TIGERMILCH

„TIGERMILCH“ von Ute Wieland (B + R; nach dem gleichn. Roman von Stefanie de Velasco/2013; D 2016; K: Felix Cramer; M: Kicker Dibbs; Chefboss; 106 Minuten); hey Alter, du bist längst Grab, kannst das alles doch gar nicht mehr verstehen: Ganz im Gegenteil, liebe Spezis des gepflegten Muntermacher-Mundart-Ausdrucks, hören und sehen vermag ich sehr gut. Vernehme den neuen deutschen lässigen „Hoppla, jetzt kommen wir“-Ton gut, wenn zwei 14jährige Hauptstadt-Girlies Bock auf Schnell-Alles haben: Suff – = das Titel-Getränk, bestehend aus Schnaps, Milch und Maracujasaft -, ersten Sex, in ihren langen Ringelstrümpfen auf dem Schöneberger Kurfürsten-„Baby“-Strich mit Freiern herum-albern, provokantes „Wörterknacken“-Sprechen-Spielen (Wörter werden umgedreht), im Schwimmbad abhängen, doch dann wird ihre Dauer-„Party“ brutal unterbrochen: Als sie Augenzeugen eines brutalen „Ehrenmordes“ werden. Und alles auf einmal „anders“ und ganz ernst und sehr bedrohlich ist. Also wird.

„Hanni und Nanni in der Hölle“, nannte Kritiker Alfred Lange den gleichnamigen Roman von Stefanie de Velasco. Zwei Mädels, Nini (FLORA LI THIEMANN) und Jameelah (EMILY KUSCHE), sind seit Ewigkeiten beste Freundinnen. Während die kluge Jameelah mit schulischen Bestnoten aufwarten kann, sind Ninis Zensuren eher mäßig. Eher schlecht. Zudem plagt sie ihre alkoholkranke Mutter und die Abwesenheit ihres Erzeugers. Bei Jameelah dagegen ist ein Brief der Ausländerbehörde eingetroffen. Droht der irakischen Familie möglicherweise die Abschiebung? Dennoch alles keine Gründe, dadurch die gemeinsamen Sommerferien erst einmal nicht „richtig mitzunehmen“. Intensiv. Mit viel Voll-Spaß. Der dann aber abrupt endet.

Ein bisschen sehr dicke und ziemlich über-konstruiert, was hier Drehbuch-Autorin und Regisseurin UTE WIELAND (2 x „Freche Mädchen“/2008 + 2010) auftischt. Ihr Spagat-Versuch, zwischen Locker-lässig-cool und Ernst-Anliegen einem rüden Nachwuchs eine Menge Provokantes aufzustülpen, in Motiven und Ton, gerät in unglaubliche wie darstellerisch fragwürdige Unterhaltungs-Panik. Saufen ist harmlos, kann man deuten, und: in diesem Land läuft ziemlich viel unvernünftig-schief, ist zu empfinden, während das Spiel(en) der beiden Haupt-Mädels „schwierig“ ‚rüberkommt: Ihr Sich-Mühe-Geben ist spürbar.

Der Film: Eben noch Komödien-Rotz in leicht, dann brutale Gesellschafts-Stiche, ein komplizierter Mix, der sich nur unstimmig zusammenfügt. Nach „Axelot Overkill“ neulich (von Helene Hegemann) der zweite und mehr zwiespältige denn spannende deutsche Film-Versuch, sich dem „aktuellen (Mädels-)Nachwuchs“ zünftig nähern zu wollen (= 2 PÖNIs).


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