VENDETTA – ALLES WAS IHM BLIEB WAR RACHE

„VENDETTA – ALLES WAS IHM BLIEB WAR RACHE“ von Elliott Lester (USA 2015/2016; B + Co-Produzent: Javier Gullón; Co-Poduzenten: Arnold Schwarzenegger; Darren Aronofsky; K: Pieter Vermeer; M: Mark Todd; 94 Minuten; deutsche Heimkino-VÖ: 13.11.2017); wieder einmal ist ein Heimkino-Anbieter bemüht, einen hervorragenden Film durch seine neuen – reißerischen – Titel zu diskreditieren. Dieser Film heißt im Original ganz normal „AFTERMATH“, also „Nachwirkungen“, und hat mit „Vendetta“ = „Rache“ nur ganz begrenzt zu tun; und der zusätzliche deutsche Titel – „Alles was ihm blieb war Rache“ – grenzt an Schwachsinn. Und schadet dem guten Produkt immens: Die, die wegen des hiesigen Doppel-Titels neugierig sind, werden enttäuscht, und diejenigen, die hierfür Interesse haben könnten, nehmen den Film auf Grund solcher „Fehl-Titel“ erst gar nicht wahr.

Er heißt Roman Melnyk (ARNOLD SCHWARZENEGGER/mit seiner bewährten deutschen Stimme von THOMAS DANNEBERG), ist Vorarbeiter bei einer Baufirma in Columbus/Ohio und freut sich auf die Rückkehr seiner Ehefrau und seiner schwangeren Tochter. Diese befinden sich auf dem Rückflug von New York, als durch einen verhängnisvollen Fehler des Fluglotsen Jacob „Jake“ Bonanos (SCOOT McNAIRY) dieses Flugzeug mit einem anderen kollidiert und beide abstürzen. Insgesamt  271 Insassen sind tot.

Für beide Menschen, Roman wie Jacob, bricht ihre bisherige Welt zusammen. Auseinander. Roman hegt zunächst keineswegs Rache-Gefühle, sondern möchte nur, dass sich irgendwann irgendjemand für den Verlust seiner Familie entschuldigt. Jacob dagegen wird nach den Ermittlungen öffentlich als „Schuldiger“ ausgemacht und vermag die Katastrophe – auch im Verlaufe der Zeit – nicht zu bewältigen. Seine Familie, Frau und Kleinkind, droht auseinander zu fallen. Er zieht in eine andere Stadt, um zu versuchen, Abstand zu gewinnen. Dort „entdeckt“ ihn Roman. Der bislang vergeblich auf eine „Entschuldigung“ gewartet hat. Um endlich seinen Seelenfrieden wieder zu finden. Aber: Bürokraten kennen keinen Schmerz, sondern lediglich: „Abwicklung“. Also wird jetzt, ein Jahr später, ein Versuch beim beim ehemaligen Fluglotsen Jacob gestartet.

Völlig verblüffend, voll überzeugend: Arnold Schwarzenegger, der bei dieser Independent-Produktion – Budget: 10,5 Millionen Dollar –  auch als Co-Produzent mitmischte. ER kehrt auf seine alten Tage den hochspannenden Charakter-Darsteller Arnold alias Roman hervor. Wie schon 2013, als er in dem Horror-Drama „Maggie“ überraschende körperliche wie intellektuelle Qualitäten bewies (s. Heimkino-KRITIK). Sein Roman hantiert weder mit Waffen noch fuchtelt er mit Fäusten herum, sondern verblüfft beeindruckend mit einer – gut-funktionierenden – sensiblen Körpersprache. Ebenso sein Gegenüber SCOOT McNAIRY, ein aus über 60 TV- und Kinofilm-Produktionen bekannter (Neben-)Darsteller (zuletzt in dem Neon-Müll: : „Sleepless – Eine tödliche Nacht“), der ebenso als Opfer der fürchterlichen  Umstände viel schmerzvolle Seelen-Wirkung erreicht. Dazu kommt, wie angenehm-auffallend und handwerklich-bravourös, dieser exzellente Schnitt (von NICHOLAS WAYMAN-HARRIS), der für sehr viel ansprechendes dramaturgisches Gedanken-Futter sorgt und keine Langeweile aufkommen lässt. So dass der Stoff Film von Beginn an „stimmt“; der Film durchgängig fesselt.

Und mit einer sorgfältig ausgestatteten (und deutsch untertitelten) „Featurette“ wird sogar beim Bonusmaterial gepunktet.

Ansprechendes Fazit: „Vendetta“, bei dem dämlichen Titel schaudert es mich, ist ein außerordentlich bewegendes Drama-Movie, das auf ein reales Absturz-Ereignis aus dem Jahr 2002 basiert und mit einem ARNOLD SCHWARZENEGGER daherkommt, der beweist, dass er auch beeindruckend anders = kopflastig-spannend vor der Kamera agieren kann (= 4 PÖNIs).

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