TOM OF FINLAND

„TOM OF FINLAND“ von Dome Karukoski (Finnland/D/Dänemark/Schweden 2016; B: Aleksi Bardy; K: Lasse Frank Johannessen; M: Lasse Enersen; Hildur Gudnadöttir; 116 Minuten); der letzte Sonntag, der 1. Oktober 2017, ist ein wegweisendes Datum in der gesellschaftspolitischen Geschichte unseres Landes: Die EHE FÜR ALLE wurde Gesetz. Jahrzehntelange Bemühungen für die gleichgeschlechtliche Partnerschaft wurden – endlich – staatlich verankert.

Für TOUKO LAAKSONEN, besser bekannt unter dem Pseudonym „TOM OF FINLAND“ (1920 – 1991), wären dies heute begehrenswerte Zeichen und Zeiten. Laaksonen ist einer von Finnlands international bekanntesten Künstlern. Seine weltweit bekannten Zeichnungen von durchtrainierten, ungehemmten Muskel-Männern in Leder haben in der Pop-Kultur inzwischen Kultstatus erreicht. Haben schwule Männer von dem viele Jahrzehnte gängigen Klischees befreit, feminin, krank und schwach zu sein.

Der Film folgt seinen biographischen Spuren. Zurückgekehrt von der Front des Zweiten Weltkrieges erweist sich das Leben, das Existieren des Touko Laaksonen (PEKKA STRANG) ebenso als Privat-Krieg. Homosexuelle werden verfolgt, gejagt, verprügelt, verhaftet, zum „Umfunktionieren“ verurteilt, gesellschaftlich verdammt. Touko wohnt bei seiner Schwester, die ihn, den studierten Kunstzeichner, in der Werbebranche unterbringt. Die Beziehung mit dem Tänzer Veli muss er ebenso heimlich führen wie er – hinter verschlossenen Wohnungstüren – seine „verbotenen“ homoerotischen Bilder zeichnet. Die irgendwann nach Kalifornien gelangen, wo die knackigen Männer- und Männlichkeits-Motive unter dem Namen „Tom of Finland“ veröffentlicht und zum Begriff werden und den Siegeszug in der Welt antreten.

„Tom of Finland“, der Film, macht deutlich, wie bitter, brutal und entbehrungsreich die Zeit dieser brutalen sexuellen Unterdrückung war; welche verbohrten Wut-Ängste innerhalb „der Homos“-gegenüber feindseligen Spießer-Gesellschaft vorhanden waren und wie befreiend Kunst „darauf“ reagieren = sein kann. Ein Mensch will, verlangt, nach seinem selbstbestimmten privaten Leben und muss sehr viele Umwege bestreiten, auch über das Kalte Kriegs-Berlin, eher er sein Ziel und seine künstlerische wie dann auch gesellschaftliche Anerkennung findet. Nicht nur für die schwule Community ein hochinteressanter, sehenswerter Film über historische soziokulturelle „Zusammenhänge“, der schließlich, im Abspann, auch mit authentischen Bildern von Touko Laaksonen versehen ist  (= 3 1/2 PÖNIs).

P.S.:  Im April 2014, über 20 Jahre nach dem Ableben dieses Künstlers und Freidenkers, bringt die finnische Post drei Sondermarken mit Motiven von „Tom of Finlands“-Männer-Motiven heraus.