WOHNE LIEBER UNGEWÖHNLICH

„WOHNE LIEBER UNGEWÖHNLICH“ von Gabriel Julien-Laferrière (Fr 2016; B: Camillie Moreau; Olivier Treiner; Francois Desagnat; Romain Protat; K: Cyrill Renaud; M: Frédéric Fortuny; Da Silva; 95 Minuten); heißt im  Original „C’est quoi cette familie?!“, also: „Was ist das bloss für eine Familie?!“ und trifft es auf den Punkt: Erwachsene heiraten, kriegen Kinder, lassen sich scheiden, heiraten, kriegen Kinder – und so weiter. Jedenfalls sei das in Frankreich so. Behauptet eingangs Sophie (JULIE GAYET), um zu erklären: „Großfamilien sind ja sehr konservativ, aber Patchwork-Familie, das ist der Zeitgeist!“. Womit wir beim Thema sind: Sophie und ihre großzügige Umgebung: „Meine Kinder haben sechs Halb- oder Fast-Geschwister, vier Papas, 4 Mütter, drei Zimmer für die Wochenenden, für die Gerade-Wochen und die Monate mit e r“. Und dieser Nachwuchs, unterschiedlich alt, hat die Faxen dicke. Mit immer den andauernden Orts- und Personen-Wechseln, mit diesem dauernden Hin und Her, mit den Viel-Ehen und Neurosen ihrer Erzeuger. Also okkupieren sie die großzügige Altbau-Wohnung der flotten Oma und beschließen den Umkehrschluss: Wir wohnen hier jetzt zusammen, und ihr Alten sollt – gemäß einem Plan – „zu uns kommen“. Um sich um uns kümmern. Das ist vernünftiger als das ständige bisherige turbulente, unruhige Zusammenleben. Also handeln sie. Dementsprechend. Deutlich.

Und siehe da, nach einigen „Diskrepanzen“, müssen die vermeintlich alles-besserwissenden Alten feststellen, dass dieses Arrangement mittenmal gar nicht so daneben geht wie vermutet. Ganz im Gegenteil: Sich den Bedürfnissen ihrer Kinder anzupassen, bringt auch erhebliche Vorzüge. In Sachen Zeitfenster, in Sachen Miteinander-Umgehen, in Sachen Emotionalität. Bastien, der 13jährige Sohn von Sophie, zeigt sich dabei als listig-charmanter Kids-Anführer. TEILO AZAIS spielt ihn mit hinreißender sensibler Natürlichkeit und Cleverness und lässt die Erwachsenen hübsch-geschickt alt aussehen.

Wir befinden uns in einer französischen Wohnzimmer-Komödie, was so viel bedeutet: „Härte“ ist ‚raus. Sympathisch-pointiert kriegen Kinder viel origineller die Lebenskurve als ihre, sagen wir mal, „schusseligen“ Alten. Kinder trauen sich was, sind angenehm übermütig, radikaler, klüger: „Kinder an die Macht“ von Herbert Grönemeyer in der französischen Film-Version. Mit 19 Personen. Flott, spaßig, mit locker-tragi- wie komischen Einfällen und natürlich viel Esprit. Die Franzosen sehen dieses „Patchwork-Problem“, wie schön, eben nicht verbissen, sondern wissen es taff- wort- wie situationswitzig amüsant-charmant durchzuziehen. Ein Film zum augenzwinkernden Durchweg-Wohlfühlen (= 3 1/2 PÖNIs).