THE PARTY

„THE PARTY“ von Sally Potter (B + R; GB 2016; K: Alexey Rodionov; 68 Minuten); einst waren sie links-liberale Rebellen im Land Britannien, jedenfalls zumindest im Geiste, jetzt hat es tatsächlich eine von ihnen – nach einer offensichtlichen Ochsentour durch Hinterbänke, Gremien, Instanzen – geschafft und ist zur künftigen Labour-Gesundheitsministerin nominiert. Deshalb hat Janet (KRISTIN SCOTT THOMAS) zu einer häuslichen Party Freunde und Bekannte eingeladen. Insgesamt sind sie „die glorreichen Sieben“. Die sich allerdings alles andere als „glorreich“ erweisen, benehmen, sondern als zünftige Emotions-Deibel. Dabei geht es nicht um den Brexit, obwohl die Autoren-Regisseurin SALLY POTTER („Rage“/2009) anlässlich der Wettbewerbsaufführung bei der diesjährigen Berlinale äußerte, ihr Film sei „in einem Moment entstanden, in dem wir über die aktuellen Ereignisse in der Welt am liebsten weinen würden“. „The Party“, angekündigt als „eine Komödie umhüllt von einer Tragödie“, ist vielmehr ein Diskurs über gesättigte Bürgerliche, denen „außerordentliche“ Gefühle einen gehörigen Strich durch die weitere Lebensrechnung machen. Glaubten sie eben noch, alles über ihre rührigen, cleveren Schädel beherrschen und verabreden zu können, patzt ausgerechnet Janets Gatte Bill (TIMOTHY SPALL) und stellt das eigentlich für solide geordnet gehaltene Miteinander-System gehörig wie komisch in Frage.

Es juckt mächtig in den Fingern, weitere Details von diesem wunderbaren Schwarz-Weiß-Kammerspiel-Gemetzel preiszugeben, doch verweise ich zu gerne dafür auf das schmucke Kino-Erlebnis. Und darauf hin, dass wir es hier mit einem Ensemble erstklassiger Rampensäue zu tun haben. die in und mit ihren ganz und gar nicht-feinen Normal-Figuren – leider nur knapp über eine Stunde – brillant herumtollen. Von Gefühls-herb bis ausgelassen-gemein-vortrefflich.  SIE, die Exquisiten, seien unbedingt genannt. Neben Kristin Scott Thomas und dem grummeligen „Buddha“ Timothy Spall, einem der gegenwärtig spannendsten britischen Star-Mimen (zuletzt: „Verleugnung“ und „Mr. Turner – Meister des Lichts“), sind mit an Party-Bord: Die zynische Haus-Freundin PATRICIA „April“ CLARKSON („Learning To Drive – Fahrstunden fürs Leben“); „unser“ BRUNO GANZ (gerade auch noch großartig  im Kino mit: „In Zeiten des abnehmenden Lichts“) als ihr schlaffer Ehemann und gelassener Phrasen-Drescher Gottfried; das gerade Drillinge erwartende Paar Martha & Jinny = CHERRY JONES (die US-Präsidentin Allison Taylor in der TV-Serie „24“) und EMILY MORTIMER („Transsiberian“) sowie CILIAN MURPHY („Free Fire“) als völlig fertiger Banker mit Waffe und Ehemann von Janets engster Vertrauten Marianne, die wir zum Schluss, anlässlich einer köstlichen Rausschmeißer-Pointe, nur erahnen dürfen.

Ironisch-bittere Gefühlsexplosionen bei gehobenen Bürgers. Wer imponierendes Schauspieler-Premium-Kino mag, wird nach knapp über eine Stunde es bedauern, dass diese amüsant piekende Party schon vorbei ist und sich bis dahin erstklassig unterhalten haben (= 4 PÖNIs).