftiges Leben. Die befestigten Mauern, Stacheldraht, Plattformen, Kasernen, Galgen, Gaskammern und Verbrennungsöfen zeigen = belegen die grausamen Bedingungen, innerhalb denen der NS- Völkermord organisiert wurde. Stattfand. Nach historischen Untersuchungen ist belegt, dass 1,5 Millionen Menschen hier "verwahrt" und umgebracht wurden, darunter eine große Anzahl von jüdischen Menschen. Auschwitz ist das Symbol, welches Leid Menschen anderen Menschen angetan haben durch Hunger, Folter und Ermordung. Seit Juni 2007 ist das Museum von Auschwitz von der UNESCO unter dem Namen "Auschwitz-Birkenau - deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager (1940 - 1945)" zum Teil des Weltkulturerbes erklärt worden. 

Seit dem damaligen Auschwitz-Besuch, mit 17 Jahren, bin ich ein anderer. Das Sehen auf die zurückgebliebenen Schuhe, das Erblicken von "übrig gebliebener" Kleidung, der Koffer, der "Utensilien" der vielen Opfer, das direkte Aufnehmen und Empfinden von diesem Ort mit seinen fürchterlichen Zeugnis-Räumen und das Nicht-Ausweichen-Können brennt ewig in meinem Kopf. Die Seele schrie "ab Eingang" ("Arbeit macht frei") permanent - aufgebracht über die Vorstellung dieser eigentlich unvorstellbaren menschlichen Inhumanität und Grausamkeit. Scham, Empörung, Trauer, Wut, die Unfaßbarkeit, das Nicht-Begreifen-Können trotz der Fakten, Zahlen, Daten und "praktischen Belege", sind bis heute geblieben. Deshalb ist es mir anlässlich des diesjährigen Holocaust- Erinnerungstages am vergangenen Wochenende ein Anliegen, viele aufzufordern: Geht nach Auschwitz. Gerade die Jugend. Schaut Euch dort um. Es ist der schlimmste, aber wichtigste Geschichtsunterricht überhaupt. Und sorgt vielleicht für ein individuelles Mehr-Denken. Wer einmal "Auschwitz" gesehen, darf ich sagen "erlebt" hat, kann nicht unsere Drecks-Verbrechens-Vergangenheit abtun; oder gar mit den Nazis von heute paktieren. Unmöglich. Fahrt nach Auschwitz! 

PÖNI grüßt trotzdem und wie immer: freundlich

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DER SEIDENE FADEN

DER SEIDENE FADEN

"DER SEIDENE FADEN" von Paul Thomas Anderson (B, Co-Produzent + Kamera + R; USA 2017; M: Jonny Greenwood; 131 Minuten); seinen Spielfilm davor können wir vergessen, "Inherent Vice - Natürliche Mängel" (s. Kino-KRITIK/1 Mitleids-"Musik"-Pöni) von 2015 war ein Desaster, über das in der "New York Post" stand: "Eine zweieinhalbstündige Belastungsprobe". Davor allerdings konnte der kalifornische Spielleiter, Drehbuch-Autor und Produzent PAUL …

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LICHT

LICHT

"LICHT" von Barbara Albert (Ö/D 2016; B: Kathrin Resetarits; frei nach dem Roman "Am Anfang war die Nacht Musik" von Alissa Walser//2010; und "nach einer historischen Begebenheit"/Vorspann; K: Christine A. Maier; M: Lorenz Dangel; 97 Minuten); da ist das mit den zwei Ideen: 1.) Im Rokoko-Wien von 1777 vermag eine junge blinde Frau brillant Klavier zu spielen. Sogar vor "ganz …

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MAZE RUNNER - DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE

MAZE RUNNER - DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE

"MAZE RUNNER - DIE AUSERWÄHLTEN IN DER TODESZONE" von Wes Ball (USA 2016/2017; B: T.S. Nowlin; nach dem Roman "Maze Runner - The Death Cure"von James Dashner/2011; K: Gyula Pados; M: John Paesano; 142 Minuten); erst waren sie "im Labyrinth" (s. Kino-KRITIK), dann tauchten sie "in der Brandwüste" auf (s. Kino-KRITIK), jetzt treten die Kerlchen - genannt Maze Runner, also …

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CRIMINAL SQUAD

CRIMINAL SQUAD

"CRIMINAL SQUAD" von Christian Gudegast (Co-B + R; USA 2017; Co-B: Paul Scheuring; K: Terry Stacey; M: Cliff Martinez; 125 Minuten); im Original heißt der Film "Den of Thieves", was so viel heißt wie "Räuberhöhle"; der "deutsche"Kinotitel lautet, wie dümmlich: "Criminal Squad" = "Kriminaltruppe". Bekanntes Thema: Polizisten und Gangster unterscheidet oft nur die Polizeimarke. Wie hier. In Los Angeles. Da …

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DAS LEBEN IST EIN FEST

DAS LEBEN IST EIN FEST

"DAS LEBEN IST EIN FEST" von Eric Toledano & Olivier Nakache (B +R; Fr 2016; K: Mathieu Vadepied; M: Avishai Cohen; 116 Minuten); vor sechs Jahren tauchten die beiden Regisseure mit dem auch dann Hierzulande-Hit "Ziemlich beste Freunde" auf (s. Kino-KRITIK). Danach folgte 2014 "Heute bin ich Samba" (s. Kino-KRITIK), mit Omar Sy - der Entdeckung aus "Ziemlich beste Freunde" …

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TATORT: DÉJÀ-VU (28.1.2018)

TATORT: DÉJÀ-VU (28.1.2018)

Quelle: MDR Der Glaube, das Gefühl, etwas schon einmal gesehen/erlebt zu haben, das bedeutete der heutige "Tatort"-Titel aus Dresden, denn der hieß: "Déjà-vu" (aus dem Französischen: "schon gesehen"); Drehbuch: Mark Monheim und Stephan Wagner; Regisseur: der 31jährige Dustin Loose aus Bonn (Studentenfilm-"Oscar"-Preisträger von 2015 für: "Erledigung einer Sache") . Seit dem 6. März 2016 ist das Trio Oberkommissarin Henni Sieland …

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