THELMA

„THELMA“ von Joachim Trier (Co-B + R; Norw/Fr/Dänemark/Schweden 2016; Co-B: Eskil Vogt; K: Jako Ihre, M: Ola Flottum; 116 Minuten); ein Psycho-Drama mit verstörender atmosphärischer Spannung. Will man den (nach: „Auf Anfang“/2006; „Oslo, 31. August“/2011 und „Louder Than Bombs“, 2015) vierten Spielfilm des norwegischen Autoren-Regisseurs JOACHIM TRIER, Jahrgang 1974, mit einer halbwegs akzeptablen Schublade verbinden, kommen einem Stephen King & Brian De Palma („Carrie“) ebenso in den faszinierenden Grusel-Sinn wie etwa auch Spannungseinflüsse von Hitchcocks fulminanten Werken „Vertigo“ oder „Marnie“ oder der nie zu vergessene Schauer-Klassiker „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ von Nicolas Roeg aus dem Jahr 1973. Motto: Diese geheimnisvollen, stimmungsintensiven Geräusche von Wind und Wasserwellen; diese klaustrophobische Seelen-Einengung der gebrandmarkten Heldin Thelma (die soeben auf der Berlinale zum „Shooting Star“ gekürte überwältigende EILI HARBOE mimt bravourös); insgesamt: der dämonische „Psycho“-Effekt: Irgendetwas stimmt nicht mit IHR, aber dies herauszubeobachten, herauszukriegen, dauert halt durchweg seine fast zwei spannenden, aufwühlenden, lohnenden Leinwand-Stunden.

Sie ist jung, verschüchtert, unsicher. Kommt vom Land in die Großstadt. Oslo. Nimmt hier ein Biologie-Studium auf. Wird „dabei“ ständig von ihren Eltern telefonisch kontrolliert. Um eine Art von täglicher „Beichte“ abzulegen. Was wo wie wann. Warum. Und überhaupt. Hast Du gemacht. Oder vor. Ist etwas Ungewöhnliches passiert? Die Eltern haben Thelma streng religiös, aber auch liebevoll erzogen. Das andere Leben, in das sie nun eintritt, ist gänzlich neu für sie. Stichworte: Alkohol, Zigaretten, eine erste Mini-Droge. Der ganz normale studentische Junge-Leute-Spaß-Wahnsinn. Doch mit Thelma stimmt etwas nicht. Sie bekommt des Öfteren epileptische Anfälle, wird von alptraumhaften „Dingen“/“Zuständen“ bedrängt, kann sich ihre plötzlichen Hin-und Wieder-„Verwandlungen“ nicht erklären. Als sie eines Tages ihre Kommilitonin Anja kennen- und dann liebenlernt, spitzen sich „ihre Ereignisse“ bedrohlich zu. Sind paranormale Kräfte in ihr am Wirken? Oder vermeintliche schlimme Wunschträume aus der verunsicherten Seelen-Tiefe, die endlich „realisiert“ werden wollen? Da gab es doch schon früher ähnliche „Vorfälle“ in ihrem Leben, nicht wahr?

Nicht so einfach, wie schön, zu deuten: „Thelma“, der gekonnte Thriller; das beklemmende Psycho-Drama; die Coming-of-Age-Anspielungen; das geheimnisumwitterte Mystery-Szenario, begleitet von einer schon soghaft-hypnotischen (An-)Spannungs-Musikalität. Der Film ist rätselhaft, raffiniert, besitzt sehr viel visuelle Kraft, lässt atmosphärisch exzellent erschauern. Vermag mit einer – dauerhaft – anwesenden emotionale Spitzenkraft EILI HARBOE-„Thelma“ zu parieren. Das Empfindungs-Feuer hier ist enorm vielschichtig gezündelt (= 4 1/2 PÖNIs).