War, inc.

WAR, INC.„; deutscher Zusatz-/Untertitel: „Sie bestellen Krieg; wir liefern!“, von Joshua Seftel (USA 2007; 107 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 22.04.2009).

Nein, nein, „so einen Film“ traut sich das heutige, dauer-glatte Kino nicht mehr einzusetzen. Zumal das Genre vergleichsweise kaum bekannt bzw. kaum „benutzt“ wird: Das WUT-KINO. Das böse, sarkastische, parodistische, das unterhaltsame wie politische WUT-KINO. Stanley Kubrick hat es einst mit satirischen Gedanken-Movies wie „Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ (1963) oder „Uhrwerk Orange“ (1970/71) schräg wie grell wie provokativ wie amüsant gehegt und gepflegt. Jetzt aber ist „so etwas Ähnliches“ mal wieder aufgetaucht. Der hierzulande unbekannte amerikanische Regisseur Joshua Seftel hat – mit Unterstützung von Co-Produzent, Co-Drehbuch-Autor und Hauptdarsteller JOHN CUSACK („Being John Malkovich“) – vor 2 Jahren ein SEHR WÜTENDENS Pamphlet, für geschätzte 10 Millionen Dollar Produktionskosten, in Bulgarien gedreht, der den Kopf ganz schön beschäftigt. Schon im Vorspann. Dort heißt es: „Im 21. Jahrhundert werden große Unternehmen die Welt dominieren, die Nationen als die wahren Geschichtsschaffenden ersetzen und mächtige Privatarmeen anhäufen, die nach ihrer Pfeife tanzen“.

Brand Hauser (John Cusack) ist derzeit Killer Nr.1; er agiert weltweit unauffällig, erledigt cool und emotionslos seinen hoch dotierten Job. Im Auftrag des gigantischen US-Konzerns „TAMERLANE“. Dieser hat gerade mächtig in TURAKISTAN zu tun. Denn dort hat die USA das Öl-Land beinahe total zerstört, um es jetzt profitabel wieder aufzubauen. „Es ist der 1. Krieg, der mit 100%iger Unterstützung von Privatunternehmen gefördert wird“, verkündet stolz der Firmen-Boß von „Tamerlane“, der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika („Blues Brother“ DAN AYKROYD). Ein Problem allerdings muß noch „geklärt“ werden, denn der amtierende Öl-Minister von Turakistan möchte gerne die lukrativen Öl-Geschäfte selbst „organisieren“, und dies paßt den Amis natürlich überhaupt nicht. Also wird Brand Hauser „in motivierte Bewegung“ gesetzt. Um das Problem diskret zu lösen.

Offiziell taucht er in dem kaputten Land als Organisator der Gala-Hochzeit zwischen der attraktiven amerikanische Pop-Queen Yonica Babyyeah (HILARY DUFF) mit einem hochrangigen einheimischen Wüsten-Loddel auf. Doch dann „schnuppert“ die neugierige Reporterin Natalie (MARISA TOMEI/“The Wrestler“; „Mein Vetter Winnie“ = „Oscar“ als „beste Nebendarstellerin“) unangenehm wie hartnäckig herum und stört den kriegerischen Frieden hier nachhaltig. EINE WÜSTE BALLADE. Über die USA, die sich – der Film entstand 2007 – daran- und breitmachen, Kriege endgültig als notwendiges Business, als „Wirtschaftswachstum“ zu betrachten und zu verbreiten. „Geschäfte zu machen, ist eine menschliche Antwort auf moralische und kosmische Krisen“, urteilt der Zyniker Hauser. Während sein wahnsinniger Chef („Oscar“-Preisträger Sir BEN KINGSLEY/“Gandhi“) trocken argumentiert: „Wir haben aus Zentral-Amerika einen beschissenen Friedhof gemacht!“ und deshalb konsequent fordert: „Egal, wer gerade das Wachstum unseres Reichtums stört, er wird von uns vernichtet!“ Denn schließlich sei „Krieg die Verbesserung von Investmentplanern auf ´nem andern Weg“. Die USA als Unterabteilung eines mächtigen Konzerns, dem eigentlichen „demokratischen“ Machthaber im Land.

„War Inc.“ ist/bietet eine ganz und gar wüste Show. Politisch völlig unkorrekt, aufwühlend, demoralisierend, alarmierend, „aktuell“. Dabei höchst bösartig, amüsant, ständig unanständig, doppelbödig, frech. Ein Rock´n´Roll-Kriegsfilm. Als eine der irrsten filmischen Nestbeschmutzungen und Kommentare zur Ära Bush. Ein, wie Produzent Les Weldon im Bonusmaterial erläutert, „absurder, überhöhter Kommentar auf reale Vorgänge in der Welt“. Eine wahnwitzige Polit-Performance, eine schräge Polit-Satire mit viel Action-Geschmack und einem erst kühlen, dann melancholischen, dann aufgescheuchten „Revoluzzer“ JOHN CUSACK (41) in der „komischen“ Hauptrolle. Fazit:
SO angenehm „übel-drauf“ war schon lange kein amerikanischer Spielfilm mehr…

4 PÖNIS