Swing Vote

Heute entdecke ich mal wieder einen amerikanischen Spielfilm aus dem Vorjahr, der es NICHT in unsere Kinos geschafft hat, sondern der kürzlich auf DVD seine deutsche Premiere hatte. Dabei handelt es sich um den Film

Swing Vote – Die beste Wahl“ des hierzulande unbekannten Drehbuch-Autoren und Regisseurs Joshua Michael Stern (Co-B+R; USA 2008; 120 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 27.02.2009);
in dem kein Geringerer als Hollywood-Star und „Oscar“-Preisträger KEVIN COSTNER („Der mit dem Wolf tanzt“) die Hauptrolle spielt.

Er mimt den in New Mexico lebenden „Durchschnittsamerikaner“ Bud Johnson. Bud ist der typische Fall von „nettem Loser“. Ein saufender, öde in den Tag hinein- wie hinauslebender lethargischer Fabrikarbeiter, dem so ziemlich alles egal ist. Bis auf eines: Als alleinerziehender Vater einer hochintelligenten 12jährigen Tochter liebt er seine Molly (MADELINE CARROLL) über alles. Die gibt als Berufswunsch schon mal „Tierärztin oder Präsidentin der Notenbank“ an und hat ihren Dad unfreiwillig, aber notwendigerweise „voll im Griff“. Weil der sich als ziemlich „tölpelig-unzuverlässig“ erweist und eigentlich so RICHTIG ERWACHSEN nie geworden ist, hat SIE in diesem kleinen Haushalt die Leitung übernommen. Und fährt ihn auch schon mal mit dem Auto nach Hause, wenn er wieder einmal „fahruntüchtig“ ist.

Doch dann passierts: Es sind Wahlen. Es gilt, den neuen amerikanischen Präsidenten zu bestimmen. Doch bei der Abstimmung zwischen dem republikanischen Amtsinhaber Andrew Boone (KELSEY GRAMMER) und seinem demokratischen Herausforderer Donald Greenleaf (DENNIS HOPPER) ist es zum Patt gekommen. Absolute Stimmengleichheit. Weil nun aber Buds Stimme versehentlich vom Wahlcomputer nicht mitgezählt wurde, kann ER nun ALLEIN darüber entscheiden, wer als nächster Präsident ins Weiße Haus zieht. Dumm nur, daß Bud nie gewählt hat: Weil er in seiner Stammkneipe einmal mehr versackt war, hat Molly für ihn gewählt. Weil sie DIES als staatsbürgerliche Pflicht betrachtet, wo jeder sich beteiligen soll. Die Wahlkommission fordert ihn nun auf, in einer angemessenen Frist „nochmal“ zu wählen. Was nicht nur die Medien aufscheucht, sondern auch die beiden Kandidaten „in Provinz-Bewegung“ setzt: Der Durchschnittlichste aller amerikanischen Durchschnittsbürger soll eine folgenreiche Entscheidung treffen.

Fortan ist hier, an diesem beschaulichen amerikanischen Kleinstadt-Ort, nichts mehr so wie es mal war. Und auch im Leben von Bud und Molly geht nun der Trouble so richtig los. Alle glauben, „mit dem Dowietz“ im Grunde „leicht Wahl“ zu haben und beginnen mit ihren Strategien, Taktirereien, Versprechungen. Und privaten „Gesprächen“. Was immer „stimmungsmäßig“ daraufhin angesagt ist, wird sogleich „parteilich“ verkündet. Dazu geben Konservative wie Demokraten gern schon mal ihre „angestammten Positionen“ ruckzuck auf. Die Hauptsache: Ein Thema, ein Mann, d i e Stimme. Der Nobody wird umschmeichelt, umworben, umschleimt, und seine Tochter hat mehr und mehr Mühe, ihn halbwegs „bei Vernunft“ zu halten. Doch dann muß Bud, „der Volks-Held“, sich entscheiden…..

„Swing Vote“ ist eine freche, angenehm impertinente Polit-Satire. Die ebenso auf die sensationsheischende Gier der Medien schielt wie über den plumpen Opportunismus der Politik lästert. Wann immer es um DIE MACHT geht, sind sie allzeit bereit, ihre Meinungen „umzudrehen“, anzupassen, „mehrheitsfähig“ zu präsentieren. Ein absurdes Spiel mit viel Realitätsgeschmack. Aber auch die „bazige Dummheit“ des unbeweglichen, desinteressierten Einzelnen wird attackiert: Kevin Costner (mit seiner sonoren deutschen Dauer-Stimme FRANK GLAUBRECHT) gibt den texanischen Prekariats-Typen „mit Schmackes“. Führt dessen „15 Minuten Ruhm“ überzeugend-naivlich vor und läßt dessen Proll-Charme genüßlich voll ´raus. Die kleine, hochbegabte MADELINE CARROLL als kesse Molly muß schon ganz schön „erwachsen“ sein, um ihn nicht „ganz blöd“ aussehen zu lassen; eine wunderbare, charismatische Talent-Performance neben dem Kostner-Star. Der sich offensichtlich von ihr auch gerne schon mal „die Show“ stehlen läßt.

Aber auch das Ensemble-Personal kann sich gut sehen lassen: Interessant-durchtrieben wie glaubwürdig charakterisiert sind z.B. die beiderseitigen Wahlkampf-Chefmanager mit NATHAN LANE („Mäusejagd“) und STANLEY TUCCI („Der Teufel trägt Prada“) als zynische Doppel-Moralisten, die nun ihren beruflichen Stimmenfang auf eine einzige Person konzentrieren müssen und sich dabei ein ums andere Mal verzweifelnd-verbiegen. Der kurzweiligen 2 Stunden-Streifen bewegt sich in der Mixtur von „milder Satire“ und „sanfter Komödie“ gut unterhaltend voran. Er will nicht allzudoll wehtun, aber schon seinen stacheligen Zeigefinger in die offene Wunde der – verständlichen – Politik- bzw. Politiker-Verdrossenheit in den USA legen. Legt dabei einen amüsant-kritischen Verband an und wirkt „ansteckend“: Auch hierzulande ist das ja „mit der Demokratie“, dem Wählen und dem Vertrauen in die Politik bzw. in die Politiker bekanntlich so eine kritische Dauer-Sache. Ein Prima-Ami-Film, mit ernstem Spaß, animierendem Sinn, süffisanten politischen wie menschlichen Kritik-Piksern. Und, jetzt auf DVD, auch mit beachtlichem Bonusmaterial (Hinter den Kulissen-Feature; Interviews mit den Schauspielern; weggefallenen Szenen, Musik-Video…). Kurzum: Es ist ein GEHOBENES Vergnügen, „SWING VOTE“ jetzt als „deutsche Erstaufführung“ im Heimkino zu erleben.
Anbieter: „Spendid-Film“.