Spotlight

Er bekam den „Oscar“ als BESTER JAHRESKINO-Film 2015. Und die Akademie hatte recht: Ein Meisterwerk. Trotzdem wurde er hierzulande viel zu wenig beachtet. Nun ist er bei uns soeben für das HEIM-KINO herausgekommen. Und ich möchte diesen 5 PÖNIs-Film noch einmal „dringend“ empfehlen: Ein Journalisten-Thriller der Extra-Klasse: „SPOTLIGHT“ von Tom McCarthy (Co-B + R; USA 2014; Co-B: Josh Singer; K: Masanobu Takayanagi; M: Howard Shore; 128 Minuten; Start D: 25.02.2016; Heimkino-Veröffentlichung: 30.06.2016); zuletzt hatte sich der Drehbuch-Autor und Regisseur (und frühere Schauspieler) THOMAS „Tom“ McCARTHY mit Adam Sandler eingelassen und stürzte mit dem gemeinsamen Film „Cobbler –Der Schuhmagier“ (s. Heimkino-KRITIK) total ab. Davor aber hatte der heute 50jährige einige exzellente Produktionen vorzuweisen: mit „Station Agent“ (2003); „Ein Sommer in New York – The Visitor“ (s. Kino-KRITIK) sowie „Win Win“ (s. Kino-KRITIK). Mit „SPOTLIGHT“ hat Tom McCarthy seinen bislang besten Film geschaffen, der für gleich 6 „Oscars“ nominiert wurde. Ein Meisterstück!

Spotlight, so heißt das investigative Journalisten-Team der Zeitung „Boston Globe“. 2003 erhielt das 1872 gegründete Traditions-Blatt den renommierten „Pulitzer Preis“. Für die hartnäckig recherchierte, wahre Aufdeckung eines Pädophilie-Skandals innerhalb der Katholischen Kirche zu Beginn der 2000er Jahre in Massachusetts. Zuallererst – wer hier an den politischen wie spannenden wie faszinierenden und unvergessenen „Watergate“-Journalisten-Film „Die Unbestechlichen“ von Alan J. Pakula aus dem Jahr 1976 denkt (mit Dustin Hoffman als Carl Bernstein und Robert Redford als Bob Woodward), ist auf der richtigen Filmspur. Denn damals wie heute geht es darum, dass innerhalb eines demokratischen Gemeinwesens die „vierte Macht“ im Staate, der investigative Journalismus, funktioniert. Davon erzählt dieser brillante Thriller.

Neue Besen kehren manchmal gut. Als der aus Miami gekommene neue „Boston Globe“-Chefredakteur Marty Baron (LIEV SCHREIBER) von einem katholischen Priester erfährt, der seine Schutzbefohlenen, allesamt Kinder, missbraucht haben soll, wittert er „mehr“. Setzt sein Team „Spotlight“ um den dortigen Anführer Walter „Robby“ Robinson (MICHAEL KEATON/“Birdman“) in Recherche-Bewegung. Dabei bedeutet deren Dynamik – (noch) nicht am Computer „hantieren“ zu können, sondern mühseliges Klinkenputzen. Bei der Suche nach Aussagen. Notizblock-Journalismus; „digital“ ist noch nicht / gibt es noch nicht. So ist das Team mit Akten-Durchforsten befasst, Kopiergeräte laufen heiß. Es gilt an geheime Gerichtsakten heranzukommen, immer misstrauischer beäugt und bedroht vom einheimischen System. Bald schon ahnt man die Ausmaße der aufwändigen Ermittlungen. Während der Widerstand der Kirchen-Oberen, der Bostoner Diözese, stellvertretend: Kardinal Bernard Law (LEN CARIOU), immer „umfangreicher“ wird. Schließlich weiß man sich durch „höchste Gesellschaftskreise“ – einschließlich der Bostoner Justiz – gut „behütet“. Geschützt.

Es ist die schönste, pikanteste Szene des Films, als Neuling Walter Robinson seine Aufwartung beim Erzbischof macht. Besser. Machen muss. Weil es traditionelle gesellschaftliche Gepflogenheit ist. In diesem „Kleinstaat“ Boston. Tom McCarthy inszeniert dies wie den Besuch beim örtlichen „Paten“. Diskret, aber eindeutig in der Betonung: Du tust mir nichts, ich bin für dich da. Sollte es bei dir, Walter, „mal haken“. Eine Hand wäscht hier die andere.

Der Film = Keine glatte Sache. Ganz im Gegenteil, jeder der Team-Leute hat eine Menge „zu knabbern“. Zu verdauen. Hat sich zwischen Loyalität und immer mehr auch privaten Einflüssen zu entscheiden. Michael Rezendes (MARK RUFFALO), Sacha Pfeiffer (RACHEL ADAMS), Matt Carroll (BRIAN d’Arcy), Stephen „Steve“ Kurkjian (GENE AMOROSO) und Eileen McNamara (MAURREN KEILLER) und ihre Helfershelfer aber sind „Die Unbestechlichen“. Sie arbeiten zäh und sind zunehmend fassungsloser über die immer umfangreicher werdenden fürchterlichen Recherche-Ergebnisse. Und bemühen sich, mit den Opfern in Kontakt zu gelangen.

Keine Großspurigkeit. Sondern die unglaublich spannende Puzzle-Arbeit eines Journalisten-Teams. Wobei die Geschichte einen selbst immer mehr in den Bann zieht. Solidarische Wut, Aufregung, Empörung, Betroffenheit, löst dieser harte wie hochkarätig-emotionale Film im Parkett aus. Weil dieses Schauspieler-Ensemble, zu dem auch STANLEY TUCCI (als Opfer-Anwalt) und RICHARD JENKINS zählen, sich nicht als „Dar-Steller“ zeigt, sondern als „echtes“, aufrichtiges, identifizierbares Seelen-Personal. Mit denen mitzugehen, sie zu begleiten, zu verfolgen, mit ihnen zu empfinden, ein wahnsinnig gutes Kino-Vergnügen ist. Solch ein packendes, überzeugendes Ensemble habe ich seit den Robert Altman-Meisterwerken („Nashville“) nicht mehr in dieser Qualität im Kino erlebt.

Das allergrößte Plus dieses herausragenden Films „Spotlight“ aber ist, das er weder dämonisiert noch heroisiert. Hier ist niemand letztlich „Gewinner“; zu grausam sind die Erkenntnisse, die „herausgefundenen“ Leiden. Ein „Triumphieren“ wäre unangemessen. Die Tatsache, dass „so etwas“ in der zivilisierteren Welt überhaupt passiert und (weiterhin) aufgedeckt werden muss, sorgt für enorme Betroffenheit. Und (sehr) viel Diskussionsstoff.

„SPOTLIGHT“ ist einer der besten Journalisten-Thriller aller Zeiten (= 5 PÖNIs).

Anbieter: „Universal Pictures Home Entertainment“