Der unwiderstehliche Charme des Geldes

DER UNWIDERSTEHLICHE CHARME DES GELDES“ von Claude Zidi (Fr 1987; 104 Minuten; Start D: 13.08.1987)

“Es sind Kämpfe, es sind Sieger“, brüllt begeistert der Ansager auf dem Treffen eines ehemaligen Uni-Jahrgangs herum und meint damit die “vier Musketiere“ Gerard (CHRISTOPHE MALAVOY), Thierry (FRANCOIS CLUZET), Francis (GERARD LECAILLON) und Daniel (JEAN-CLAUDE LEGUAY), die schon auf der Hochschule die Elite bildeten und deren Jahresumsatz zehn Jahre später dank ihrer Aktivitäten im Sponsorengeschäft, in der Videobranche und im Bankgewerbe nicht unter 35 Millionen Franc Jahresumsatz liegt. Einzig bei Freund Daniel hat sich die großzügige Ausbildung noch nicht bezahlt gemacht, er ist ein Träumer und “Versager“ geblieben, der immer noch die Leute anmacht mit seinen verrückten Ideen, anpumpt und auf sein großes Geschäft wartet. Und dann existiert da noch Monsieur Hassler (JEAN-PIERRE BISSON), der schon während der Studienjahre der Intimfeind der Freunde war und heute getreu seinem allerheiligsten Grundsatz “Nur Geld macht uns glücklich“ linke Geschäfte pflegt und mit einem weißen Jaguar-Coupé seine weiße Weste spazieren fährt. Genau diesem arroganten Fiesling klauen Gerard und Thierry den Safe, damit Kumpel Daniel nicht ein weiteres Opfer der üblen Geschäftspraktiken dieses Saube

rmannes wird. Außerdem waren sie es ja, die zuvor ihren Freund Daniel mit einem vermeintlichen Lottogewinn ganz schön reingelegt haben.
Dessen Dauerbettelei ging ihnen ganz einfach auf den Keks, also glaubten sie ihm mal einen Streich spielen zu müssen. Dass daraus nun solch eine Affäre entstehen würde, die nicht nur die Existenz von Daniel gefährdet, haben sie nicht ahnen können. Aber “Musketiere“ halten nun mal zusammen, deshalb sitzen Gerard und Thierry mittenmal im tiefsten Schlamassel, werden sowohl von der Polizei als auch von Hassler gejagt, und Francois und Daniel unschuldig im Gefängnis. Jetzt heißt es besonders clever zu sein. Und in Sachen Cleverness können sie mit ihren Frauen rechnen, die attraktive Claire (CLAIRE NEBOUT) und die nicht minder reizvolle Polizeiinspektorin Monique (VERONIQUE GENEST), mit deren Unterstützung Hassler um mehr als nur 400.000 reingelegt wird. Alles scheint sich wohlgefällig aufzulösen, nur der hilfreiche Opa versteht Moral und Welt nicht mehr: “Ich mag zwar altmodisch sein, aber die 400 Riesen hätte ich mir gekrallt. Ihr aber macht euch aus dem Staub, weil ihr sie nicht geklaut habt. Das ist stark“.

Es geht also wieder einmal ums Gewinnen und Verlieren, und dabei werden im Kino bekanntlich mit den Millionen nur so herum jongliert. Was durchaus seinen Reiz haben kann, wenn die Mechanismen der Komödie funktionieren, um die Unglaubwürdigkeiten zu überdecken: sie muss temporeich inszeniert sein und auf Überraschungseffekte setzen, sowohl in Wort als auch im Bild. Und damit kommt dieser hübsche, aber eben nicht mit 100%igen Einfällen ausgestattete Film nicht durchweg klar. Die Story wird eine zeitlang rasant und mit forschem Witz vorangetrieben, so dass gar keine Zeit für logische Überlegungen bleibt. Dann aber werden die Atempausen größer und länger, ermüden die Love-Momente, bricht die Atmosphäre und Stimmung abrupt ab.

Die Unterhaltungsfilme des heute 53jährigen Claude Zidi wandeln fast permanent auf dem schmalen Grad zwischen Klamotte („Brust oder Keule“) und gehobener Komödie (“Die Bestechlichen“), während er für sich selbst propagiert, “die Tradition des Samstag-Abend-Kinos wieder beleben“ zu wollen. Dafür reicht dieser Spaß um betrogene Betrüger und gelackmeierte Ganoven allemal. Aber irgendwie ist seit dem Ruhestand von Experten wie Yves Robert („Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“) oder Romantikern wie Robert Enrico („Die Abenteurer“) die Unterhaltungschose noch nicht aus ihrem Tief heraus. Ansätze wie hier sind durchaus heiter, aber auch nur für den kurzen Moment. Das ist bedauerlich, dem Kinntop zum Schnellverbrauch haben wir derzeit viel zu viel (= 2 ½ PÖNIS).